Showdown in Nordkorea

Jean Echenoz – Unsere Frau in Pjöngjang Cover: Hanser Berlin

In Zeiten neuer Spannungen zwischen den USA und Nordkorea, in denen selbst vor nuklearen Drohungen per Tweet nicht mehr zurückgeschreckt wird, kommt Jean Echenoz’ gewitzter neuer Roman Unsere Frau in Pjöngjang wie gerufen. Der französische Geheimdienst schickt eine attraktive Frau in die abgeschirmte „Volksrepublik“, um die dortigen Machthaber auszuhorchen. Am Ende läuft alles aus dem Ruder, und selbst der Erzähler verliert die Übersicht – Spionage könnte kaum unterhaltsamer sein.

 

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Advertisements

Traumwelten der Gegenwartskunst: Wie Jean-Max Colard die Grenze zwischen Traum und Kunstkritik auflöst

Jean-Max Colard – Die Ausstellung meiner Träume Cover: Wolff Verlag

2016 erschienen Jean-Max Colards poetische Traumnotate unter dem Titel Die Ausstellung meiner Träume im Berliner Wolff Verlag. Die von Christian Steinau herausgegebene Übersetzung zeigt auf, wie ein Kunstkritiker, Literaturwissenschaftler und Kurator in Personalunion seine Eindrücke aus dem Kunstbetrieb als Schriftsteller in Kunstliteratur verwandelt.  

von KATHARINA KRÄHENBÜHL Weiterlesen

Leichtigkeit auf erträgliche Art

Milan Kundera - Das Fest der Bedeutungslosigkeit   Cover: Carl Hanser VerlagDas Fest der Bedeutungslosigkeit, nach 15 Jahren der erste neue Roman von Milan Kundera, kommt ziemlich luftig daher. Und das liegt nicht nur an Seitenzahl und Zeilenabstand.

von KARIN BÜRGENER Weiterlesen

Un-Wort des Jahres

Michel Houellebecq - Unterwerfung   Cover: DumontDass ein Buch noch für Skandale sorgen kann: Michel Houellebecqs neuer Roman Unterwerfung polarisierte schon vor seinem Erscheinen Feuilletonredakteure, Politiker und mehr oder minder sachkundige Experten aller Fachgebiete. Was übrig bleibt, wenn man ihn mal nicht ideologisch und stattdessen literaturwissenschaftlich betrachtet, ist überraschend unspektakulär.

von KARIN BÜRGENER Weiterlesen

Was man (nicht) sehen kann

COVER_Anthony Doerr_Alles Licht das wir nicht sehenEin verschwundener Schatz und eine Verbindung zwischen zwei auf unterschiedliche Weise im Dunkeln gefangenen Jugendlichen, die auf verschiedenen Seiten eines Krieges stehen, für den sie nichts können… Was klingt wie eine gefährlich zum Kitsch tendierende Mischung, verbindet sich in Alles Licht, das wir nicht sehen zu einer ebenso spannenden wie reflektierten Erzählung vom Aufwachsen in der Zeit des Zweiten Weltkrieges und von den alle Ideologien unterlaufenden Gemeinsamkeiten der Menschen. Anthony Doerr findet eine klare Sprache für die Dunkelheit einer Zeit, die von irrem Reinheitswahn beherrscht wurde und dennoch nicht vermochte, alle Hoffnungen auf Zukunft zu ersticken.

von SOLVEJG NITZKE Weiterlesen

Ungebetene Gäste

Cover_Hila Blum_Der Besuch   Berlin VerlagDer Besuch von Hila Blum zeigt ein Familienportrait in Fragmenten. Eine Patchworkfamilie übt sich vor dem Hintergrund der geteilten Stadt Jerusalem im Zusammenhalt – doch wie lässt sich verhindern, dass die Vergangenheit verschwindet, wenn schon die Gegenwart als ein unzusammenhängendes Konstrukt erscheint? Ein ebenso fabelhaftes wie ungewöhnliches Debüt aus Israel.

Von KARIN BÜRGENER Weiterlesen

Wie ein Friseur die französische Revolution ins Rollen brachte

Mann, getrieben von unbändigem Ehrgeiz, ausgestattet mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein und nicht zuletzt gestraft mit ungeheuerlichem Realitätsverlust. Ein Mann, der untrennbar mit der französischen Revolution verbunden ist: Jean-Jacques Rousseau. Doch sein Schicksal wäre anders verlaufen, wenn Wintzenried nicht gewesen wäre. Der neue gleichnamige Roman Wintzenried von Karl-Heinz Ott erzählt das Leben des Rousseau auf unterhaltsame Art und Weise.

von JENNIFER RINSCHE

Weiterlesen

Wer einmal seine Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen

„WENN MIR DER BUS – wo ich mich für einen Platz auf der Plattform entscheide – auch sehr viel lieber ist als die Metro, so gehe ich doch am liebsten zu Fuß. Ständig von allem, was sich meinem Blick darbietet, in Versuchung geführt, ignoriere ich auf meinem Nachhauseweg mit Vergnügen jeder Abkürzung.“

von JOELLE SCHAMANN

Weiterlesen

Familienchronik ohne vergilbten Sepiaton

Edmund de Waal nimmt den Leser in Der Hase mit den Bernsteinaugen mit auf eine Reise durch das Europa des 19. und 20. Jahrhunderts mit dem Ziel den Weg des Erbes seiner berühmten Familie nachvollziehen zu können. Es mag zunächst wie eine von vielen sentimentalen Familienbiographien klingen, doch de Waal nimmt sich vor „keine sepiagetönte Familiensaga, keine elegische mitteleuropäische Verlustgeschichte“ zu schreiben und schafft diesen Balanceakt mit Bravour.

von RICARDA ALTVATER

Weiterlesen