Podcast Literatur und Feuilleton – Folge 001: Mythos Medea

Alfons Mucha: Medea. Lithografie aus dem Jahr 1898.

Königstochter, Liebende, Flüchtling, gehörnte Gattin, Zauberin, Kindsmörderin. Diese vielfältigen Eigenschaften vereint Medea auf sich. Ihr farbenprächtiger Charakter hat Dichterinnen und Dichter schon seit jeher dazu angeregt, ihre Geschichte immer und immer wieder neu zu erzählen. Medea – Opfer und Täterin zugleich? Auf ihr Leben blicken wir heute gemeinsam mit Texten von Seneca, Franz Grillparzer und Christa Wolf.

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Der verführerische Klang rostiger Wasserrohre

Tove Ditlevsen: Gesichter; Cover: Aufbau

Nachdem 2021 mit der hochgelobten Kopenhagen-Trilogie (Kindheit, Jugend und Abhängigkeit) ein regelrechtes Tove-Ditlevsen-Jahr im deutschsprachigen Feuilleton gefeiert wurde, ging es im Februar dieses Jahres schon mit der nächsten Neuübersetzung und Veröffentlichung aus dem Œuvre der 1976 verstorbenen dänischen Autorin weiter. Gesichter (dän. Originaltitel: Ansigterne, erstmals veröffentlicht 1968) erzählt die Geschichte einer gefeierten Kinderbuchautorin mit Schreibblockade, Eheproblemen – und jeder Menge schauriger Paranoia.

von CARO KAISER

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Die unerklärliche Lächerlichkeit der Zeit

Andreas Stichmann: Eine Liebe in Pjöngjang; Cover: Rowohlt Verlag

Eine Liebe in Pjöngjang des preisprämierten Autors Andreas Stichmann spielt vor der Fassade eines Landes, das Nordkorea darstellen soll. Doch statt sich über eine authentische Erzählung im Herzen eines diktatorischen Regimes zu profilieren, bedient Stichmann lediglich die Topoi seiner Zeit: kurze, attributlose Sätze, unnötige Komposita und irgendwas mit Liebe. Ein Schreibstil zum Abgewöhnen!

von THOMAS STÖCK

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Mama, ich begrabe dich

Scholastique Mukasonga: Frau auf bloßen Füßen; Cover: Peter Hammer Verlag

In Frau auf bloßen Füßen erschreibt sich Scholastique Mukasonga den Grabstein für ihre Mutter, den sie ihr nie setzen konnte. Denn ihre Mutter Stefania fiel – wie Mukasongas gesamte Familie und über 800.000 andere Tutsi – dem Völkermord in Ruanda 1994 zum Opfer. Ihre Kindheit lässt Mukasonga in dieser Biografie wiederauferstehen: Traditionen und Aberglaube, die aufkommende Globalisierung – und inmitten dessen die ruandischen Tutsifrauen und die allgegenwärtige Todesangst.

von THOMAS STÖCK

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Herzschmerz in der Stadt der Liebe

Salih Jamal: Blinder Spiegel; Cover: Septime Verlag

Wer ein Happy End erwartet, ist hier fehl am Platz: Salih Jamal erzählt in seinem neuen Roman Blinder Spiegel von der unmöglichen und tragischen Liebe zwischen der geheimnisvollen Elle und dem nach Freiheit strebenden Lui. Poetisch entführt uns der Autor in ein Paris, wie wir es alle kennen, in dem manchen Menschen das Glück jedoch verwehrt bleibt. Uns erwartet eine schmerzhafte Geschichte in fünf Akten.

von ALINA BRAUCKS

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Gefangen in der Ehehölle

Nassira Belloula: Marias Zitronenbaum; Cover: Verlag Donata Kinzelbach

Die algerische Autorin Nassira Belloula zeigt uns in Marias Zitronenbaum die Leiden einer Landsfrau auf, die als Sechzehnjährige zwangsverheiratet wird. Weil sie sich nicht länger damit abfinden will, nicht einmal einen Schritt vor die Tür ohne Begleitung zu setzen, bricht sie aus ihrem alten Leben aus. Ein feministisches Plädoyer für das Selbstbestimmungsrecht der Frau, das ohne viel Handlung, dafür mit vielen weisen Worten aufwartet.

von THOMAS STÖCK

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Als das Ende nahe ist

Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein; Cover: Aufbau Taschenbuch Verlag

Am 5. Februar 1947 – also vor 75 Jahren – starb Hans Fallada. In wenigen Wochen vor seinem Tod verfasste Fallada das Manuskript seines letzten Romans Jeder stirbt für sich allein. 60 Jahre nach der Erstveröffentlichung gelangte dieser Roman durch eine Neuveröffentlichung zu Weltruhm. In seinem Zentrum stehen die Quangels, ein älteres Ehepaar, das sich nach dem Verlust ihres einzigen Sohnes dazu entscheidet, sich dem Hitlerregime entgegenzustellen. Es entspinnt sich eine Geschichte des Widerstands, des Duckmäusertums, des Verrats – und die Spirale der Gewalt, sie dreht sich mit immer höherer Geschwindigkeit.

von THOMAS STÖCK

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Ab in den Kaninchenbau

Francis Nenik: E. Oder Die Insel; Cover: Voland & Quist

Die deutsche Geschichte zwischen 1933 und 1945 ist tot erzählt, künstlerisch überaufgearbeitet, für nichts Neues mehr zu gebrauchen? Pah! Francis Nenik zeigt mit seinem bereits im Mai erschienenen Roman E. oder Die Insel, dass die deutsche Vergangenheitsbewältigung weiterhin mit Themen und Geschehnissen aufwarten kann, die im kollektiven Gedächtnis noch nicht ihren festen Platz gefunden haben. Und das ganz ohne kitschige Familiengeschichten! Das größte Mysterium: Warum ist der Roman nicht für den Deutschen Buchpreis 2021 nominiert?

von CARO KAISER

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Frühaufsteher oder Langschläfer?

Erich Kästner: Der Gang vor die Hunde; Cover: Atrium Verlag

Erich Kästners Der Gang vor die Hunde ist ein Paradebeispiel der Gesellschaftskritik verpackt in Ironie. Zuerst erschienen unter dem Titel Fabian. Die Geschichte eines Moralisten wirft der Roman einen kritischen Blick auf die Gesellschaft der 1930er-Jahre und auf Themen, die auch heute noch aktuell sind. Dieses Jahr kam die Verfilmung des Romans in die Kinos, daher lohnt es sich noch einmal mehr, einen Blick auf die Vorlage zu werfen.

von CELINA FARKEN

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Vom Wahnsinn der Diskriminierung

Nam-Joo Cho: Kim Jiyoung, geboren 1982; Cover: Kiepenheuer & Witsch

Nam-Joo Cho erzählt in ihrem Roman Kim Jiyoung, geboren 1982 von der gleichnamigen Protagonistin und Momenten aus ihrem Leben, in denen sie sich mit Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund ihres Geschlechts auseinandersetzen muss. Der Roman berichtet in einem sachlichen Erzählstil von einer Realität, mit der sich viele Frauen tagtäglich konfrontiert sehen und deckt auf, wie tief Diskriminierung im Alltag verankert ist.

Von CELINA FARKEN

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