Teacher, leave us kids alone…

"Die Welle" am Schauspielhaus Bochum   Foto: Diana KüsterDie Welle in den Bochumer Kammerspielen zeigt eindrucksvoll, wie sich für das Projekt „Schulen in Bewegung“ 50 bunt gemischte jugendliche Laiendarsteller zusammenraufen und einen dynamischen, im Ganzen stimmigen Theaterabend auf die Beine stellen können. So mancher dramaturgische Fehlgriff oder nervositätsbedingte Patzer muss dabei zwar hingenommen werden, die Botschaft bleibt aber erkennbar.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Gefangen in den Maschen der Erinnerung

die unverheiratet   Foto: Georg SoulekWann hört er endlich auf, der Film, der unaufhaltsam in Dauerschleife im Kopf eines Opfers, Täters oder Traumatisierten läuft? Ist er irgendwann einfach abgespielt oder muss man ihn selbst anhalten? die unverheiratete lässt uns teilhaben an der finalen Abwicklung einer grausamen Tat, die wie ein solcher Film im Kopf der Täterin abläuft.

von ALINE PRIGGE

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„Eine unheimliche Wand, durch welche die Sprache nicht recht dringt“

Anne Weber - Ahnen. Ein Zeitreisetagebuch   Cover: S. FischerEin „Zeitreisetagebuch“ verspricht der Untertitel von Anne Webers essayistisch-erzählerischem Prosatext Ahnen, in dem die Autorin sich auf die Suche nach den Spuren des Lebens ihres 1924 verstorbenen Urgroßvaters begibt. Doch anders als in H. G. Wells’ The Time-Machine und anderen Klassikern des Zeitreise-Genres wird der Leser hier nicht in die Vergangenheit katapultiert; vielmehr gelingt das Spürbarwerden des Vergangenen nur sehr tastend und unter Wahrung einer unaufhebbaren Distanz.

von BERNHARD STRICKER Weiterlesen

Europas traumatisches Schicksal mit poetischer Kraft erzählt

COVER_Zweig_Welt von gesternWas uns Stefan Zweig in seiner großen, posthum veröffentlichten Autobiographie Die Welt von Gestern – Erinnerungen eines Europäers mitteilt, lässt sich weder als trockener historischer Bericht noch als sentimentale Zeitreise abstempeln. Die Entwicklung unseres Kontinents ist in knapp 500 Seiten dargelegt, voll von subjektiven Impressionen eines wachsamen Schriftstellerauges, frei von jeglicher Zeigefingermoral.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Die (un)spaßige Hitler-Revue

Er ist wieder da in Castrop-Rauxel   Foto: Volker BeushausenTimur Vermes gelang mit seiner Hitler-Satire Er ist wieder da 2012 wahrlich ein Instanterfolg beim deutschsprachigen Publikum und war ein Jahr lang nicht aus der Spiegel-Bestsellerliste zu verdrängen. Einerseits gefeiert, andererseits vom Feuilleton demontiert, knackte Vermes mit seinem Roman und der dazugehörigen Hörbuchfassung mit Christoph Maria Herbst die Millionengrenze der Verkaufszahlen. Zeitgleich mit dem Landestheater Schwaben sicherte sich nun das Landestheater Westfalen die Aufführungsrechte: Regisseur Gert Becker brachte in Castrop-Rauxel eine klamaukig-ernste Hitler-Revue auf die Bühne, die nun auf Tournee geht.

von NADINE HEMGESBERG

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Mindestens drei Gründe, Irmina zu lesen

Barbara_Yelin: Irmina_Verlag: ReproduktMit Gift schaffte Barbara Yelin den Durchbruch als Comiczeichnerin. Nun erscheint die erste Graphic Novel, bei der auch das Szenario von ihr stammt: Irmina ist die typisch-untypische Geschichte einer deutschen Frau – beginnend in den 1930er Jahren. Yelin gelingt ein differenziertes Porträt ihrer Protagonistin, das zum Nachdenken anregt.

von MONIKA SCHMITZ-EMANS Weiterlesen

Was man (nicht) sehen kann

COVER_Anthony Doerr_Alles Licht das wir nicht sehenEin verschwundener Schatz und eine Verbindung zwischen zwei auf unterschiedliche Weise im Dunkeln gefangenen Jugendlichen, die auf verschiedenen Seiten eines Krieges stehen, für den sie nichts können… Was klingt wie eine gefährlich zum Kitsch tendierende Mischung, verbindet sich in Alles Licht, das wir nicht sehen zu einer ebenso spannenden wie reflektierten Erzählung vom Aufwachsen in der Zeit des Zweiten Weltkrieges und von den alle Ideologien unterlaufenden Gemeinsamkeiten der Menschen. Anthony Doerr findet eine klare Sprache für die Dunkelheit einer Zeit, die von irrem Reinheitswahn beherrscht wurde und dennoch nicht vermochte, alle Hoffnungen auf Zukunft zu ersticken.

von SOLVEJG NITZKE Weiterlesen

Das Ungeziefer in dir: Lebst du noch oder krabbelst du schon?

Die Verwandlung am Theater Oberhausen, Moritz Peschke als Gregor Samsa   Foto: Klaus FröhlichDas Publikum ist dem ukrainischen Regisseur Andriy Zholdak laut eigener Aussage ziemlich egal. Das deutsche Publikum sei ohnehin eines, das ein Stück, das es nicht versteht, gleichermaßen unverständlich wie schlecht findet. Ist das Oberhausener Premierenpublikum von Zholdaks Kafka-Inszenierung der Verwandlung also ein vermeintlich „typisch deutsches“, weil es die Inszenierung weniger mit stehenden Ovationen als mit vereinzelten Buh-Rufen und sichtlicher Irritation und Erregung goutiert: „Unverschämtheit“, „Ich hatte es mir ja schon schlimm vorgestellt, aber das?!“ oder „Ich fand es dermaßen unmöglich.“ Erklärungsversuche.

von KATJA PAPIOREK und NADINE HEMGESBERG

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Der letzte Sommer

Urs Faes_Sommer in Brandenburg   Cover SurhrkampSommer in Brandenburg – was sich für heutige Ohren so idyllisch anhört wie eine Fahrt durch die Bronx, ist im Jahre 1938 tatsächlich die Bastion eines trügerischen Friedens. Urs Faes erzählt in seinem neuen Roman von einer Liebe, die angesichts der Tristesse ringsherum nur Augen füreinander hat.

von KARIN BÜRGENER Weiterlesen

Über Männer im Wochenbett, Transvestiten und die indische Freiheitsbewegung

Aufmarsch von NS-Studenten vor dem Institut für Sexualwissenschaft unmittelbar vor dessen Plünderung und Zerstörung am 6. Mai 1933

Aufmarsch von NS-Studenten vor dem Institut für Sexualwissenschaft unmittelbar vor dessen Plünderung und Zerstörung am 6. Mai 1933 Quelle Wikimedia

Hirschfeld (1868-1935): Der Sexualforscher begibt sich auf Weltreise, um Eherituale, Familientraditionen und Sexualkrankheiten verschiedener Kulturen kennenzulernen. Dabei steht ein Besuch im Prostitutionsviertel von Tokyo oder von Phallussymbolen in Indonesien ganz oben auf der Liste. Zurück in Europa konnte der Vordenker sexueller Bewegungen aus Furcht vor den Nazis nie wieder deutschen Boden betreten.

Von MAXI GÖDEL

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