Im Bardo ist die Hölle los

George Saunders: Lincoln im Bardo Cover: Luchterhand

George Saunders: Lincoln im Bardo Cover: Luchterhand

Es ist die Nacht, in der Willie Lincoln, der elfjährige Sohn des Präsidenten, stirbt. Bei George Saunders wird in Lincoln im Bardo daraus ein Meisterwerk, das ‚Berührung‘ neu erfindet.

von SIMONE SAUER-KRETSCHMER Weiterlesen

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Ernten, was man sät

Robert Seethaler - Das Feld Cover: Hanser Berlin

Robert Seethaler – Das Feld Cover: Hanser Berlin

Die Stimmen der Toten zum Sprechen zu bringen, hat Tradition. Doch die diversen Rückkehrer und Besucherinnen aus dem Jenseits haben selten Gutes zu verkünden. Das lässt sich auch Seethalers Erzählerinnen und Erzählern nicht unbedingt unterstellen, doch was sie von den Geistern alter Könige, Schlossgespenstern und anderen Wisperern aus der Totenwelt unterscheidet, ist, dass sie auch nach ihrem Tod nicht viel mehr wissen und erzählen können als vorher. Seethalers Das Feld gelingt es dadurch nicht nur, ‚gewöhnliche‘ Geschichten zur Sprache kommen zu lassen, er lotet einmal mehr die Grenzen des Erzählens selbst aus.

von SOLVEJG NITZKE Weiterlesen

Das große Murakami-Bingo Teil 2

Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore - Eine Metapher wandelt sich Cover: Dumont

Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore – Eine Metapher wandelt sich Cover: Dumont

Nachdem der erste Band bereits Anfang des Jahres erschienen ist, ist seit Mitte April auch der zweite und letzte Band von Haruki Murakamis Künstlerroman Die Ermordung des Commendatore auf Deutsch erhältlich. Böse Zungen würden behaupten, dass das auch das Einzige ist, was sich über den zweiten Band sagen lässt. Das ist nicht ganz richtig. Allerdings stimmt es, dass die Erzählung den Schwung aus seinem Vorgängerband nicht aufrechterhalten kann.

von CARO KAISER Weiterlesen

Zwischen Spaß, Tragik und Trivialität

"Unendlicher Spaß" bei den Ruhrfestspielen 2018 Foto: David Baltzer / Agentur Zenit

„Unendlicher Spaß“ bei den Ruhrfestspielen 2018 Foto: David Baltzer / Agentur Zenit

Mit Unendlicher Spaß erschuf David Foster Wallace 1996 wohl den Roman der Postmoderne: ein geniales Konglomerat aus wahnwitziger Zukunftsvision, einem gigantischen Netz aus nach Sinn- und Wahrhaftigkeit suchenden Figuren, ganz vielen Abhängigkeiten und noch viel mehr Fußnoten. Doch kann man das alles angemessen auf die Bühne bringen? Thorsten Lensings Inszenierung beantwortet diese Frage mit einem klaren Jein und präsentierte die Romanadaption mit tollem Starensemble bei den Ruhrfestspielen.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Auf dem Weg zu Herrn Lehmann

Sven Regener - Wiener Straße Cover: Galiani Berlin

Sven Regener – Wiener Straße Cover: Galiani Berlin

November 1980 in Berlin-Kreuzberg: Noch sprechen ihn alle mit seinem Vornamen Frank an. Bis er als Herr Lehmann bekannt sein wird, werden noch einige Jahre vergehen. Doch jetzt muss er sich erst einmal seinen Platz zwischen Kneipen, Künstlern und Hausbesetzern suchen. Ob er ihn auf der Wiener Straße finden wird? Zum mittlerweile vierten Mal schreibt Sven Regener über seinen liebenswürdigen Antihelden und dessen Weg zu sich selbst.

von GREGOR J. REHMER Weiterlesen

Schlaflose Nächte in einem abgründigen Labyrinth

"2666" am Schauspiel Köln Foto: Simon Gosselin

„2666“ am Schauspiel Köln Foto: Simon Gosselin

Die Theateradaption 2666 von Julien Gosselin nach dem Roman des chilenischen Schriftstellers Roberto Bolaño ist ein bildgewaltiger Krimi, der eigentlich gar kein Krimi ist. Doch scheint die über achtstündige Inszenierung nichtsdestotrotz eine unendliche Suche, nicht nur der Figuren, sondern ebenso des Schriftstellers, Darstellers und Regisseurs zu sein, in deren Bann der Zuschauer von der ersten Sekunde gezogen wird. Das Schauspiel Köln beherbergte Gosselins Compagnie Si vous pouviez lécher mon cœur und zeigte das viersprachige Gastspiel (französisch, englisch, spanisch, deutsch) als einziges Theater in Deutschland. Dem Stück gebührend, wurde im Spielplan daraus nichts Geringeres als ein „Oster-Event“ inklusive kulinarisch-festlicher Grundversorgung.

von SILVANA MAMMONE Weiterlesen

Versprochen gebrochen

Vicente Alfonso: Die Tränen von San Lorenzo

Vicente Alfonso – Die Tränen von San Lorenzo Cover: Unionsverlag

Ist es Mord oder Magischer Realismus? Die Ayala-Zwillinge gleichen sich äußerlich, als ob sie von den Elixieren des Teufels getrunken hätten – doch ihre Geschichte ist nicht mystisch, sie ist eine leicht ausgeschmückte Krankenakte eines zu beeinflussbaren Psychiaters.

von CAROLINE KÖNIGS

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Erschütternder Wandel einer Persönlichkeit durch den Einfluss von Manipulation

John Boyne - Der Junge auf dem Berg Cover: Fischer

John Boyne – Der Junge auf dem Berg Cover: Fischer

Mit Der Junge auf dem Berg hat John Boyne nach Der Junge im gestreiften Pyjama (2006) einen weiteren Jugendroman geschrieben, der sich mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust beschäftigt. Das Buch handelt von dem Jungen Pierrot, der in Paris aufgewachsen ist und nach dem Tod seiner Eltern auf den Berghof, die Sommerresidenz Adolf Hitlers, zu seiner dort arbeitenden Tante Beatrix kommt. Aus dem kleinen französischen Jungen Pierrot, dessen bester Freund der Jude Anshel war, wird hier der deutsche Peter, der stolzes Mitglied der Hitlerjugend wird.

von ANNA LENA KNIEPER Weiterlesen

Leise Töne – Große Wirkung

COVER_Jess Jochimsen_Abschlussball_dtvJess Jochimsen kreiert in Abschlussball die kleine, abgeschottete Welt eines zerbrochenen Mannes im großen München. Die Flucht des Beerdigungstrompeters in die Musik zeichnet der Autor mit melancholisch matten Akkorden und schafft dadurch eine passende, traurige Grundharmonie. Die einfachen, leisen Töne, die im Alltag häufig ungehört bleiben, finden in diesem Roman ihren Platz.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

Eine Poetik des Vergessens

COVER_José Eduardo Agualusa_Eine allgemeine Theorie des Vergessens_C.H. BeckDie fantastisch klingende, aber auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte Ludovica Fernandes’, einer Frau, die sich kurz vor Beginn der Unabhängigkeit Angolas für gut 30 Jahre in ihrer Wohnung verschanzt, dient dem angolanischen Autor José Eduardo Agualusa als Inspirationsquelle für ein Porträt seines Heimatlandes.

von LEONARD MERKES Weiterlesen