Unterhaltsame Relevanz im Operettengewand

"Die Blume von Hawaii" an der Oper Dortmund   Foto: Björn Hickmann, Stage Picture

„Die Blume von Hawaii“ an der Oper Dortmund Foto: Björn Hickmann, Stage Picture

Wie schön muss es sein, in einer Operettenwelt zu leben? Man umgibt sich mit fröhlichen und herzzerreißenden Melodien, alles ist bunt und glitzert, und man beschäftigt sich den ganzen Tag mit verwirrenden Liebesdreiecken und vielen Happy Endings. Die Oper Dortmund versucht nun, den Besuchern einen Einblick in ebendiese, vordergründig rein fröhliche, Operettenwelt zu geben und zeigt Paul Abrahams Die Blume von Hawaii. Während Spaß, Goldregen und Showtreppen den Hauptteil des Abends einnehmen, überraschen die Dortmunder doch auch immer wieder mit erstaunlich tiefgreifenden und nachdenklichen Szenen und bieten so einen Operetten-Abend, der abwechslungsreicher kaum sein könnte.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Und er war eben doch ein Nazi

Per Leo: Flut und Boden // Quelle: Klett-Cotta

 

Als Historiker ist der Autor Per Leo damit vertraut, sich auf Spurensuche in der Vergangenheit zu machen. In seinem literarischen Debüt Flut und Boden. Roman einer Familie taucht er bis zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts hinab, um von dort aus die Geschichte seiner eigenen Familie zu ergründen. Auslöser hierfür, aber nicht alleiniger Fokus des Romans, sind sein Großvater Friedrich und dessen Nazivergangenheit.

 

von GREGOR J. REHMER

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Zwischen Massenmord und Alltagsproblemen

Martin Amis - Interessengebiet Cover: PiperThomsen, der obstruktive Mitläufer, Paul Doll, der Kommandant des Kat Zets, und Szmul, der Sonderkommandoführer – in einem namenlosen Konzentrationslager versuchen alle drei ihre Interessen zu wahren: Sand ins Getriebe werfen, Sex mit der eigenen Frau und ein reibungsloser Ablauf der Selektion, oder einfach nur blankes Überleben. In seinem neuen Roman Interessengebiet berichtet Martin Amis aus den sehr unterschiedlichen Ich-Perspektiven dieser drei Männer.

von GREGOR J. REHMER Weiterlesen

Der Cockring der Geschichte

Eiríkur Örn Norðdahl - Böse Cover: Tropen bei Klett-CottaDer Holocaust ist immer wieder Thema literarischer Bearbeitungen. Dass er auch die Enkelgeneration nicht kalt lässt und wie ein Sextoy und Island hiermit zusammenhängen, zeigt Böse von Eiríkur Örn Norðdahl.

von GREGOR J. REHMER Weiterlesen

DER Literaturkritiker

Uwe Wittstock - Marcel Reich-Ranicki. Die Biografie   Cover: BlessingAm 2. Juni wäre Marcel Reich-Ranicki 95 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass werden in der Frankfurter Ausstellung Marcel Reich-Ranicki – Sein Leben (ausführlich dazu Sandra Kegel in der FAZ) bisher unbekannte Fotos präsentiert und zusammen mit persönlichen Gegenständen ausgestellt. Uwe Wittstock und Wolfgang Schopf zeigen den Privatmann MRR inklusive Lieblingslederungetüm (Lesesessel). Auch Wittstocks Biografie, die zuerst 2005 mit dem Titel Marcel Reich-Ranicki – Geschichte eines Lebens erschien, ist nun, nach zehn Jahren, in überarbeiteter und um die letzten Lebensjahre des „Literaturpapstes“ erweiterter Ausgabe unter dem reduzierten Titel Marcel Reich-Ranicki – Die Biografie erhältlich.

von NADINE HEMGESBERG

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Teacher, leave us kids alone…

"Die Welle" am Schauspielhaus Bochum   Foto: Diana KüsterDie Welle in den Bochumer Kammerspielen zeigt eindrucksvoll, wie sich für das Projekt „Schulen in Bewegung“ 50 bunt gemischte jugendliche Laiendarsteller zusammenraufen und einen dynamischen, im Ganzen stimmigen Theaterabend auf die Beine stellen können. So mancher dramaturgische Fehlgriff oder nervositätsbedingte Patzer muss dabei zwar hingenommen werden, die Botschaft bleibt aber erkennbar.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Gefangen in den Maschen der Erinnerung

die unverheiratet   Foto: Georg SoulekWann hört er endlich auf, der Film, der unaufhaltsam in Dauerschleife im Kopf eines Opfers, Täters oder Traumatisierten läuft? Ist er irgendwann einfach abgespielt oder muss man ihn selbst anhalten? die unverheiratete lässt uns teilhaben an der finalen Abwicklung einer grausamen Tat, die wie ein solcher Film im Kopf der Täterin abläuft.

von ALINE PRIGGE

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„Eine unheimliche Wand, durch welche die Sprache nicht recht dringt“

Anne Weber - Ahnen. Ein Zeitreisetagebuch   Cover: S. FischerEin „Zeitreisetagebuch“ verspricht der Untertitel von Anne Webers essayistisch-erzählerischem Prosatext Ahnen, in dem die Autorin sich auf die Suche nach den Spuren des Lebens ihres 1924 verstorbenen Urgroßvaters begibt. Doch anders als in H. G. Wells’ The Time-Machine und anderen Klassikern des Zeitreise-Genres wird der Leser hier nicht in die Vergangenheit katapultiert; vielmehr gelingt das Spürbarwerden des Vergangenen nur sehr tastend und unter Wahrung einer unaufhebbaren Distanz.

von BERNHARD STRICKER Weiterlesen

Europas traumatisches Schicksal mit poetischer Kraft erzählt

COVER_Zweig_Welt von gesternWas uns Stefan Zweig in seiner großen, posthum veröffentlichten Autobiographie Die Welt von Gestern – Erinnerungen eines Europäers mitteilt, lässt sich weder als trockener historischer Bericht noch als sentimentale Zeitreise abstempeln. Die Entwicklung unseres Kontinents ist in knapp 500 Seiten dargelegt, voll von subjektiven Impressionen eines wachsamen Schriftstellerauges, frei von jeglicher Zeigefingermoral.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Die (un)spaßige Hitler-Revue

Er ist wieder da in Castrop-Rauxel   Foto: Volker BeushausenTimur Vermes gelang mit seiner Hitler-Satire Er ist wieder da 2012 wahrlich ein Instanterfolg beim deutschsprachigen Publikum und war ein Jahr lang nicht aus der Spiegel-Bestsellerliste zu verdrängen. Einerseits gefeiert, andererseits vom Feuilleton demontiert, knackte Vermes mit seinem Roman und der dazugehörigen Hörbuchfassung mit Christoph Maria Herbst die Millionengrenze der Verkaufszahlen. Zeitgleich mit dem Landestheater Schwaben sicherte sich nun das Landestheater Westfalen die Aufführungsrechte: Regisseur Gert Becker brachte in Castrop-Rauxel eine klamaukig-ernste Hitler-Revue auf die Bühne, die nun auf Tournee geht.

von NADINE HEMGESBERG

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