Wut, Rage und Frustration

"Wut/Rage" bei den Ruhrfestspielen Foto: Krafft Angerer

„Wut/Rage“ bei den Ruhrfestspielen Foto: Krafft Angerer

Als eine der zwei letzten Premieren der diese Spielzeit sehr politischen und überaus erfolgreichen Ruhrfestspiele wurde nun – zumindest in dieser Konstellation – eine Uraufführung aus dem Hamburger Thalia Theater auf die große Bühne in Recklinghausen gebracht: Sebastian Nüblings und Julia Lochtes Konglomerat Wut/Rage von Elfriede Jelinek bzw. Simon Stephens mag thematisch harmonieren, scheitert jedoch an der exzessiven Wiedergabe, die oft den brisanten Inhalt der Textfragmente ver- und überspielt.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Advertisements

Düsteres Porträt einer stürmischen Seele

Verdis "Otello" an der Düsseldorfer Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Verdis „Otello“ an der Düsseldorfer Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

In der Düsseldorfer Oper am Rhein wurde die Theatersaison nun mit Otello von Giuseppe Verdi eröffnet. Regisseur Michael Thalheimer widmet sich gänzlich Verdis Interpretation der Shakespeare-Vorlage und zeigt einen in sich Getriebenen, der – ästhetisch toll aufbereitet – an der eigenen Eifersucht zugrunde geht.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Lessings Lektion in Lehm geschmiert

Das Ruhrfestspielhaus Foto: Torsten JanfeldBereits am 30. August 2015 feierte Lessings Nathan der Weise am Deutschen Theater Berlin Premiere – nun lief das Stück auch im Rahmen der Ruhrfestspiele Recklinghausen. Andreas Kriegenburg präsentiert die große, märchenhafte Abhandlung über religiöse Toleranz als wunderbare Komödie, in welcher der Staub der Aufklärung einem gut aufgelegten, mit Lehm beschmierten Ensemble weicht.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Zwischen den Stühlen und Nationen

"Amara terra mia - Mein bitteres Land" bei den Ruhrfestspielen Foto: Krusebild

„Amara terra mia – Mein bitteres Land“ bei den Ruhrfestspielen Foto: Krusebild

Amara terra mia – Mein bitteres Land ist nicht nur die Hymne Domenico Modugnos, zu der in den 1950er und 60er Jahren viele italienische Gastarbeiter ihre Heimat verließen, sondern auch der Titel einer Koproduktion des St. Pauli Theaters Hamburg, des Teatro Alfieri Castelnuovo Berardenga, der Théâtres de la Ville de Luxembourg und der Ruhrfestspiele, die nun im Kleinen Theater im Recklinghäuser Festspielhaus Uraufführung hatte. Ein gelungener Abend, der zu Recht mit stehenden Ovationen gefeiert wurde.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Der Cockring der Geschichte

Eiríkur Örn Norðdahl - Böse Cover: Tropen bei Klett-CottaDer Holocaust ist immer wieder Thema literarischer Bearbeitungen. Dass er auch die Enkelgeneration nicht kalt lässt und wie ein Sextoy und Island hiermit zusammenhängen, zeigt Böse von Eiríkur Örn Norðdahl.

von GREGOR J. REHMER Weiterlesen

Zwei Männlein steh’n im Walde

Jan Soeken - Friends   Cover: avant-verlagGehen zwei Schwaben zum Ku-Klux-Klan Treffen in Baden-Württemberg. Nein, das ist nicht der Anfang eines grenzwertigen Witzes, sondern erwiesene Tatsache. 2012 wurde der Skandal aufgedeckt: Zwei schwäbische Polizisten hatten sich zur Mitgliedschaft in einem deutschen Ableger des US-amerikanischen RassistInnennetzwerkes hinreißen lassen. „European White Knights of the Ku-Klux-Klan“, abgekürzt EWK, nennt sich dessen kleiner, deutscher Bruder. Jan Soeken hat sich mit Friends nun einer Comic-Aufarbeitung dieses fragwürdigen Ereignisses angenommen.

von ANGELA GUTTNER Weiterlesen

Mark Twain für das 21. Jahrhundert

Dirk Pope - Idiotensicher   Cover: HanserDirk Popes instruktiver Jugendroman Idiotensicher übersetzt Die Abenteuer des Tom Sawyer in die Gegenwart. Sein Held heißt Moki und ist ein Freak voller verrückter Ideen. Mit seinem Cowboyhut fühlt er sich wie der schwarze Held in Tarantinos Django Unchained. Seine Freunde Joss und Basti dagegen sind ziemlich normal und umkreisen ihn „wie Motten das Licht“, so empfindet es zumindest die pummelige Elín, die Älteste der Gruppe. Doch die in vielen Jugendromanen mit häufig denselben Wertungen belegten Koordinaten des freiheitsstrebenden „Verrücken“ und des mit der Erwachsenenwelt verbundenen Konformismus sollen sich in Popes Roman bald verschieben.

von FRANK MÜLLER

Weiterlesen

Hier und Dort: Angst und Schrecken

"Wir sind die Guten" am Schauspiel Essen   Foto: Martin KaufholdWir sind die Guten. Unter diesem Titel präsentierte der Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer seine Inszenierung von Mark Ravenhills Shoot / Get Treasure / Repeat am Schauspiel Essen. ‚Wir‘, das sind gutsituierte Familien mit pseudo-hochbegabten Kindern, das sind Politiker, Nachrichtensprecher, Militärs. ‚Wir‘ sind alles in Abgrenzung zum ‚Anderen‘. Wir sind ‚gut‘, denn wir sind vor allem ‚normal‘. Oder?!

von SILVANA MAMMONE Weiterlesen

Eine Argonauten-Reise bis an Europas Grenzzäune

Argonauten am Schauspiel Köln   Foto: Martin MiseréRegisseur Simon Solberg bringt Argonauten auf die Bühne des Schauspiels Köln. Seine (antiken) Helden werden von sechs Studierenden der Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelsson Bartholdy“ dargestellt, die am neuen Kölner Schauspielstudio die Sage um Jason und seine Suche nach dem Goldenen Vlies mit viel Dynamik und teilweise überforderndem Medieneinsatz ins 21. Jahrhundert transportieren.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Im Land der Freiheit

T.C. Boyle - Hart auf Hart   Cover: Carl Hanser VerlagDas Herz der Vereinigten Staaten schlägt in den Tiefen seiner Wälder. Halt! – Es ist das Herz Amerikas. Der Unterschied spielt in T.C. Boyles neuem Roman Hart auf Hart eine zentrale Rolle, denn er bestimmt die Beziehungen der Figuren – eines Vietnam-Veterans und seiner Frau, deren Sohn Adam und dessen Geliebter Sara – in jeder Hinsicht. Zu- und Abneigung drehen und wenden sich um die Frage danach, was denn dieses Land ist, wem es gehört und wie man sich entsprechend patriotisch darin bewegt. Der Wald wird dabei zum Schauplatz einer spannenden Verhandlung über Freiheit und Gemeinschaft innerhalb einer Nation, in der das Urteil noch nicht gesprochen ist.

von SOLVEJG NITZKE Weiterlesen