Wenn der Clown zum Mörder wird

Der Bajazzo, Aalto-Musiktheater Essen (Foto: Matthias Jung)

Die neue Version der ebenso dramatischen wie kurzen Oper Der Bajazzo (Pagliacci) am Aalto-Musiktheater Essen ist vor allem eines: bildgewaltig. Regisseur Roland Schwab geizt nicht mit Lichtstimmungen, filmischen Kulissen und Requisiten. Während Robert Jindra die bestens disponierten Essener Philharmoniker souverän-temperamentvoll durch die Partitur von Leoncavallo führt, lassen die Sänger:innen einige Wünsche offen.

von HELGE KREISKÖTHER

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Kolumne: in der lesBar mit Christa Ludwig und Carl Ehrhard

Eine verstorbene Legende, eine kritische Dame, ein untergehender Zweig der Musik, eine intime Konzertatmosphäre, ein süßer Trunk zum Schwelgen, ein Ende und die Lücke, die dieses hinterlässt. Eine Trauerfeier in der lesBar.

von NICK PULINA

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Gluck statt Wagner oder: Orpheus als Corona-Bezwinger?

Orfeo | Euridice, Aalto-Musiktheater Essen

Eigentlich heißt Glucks bekannteste Oper Orfeo ed Euridice – Orpheus und Eurydike –, das Essener Aalto-Musiktheater inszeniert den Klassiker jedoch unter dem Titel Orfeo | Euridice. Soll diese Trennungswand womöglich den Infektionsschutz symbolisieren? Man mag darüber grübeln, sollte jedoch nicht den Blick davor verschließen, dass es – endlich – wieder hochkarätige Opernkunst gibt, die nicht als Stream, sondern ganz physisch daherkommt. Eine gekürzte und angepasste azione teatrale zwar, dank Tomáš Netopils musikalischer Leitung jedoch ein Genuss.

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Ein neuer Ruhrpott-Lohengrin

Nachdem es im Dezember 2016 bereits eine aufsehenerregende Lohengrin-Premiere am Essener Aalto-Theater gab, legt Schauspiel- und Musiktheater-Regisseur Ingo Kerkhof nun seine Interpretation dieser wahrscheinlich romantischsten aller Wagner-Opern im Theater Dortmund vor. Atmosphärisch dichte Bilder, aber auch eine beglückende Sängerbesetzung rund um Daniel Behle in der Titelrolle sowie zupackende Dortmunder Philharmoniker sorgen für eine Vorstellung mit einem ungewöhnlich hohen ästhetischen Wert.

Theater Dortmund, Spielzeit 2019-2020, Lohengrin; Romantische Oper in drei Akten von Richard Wagner

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Samsons Schwachstelle oder: Das Alte Testament auf der Opernbühne

"Samson et Dalila" an der Deutschen Oper am Rhein Foto: Jochen Quast

„Samson et Dalila“ an der Deutschen Oper am Rhein Foto: Jochen Quast

Camille Saint-Saëns dürfte den meisten Musikliebhabern weniger als Opernkomponist, eher als Verfasser von Konzert- bzw. Orchesterstücken bekannt sein – allen voran Le Carnaval des animaux (Der Karneval der Tiere). Mit Samson et Dalila schuf der Franzose aber auch ein Meisterwerk des spätromantischen Musiktheaters, das nun in einer Neuinszenierung in der Deutschen Oper am Rhein zu erleben ist. Die Partitur weiß hier Axel Kober zum Leuchten zu bringen, während Regisseur Joan Anton Rechi eine beeindruckend stimmige Aktualisierung des biblischen Stoffes gelingt.

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Machen es wirklich alle so?

"Così fan tutte" am Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

„Così fan tutte“ am Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Essens gegenwärtiger Generalmusikdirektor Tomáš Netopil liebt nicht nur die großen Komponisten seiner tschechischen Heimat, sondern insbesondere auch Mozart. So übernimmt er nach Titus und vor Figaros Hochzeit nun die musikalische Leitung der Neuinszenierung von Così fan tutte. Regie führt der Engländer Stephen Lawless, zum ersten Mal am Aalto-Musiktheater. Er zeichnet diesen heiteren und zugleich bitterernsten Geniestreich aus dem Jahr 1790 als farbenfrohe Referenz ans klassische Bühnendekor.

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Wenn die Pikdame ihr Ass ausspielt

"Pique Dame" an der Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

„Pique Dame“ an der Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Die Deutsche Oper am Rhein holt die US-amerikanische Regisseurin Lydia Steier, die im letzten Jahr als erste Frau Mozarts Zauberflöte bei den Salzburger Festspielen inszenierte, nach Düsseldorf, um Pique Dame, die zweitberühmteste Oper von Tschaikowskij, auf die Bühne zu bringen. Entstanden ist ein zwar konventioneller, aber durchweg überzeugender, farbenfroher Musiktheater-Abend mit einigen wenigen Durststrecken.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos

"Der Ring an einem Abend" am Aalto-Theater Essen Foto: Matthias Jung

„Der Ring an einem Abend“ am Aalto-Theater Essen Foto: Matthias Jung

Während die Deutsche Oper am Rhein aktuell über mehrere Spielzeiten hinweg mehr oder weniger erfolgreich den gesamten Wagner’schen Ring-Zyklus inszeniert, macht es sich das Essener Aalto-Theater einfacher und nimmt Loriots Der Ring an einem Abend in sein Programm. Statt 15-stündigem Bombast erleben die Besucher in Essen eine urkomische, dreistündige Reduktion, die Wagners Meisterwerk trotz all ihrer Albernheiten nie bloßstellt, sondern sich vor ihm verbeugt. 

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Die tödliche Schlange Eifersucht

Verdis "Otello" am Essener Aalto-Theater Foto: Thilo Beu

Verdis „Otello“ am Essener Aalto-Theater Foto: Thilo Beu

Im Essener Aalto-Musiktheater gibt es mal wieder eine Verdi-Neuinszenierung. Diesmal jedoch nicht ein Klassiker wie Aida, La Traviata oder Rigoletto, sondern ein Spätwerk, das der Komponist in Angriff nahm, obgleich er sich eigentlich schon von der Opernwelt verabschiedet hatte: Otello nach Shakespeares gleichnamigem Drama. In der Regie von Roland Schwab und unter musikalischer Leitung von Matteo Beltrami wird (aufs Neue) deutlich, warum dieses „lyrische Drama“ zweifellos Verdis anderen Meisterwerken ebenbürtig – wenn nicht gar überlegen – ist.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Alles hat ein Ende – den Göttern sei Dank!

Richard Wagners "Götterdämmerung" an der Deutschen Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Richard Wagners „Götterdämmerung“ an der Deutschen Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Es ist vollbracht: Die Deutsche Oper am Rhein hat mit Götterdämmerung nun den letzten Teil von Wagners Ring-Zyklus zur Premiere gebracht. Während die Solisten vom Premierenpublikum frenetisch gefeiert werden, holt sich das Kreativteam um Regisseur Dietrich W. Hilsdorf ein lautes Buh-Konzert ab. Daran sollte es sich inzwischen gewöhnt haben.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen