Folklore mit Schwung oder: Die böhmische Pechmarie

Smetanas "Die verkaufte Braut" am Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Smetanas „Die verkaufte Braut“ am Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Zur Eröffnung der Spielzeit 2017/18 präsentiert das Essener Aalto-Musiktheater den vielleicht größten Klassiker des tschechischen Musiktheaters, Smetanas Die verkaufte Braut, auf Deutsch. Während das junge Regieduo SKUTR inszenatorisch nur wenige Akzente setzt, lässt der Abend in musikalischer Hinsicht beinah keinen Wunsch offen. Vor allem Jessica Muirhead in der Titelpartie und Tomáš Netopil an der Spitze seiner Essener Philharmoniker sorgen für genussvolle Momente.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

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Blick in den Kopf der Kanzlerin

Man kennt sie reserviert, besonnen und neutral. Ihre Markenzeichen sind einfarbige Hosenanzüge und „die Raute“, lange hinausgezögerte Entscheidungen und interpretationsoffene Reden. Wie aber könnte es hinter dieser Fassade aussehen? Was geht der Kanzlerin durch den Kopf, während sie den Staatschefs ferner Länder die Hände schüttelt und Kindergärten besucht? Wie kam es zu ihrer Entscheidung, die Grenzen zu öffnen und zu sagen „Wir schaffen das“? Und was haben die darauffolgenden Anfeindungen mit ihr gemacht? Der Journalist und Autor Konstantin Richter wagt  in seinem Buch Die Kanzlerin. Eine Fiktion eine Antwort auf diese Fragen.

Von HANNAH SCHMIDT Weiterlesen

Hauptsache, es knallt

Mozarts "Titus" am Essener Aalto-Theater Foto: Thilo Beu

Mozarts „Titus“ am Essener Aalto-Theater Foto: Thilo Beu

Ausgerechnet am fünften Doch-Nicht-Geburtstag des Berliner Pannen-Flughafens lädt das Essener Aalto-Theater zur letzten Premiere seiner diesjährigen Spielzeit. Regisseur Frédéric Buhr siedelt die antike Geschichte um den milden Kaiser Titus (zufällig?) an einem stylishen Flughafen in unserer Gegenwart an und präsentiert eine bemüht aktuelle Mozart-Interpretation, die seine Holzhammermethode nicht nötig gehabt hätte, um Aktualität widerzuspiegeln.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Prophetisches Spektakel

Giacomo Meyerbeers "Le Prophète" am Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Giacomo Meyerbeers „Le Prophète“ am Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Zum ersten Mal in der Geschichte des Essener Aalto-Theaters wird eine Oper von Giacomo Meyerbeer aufgeführt: Le Prophète. Dass der im selben Jahr wie Rossini geborene Komponist samt seiner gewaltigen historischen Sujets so lange in Vergessenheit geraten ist, erscheint nach diesem fünfstündigen Abend fast unbegreiflich, denn die Inszenierung von Vincent Boussard erweist sich – gerade im Musiktheater keine Selbstverständlichkeit – als echter zeitgemäßer Hingucker.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Die Tragik des verfluchten Clowns

Verdis "Rigoletto" im Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Verdis „Rigoletto“ im Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Der Horror-Clown hat nicht nur einen Weg aus den USA nach Europa, sondern auch ins Ruhrgebiet gefunden: Mit Verdis Rigoletto sind auf der Bühne des Essener Aalto-Theaters eine Menge maskierter Fratzen zu sehen und verzerren das Bild des einst harmlosen Spaßmachers. Regisseur Frank Hilbrich zeigt eine größtenteils gelungene Kombination aus der Tragik einer ‚self-fulfilling prophecy‘, Horrormotiven sowie klugen Metaebenen – und eine Menge Luftballons.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Barock vor „Game of Thrones“-Kulisse

Händels "Alcina" am Theater Münster Foto: Oliver Berg

Händels „Alcina“ am Theater Münster Foto: Oliver Berg

Opern- und Musicalregisseur Sebastian Ritschel inszeniert am Theater Münster Georg Friedrich Händels Alcina und eröffnet damit die „Tage alter Musik“. Während die Bühne mit so mancher effektvollen Überraschung aufwartet, bleibt das musikalische Geschehen aber trotz des beherzten Dirigats Attilio Cremonesis auf einem mittleren Niveau.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Mein lieber Schwan!

Wagners "Lohengrin" am Essener Aalto-Theater Foto: Forster

Wagners „Lohengrin“ am Essener Aalto-Theater Foto: Forster

„Nie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen, woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam‘ und Art.“ Nein, das Essener Aalto-Theater hat in dieser Spielzeit keine Vertonung der Grimmʼschen Rumpelstilzchen-Geschichte im Programm. Jedenfalls nicht direkt. Dieses zentrale Zitat stammt aus Richard Wagners Oper Lohengrin, die seit Anfang Dezember das Essener Publikum spaltet.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Düsteres Porträt einer stürmischen Seele

Verdis "Otello" an der Düsseldorfer Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Verdis „Otello“ an der Düsseldorfer Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

In der Düsseldorfer Oper am Rhein wurde die Theatersaison nun mit Otello von Giuseppe Verdi eröffnet. Regisseur Michael Thalheimer widmet sich gänzlich Verdis Interpretation der Shakespeare-Vorlage und zeigt einen in sich Getriebenen, der – ästhetisch toll aufbereitet – an der eigenen Eifersucht zugrunde geht.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Weniger ist manchmal mehr – Konventionelle Regie, die überzeugt

"Norma" am Aalto-Theater in Essen Foto: Matthias Jung

„Norma“ am Aalto-Theater in Essen Foto: Matthias Jung

Eine Oper über ein gallisches Dorf würde bei vielen Regisseuren vorhersehbare Comic-Interpretationen hervorrufen. Anders sieht es in dieser Spielzeit im Essener Aalto-Theater aus. Imogen Kogge und Tobias Hoheisel bringen Vincenzo Bellinis Norma nun als erstes Stück der diesjährigen Spielzeit in fast biederer, dafür aber ausgesprochen zeitloser Inszenierung auf die Bühne. Ein herrlich motiviertes Solistengespann sowie die hohe Qualität der Essener Philharmoniker zaubern einen gelungenen Opernabend, ganz ohne Miraculixʼ Zaubertrank.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Hitzige Bastardkomödie

"Don Giovanni. Letzte Party" wird bei den Ruhrfestspielen im Festspielhaus gezeigt. Foto: Torsten Janfeld

„Don Giovanni. Letzte Party“ wird bei den Ruhrfestspielen im Festspielhaus gezeigt. Foto: Torsten Janfeld

Bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen hatte eine umjubelte Produktion des Thalia Theaters Hamburg ihre „Pott“-Premiere: Don Giovanni. Letzte Party. Exzessive Spielfreude, bunte Kostüme und eine Menge (dilettantischer) Musikeinlagen rissen das – ungewöhnlich stark involvierte – Publikum wie zu Mozarts Zeiten buchstäblich von den Sitzen. Ob der Abend sonst noch irgendetwas erreichen wollte, steht in den Sternen.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen