Die Kunst, einen Künstler zu erkennen

Tania Blixen: Babettes Gastmahl; Cover: Manesse Verlag

Was geschieht mit Talent und Kunst, wenn es nicht als solches erkannt und wertgeschätzt werden kann? Tania Blixen erzählt in Babettes Gastmahl die Geschichte einer Künstlerin, deren Talent genau diesem Umstand zum Opfer fällt. Es ist die Erzählung der Anhebung des Menschen durch die Kunst und wie diese ihn aus seinen schicksalhaften Zwängen befreien kann. Eine scheinbar unscheinbare Lektüre, die zum Nachdenken über den Kunstbegriff anregt.

von JULIA LEWEN

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Zwischen rückschrittlichen Ansichten und verblüffender Universalität

Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne; Cover: Reclam

Die schwarze Spinne von Jeremias Gotthelf wird von einigen Germanisten in den Rang der Weltliteratur gehoben. Als Verfechter christlich-konservativer Werte wirkt die Novelle wie eine Reaktion Gotthelfs auf die zeitgenössischen Wandlungen seiner Epoche. Wie kann der Glaube an eine sittliche Ordnung der Welt die Menschen vom Bösen retten? Gotthelfs Erzählung zeigt auf, wie dies möglich ist.

von JULIA LEWEN

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Tschingis Aitmatow – Eine Liebesgeschichte schöner als Romeo und Julia?

Tschingis Aitmatow bei einer Lesung in Marburg an der Lahn im Jahr 2003, Foto von Andreas Zak.

Er galt als der kirgisische Nationaldichter, sein Vater wurde während der stalinistischen „Säuberungen“ wegen „bürgerlichem Nationalismus“ hingerichtet, er selbst schrieb für die Parteizeitung Prawda und wurde schließlich Botschafter Kirgisistans in Frankreich. Wer war dieser divergente Mann? Wer war der Schriftsteller Tschingis Aitmatow, der am 10. Juni 2008 in Nürnberg starb?

von ALINA WOLSKI

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Mama, ich begrabe dich

Scholastique Mukasonga: Frau auf bloßen Füßen; Cover: Peter Hammer Verlag

In Frau auf bloßen Füßen erschreibt sich Scholastique Mukasonga den Grabstein für ihre Mutter, den sie ihr nie setzen konnte. Denn ihre Mutter Stefania fiel – wie Mukasongas gesamte Familie und über 800.000 andere Tutsi – dem Völkermord in Ruanda 1994 zum Opfer. Ihre Kindheit lässt Mukasonga in dieser Biografie wiederauferstehen: Traditionen und Aberglaube, die aufkommende Globalisierung – und inmitten dessen die ruandischen Tutsifrauen und die allgegenwärtige Todesangst.

von THOMAS STÖCK

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Herzschmerz in der Stadt der Liebe

Salih Jamal: Blinder Spiegel; Cover: Septime Verlag

Wer ein Happy End erwartet, ist hier fehl am Platz: Salih Jamal erzählt in seinem neuen Roman Blinder Spiegel von der unmöglichen und tragischen Liebe zwischen der geheimnisvollen Elle und dem nach Freiheit strebenden Lui. Poetisch entführt uns der Autor in ein Paris, wie wir es alle kennen, in dem manchen Menschen das Glück jedoch verwehrt bleibt. Uns erwartet eine schmerzhafte Geschichte in fünf Akten.

von ALINA BRAUCKS

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Türchen 23: In der Weihnachtsbücherei

Haben Sie Lust auf Weihnachtsliteratur, die zum Nachdenken anregt? Oder wünschen Sie sich Geschichten zum gemütlichen Dahinschwelgen, um sich kurz vor Heiligabend noch schnell in Weihnachtsstimmung zu bringen? Der Fischer Verlag weiß beides zu vereinen und versammelt in seiner Sammlung Die schönsten Weihnachtsgeschichten sechzehn Autoren und zwanzig Texte, die sich auf abwechslungsreiche Art mit dem Weihnachtsfest befassen.

von ANN-KATHRIN ALBUSTIN

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„So spendet Segen noch immer die Hand“

Friedrich Christian Delius: Die Birnen von Ribbeck; Rowohlt

30 Jahre ist es schon her, dass die Berliner Mauer geöffnet wurde. Anhand des beschaulichen Dörfchens Ribbeck im Havelland und Theodor Fontanes bekannter Ballade porträtiert Friedrich Christian Delius 100 Jahre deutscher Geschichte. Ein wahrer Wortschwall ergießt sich so aus dem vielstimmigen Kreis der DDR-Bürger, deren Erinnerungen zwischen Erleichterung und Vorfreude respektive Resignation und Angst vor der Zukunft changieren.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

„Desaströse Selbstfokussierung“ oder der Selfie-Narziss

Ramona Raabe: Das pathologische Leiden der Bella Jolie, Cover: Dittrich

Selfies sind im 21. Jahrhundert zum Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. In ihrem ersten Buch widmet sich die junge Autorin Ramona Raabe eben diesem Phänomen. Die thematisch längst überfällige Novelle Das pathologische Leiden der Bella Jolie über die Sucht nach der Selbstabbildung, das Einfangen des gegenwärtigen Moments und die Suche nach dem Ich besticht besonders durch den außergewöhnlichen, innovativen Aufbau.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

In den Trümmern menschlicher Abgründe

Kleists "Das Erdbeben in Chili" bei den Ruhrfestspielen Foto: Anke Neugebauer

Kleists „Das Erdbeben in Chili“ bei den Ruhrfestspielen Foto: Anke Neugebauer

Schon im November des letzten Jahres feierte Alice Buddebergs Inszenierung von Das Erdbeben in Chili (1807) in Weimar Premiere. Nun bringt die Regisseurin Kleists Novelle auf die kleine Bühne des Festspielhauses der Ruhrfestspiele und zeigt in gerade mal 60 Minuten, wieviel Grausamkeit, aber auch Humor in der Abhandlung über den Umgang mit der Theodizee und deren unmenschlichen Resultaten stecken kann.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Mindestens drei Gründe, Irmina zu lesen

Barbara_Yelin: Irmina_Verlag: ReproduktMit Gift schaffte Barbara Yelin den Durchbruch als Comiczeichnerin. Nun erscheint die erste Graphic Novel, bei der auch das Szenario von ihr stammt: Irmina ist die typisch-untypische Geschichte einer deutschen Frau – beginnend in den 1930er Jahren. Yelin gelingt ein differenziertes Porträt ihrer Protagonistin, das zum Nachdenken anregt.

von MONIKA SCHMITZ-EMANS Weiterlesen