Schwanengesang eines Mittvierzigers

Michel Houellebecq: Serotonin Cover: DuMont

Michel Houellebecq: Serotonin Cover: DuMont

Vier Jahre nach seinem viel diskutierten, längst für die Bühne und das Fernsehen adaptierten Bestseller Unterwerfung legt der Skandalautor Michel Houellebecq seinen neuen, unerwartet intimen Roman vor: Serotonin. Viel ist im Feuilleton auch über diesen bereits gesagt und geschrieben, sein Autor als genialer „Seismograph“ und „Visionär“ bejubelt worden. Dabei offenbart Serotonin unübersehbare literarische Schwächen, Einfallslosigkeit – und mitunter geistige Blutleere.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

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Die Koexistenz von Religionen

"Die Jüdin von Toledo" am Schauspielhaus Bochum Foto: Jörg Brüggemann / Ostkreuz

„Die Jüdin von Toledo“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Jörg Brüggemann / Ostkreuz

Die Jüdin von Toledo war die Eröffnungspremiere des Schauspielhauses Bochum unter der neuen Intendanz von Johan Simons, welcher auch die Regie bei dieser Inszenierung übernahm. In Koen Tachelets Theaterfassung nach dem Roman von Lion Feuchtwanger zeigt sich ein starkes Ensemble, welches auf reduzierter und abstrakter Bühne den komplexen und komplizierten Dialog dynamisch darzustellen weiß.

von KEVIN WANCKEL Weiterlesen

Vom Leben und Sterben eines stolzen Mannes

Shakespeares "Coriolan" am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Sandra Then

Shakespeares „Coriolan“ am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Sandra Then

Auf der CENTRAL-Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses inszeniert Tilmann Köhler, nachdem im Februar bereits Hamlet Premiere feierte, ein weiteres Shakespeare-Stück: den eher selten gespielten Coriolan. Während die grelle, slapstickverliebte Herangehensweise manches Mal an den Nerven zerrt, begeistert der Abend vor allem mit einem überragenden André Kaczmarczyk in der Titelrolle.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Weiße Westen, Persil sei Dank

"Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" am Musiktheater im Revier Foto: Karl und Monika Forster

„Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ am Musiktheater im Revier Foto: Karl und Monika Forster

„Darum lasst uns hier eine Stadt gründen. Und sie nennen Mahagonny. Das heißt: Netzstadt.“ Während die neu gegründete Stadt Mahagonny mitten im amerikanischen Nirgendwo ihr Netz auswirft und immer neue Bewohner einfängt, kann Jan Peters Inszenierung von Kurt Weills Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen nur wenige Premierenbesucher fesseln. Weit entfernt von frenetischem Applaus, klatscht das Publikum eher höflich. Etwas euphorischer hätte es jedoch reagieren dürfen, zeigt das MiR doch ein mutiges Stück, in einer Inszenierung, die gern noch etwas mutiger hätte sein dürfen. 

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Ein Fest der Wollust

"Die Philosophie im Boudoir" am Schauspielhaus Bochum Foto: Birgit Hupfeld

„Die Philosophie im Boudoir“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Birgit Hupfeld

Herbert Fritsch feiert mit seiner Bochumer Neuinszenierung der Philosophie im Boudoir den Marquis de Sade. Ein Bühnen- und Kostümbild für die Götter, stimmige Live-Klaviermusik und Darsteller, die nicht bloß sprachlich, sondern vor allem körperlich alles in die Waagschale werfen – mutige, erfrischende und in ihrer Kohärenz schwer zu übertreffende Abende wie dieser sind das Lebenselixier des Stadttheaters.  

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Mutter mit Axt sucht Vorort mit Charme

Emily Ruskovich – Idaho Cover: Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag

Drei amerikanische Familienromane mit den Müttern im Zentrum: Emily Ruskovichs „Idaho“, Brit Bennetts „Die Mütter“ und Celeste Ngs „Kleine Feuer überall“. Alle drei Bücher handeln vom Leben in Familien, aber auch vom Ausbrechen aus familiären Strukturen. Sie fragen danach, wie viele und welche Menschen es zwingend braucht, um überhaupt Familie zu sein. Die Grundthemen der Bücher gleichen sich also, aber die Romane sind von ganz unterschiedlicher Qualität.

von SIMONE SAUER-KRETSCHMER Weiterlesen

Die Suche nach der verlorenen Freiheit

Aka Morchiladze: Reise nach Karabach, Cover: Weidle

„Gut“ oder „schlecht“ sind keine Kategorien, in die man den Roman Reise nach Karabach des Georgiers Aka Morchiladze einordnen kann. Vielmehr handelt es sich um ein derbes, nüchternes Werk mit Höhen und Tiefen, das von seiner Geschlossenheit lebt und besonders im Nachklang brilliert.                                    

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

„Wir sind geboren, um frei zu sein“

"Freiheit in Krähwinkel" am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

„Freiheit in Krähwinkel“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

Ein kleines Örtchen namens Krähwinkel soll der Schauplatz einer Revolution werden. Die letzte „große“ Inszenierung des Schauspielhauses Bochums wird zu einem selbstreflektierenden und vielschichtigen Abend, bei dem zurückgeschaut wird: auf die vergangene Spielzeit und auf alle Spielzeiten zuvor. Doch gleichzeitig wird nicht nur in der Vergangenheit verweilt, sondern auch überspitzt, grotesk und mit ein wenig Wehmut in die Zukunft geschaut: auf die neue Spielzeit unter neuer Intendanz mit neuem Ensemble und auf das, was noch kommen wird.

von KEVIN WANCKEL Weiterlesen

Integration gefällig?

"Istanbul" am Schauspielhaus Bochum Foto: Diana Küster

„Istanbul“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Diana Küster

In dem Stück Istanbul, das bereits seit Oktober 2017 am Bochumer Schauspielhaus läuft, wagt die Regisseurin Selen Kara einen spannenden Perspektivwechsel, indem sie das „deutsche“ Wirtschaftswunder in der Türkei ansiedelt und einen deutschen Gastarbeiter an den Bosporus schickt. Unterlegt mit türkischen Liedern, Herz und Humor erzählt das Stück von einer aufregenden Reise, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

von STEFANIE KÄHNE Weiterlesen

Persische Politromanze

Verdis "Nabucco" an der Oper Dortmund Foto: Thomas Jauk, Stage Picture

Verdis „Nabucco“ an der Oper Dortmund Foto: Thomas Jauk, Stage Picture

Mit Verdis Nabucco verabschiedet sich Opernintendant Jens-Daniel Herzog nach sieben Spielzeiten fulminant vom Dortmunder Publikum. Der Abend überzeugt nicht nur musikalisch. Herzog verlegt die sprunghafte Opernhandlung aus dem Babylon und Jerusalem des 6. Jahrhunderts v. Chr. klug in die Islamische Revolution um 1980 – und erntet für seine Regie völlig zu Unrecht so manche Buhrufe von den Premierengängern.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen