Ein Mann der vielen Künste

Selbstporträt E. T. A. Hoffmanns (1776–1822)

Wer sich schon einmal mit den fantastischen und schaurigen Texten der Romantik beschäftigt hat, ist E. T. A. Hoffmann bestimmt begegnet. Mit Erzählungen wie Der Sandmann oder der Sammlung Die Serapionsbrüder begeistert er bis heute eine Vielzahl Leser und Leserinnen und sorgt mit seinen vielfältigen Werken noch immer für viel Gesprächsstoff. Heute vor 200 Jahren ist er gestorben.  

von VIKTORIA GORETZKI

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Der 250. Geburtstag eines jungen Mannes, der der Vergänglichkeit begegnete und in ihr Frieden suchte

Porträt Novalis‘ (1772 – 1801) von Franz Gareis (1775 – 1803), circa 1799; Public Domain

Man ist dem Leben nicht gefeit. Nicht in seinen hellsten Momenten und nicht in seinen dunkelsten. In dieser Erfahrung fand sich auch der junge Dichter Novalis, der nach dem Tod seiner Verlobten der lebendigen Welt abschwor und in lyrischer Vollendung eine Spiritualität der erlösenden Nacht erschuf, die die frühe Blüte der Romantik prägen sollte.

von ANDREAS MARTIUS

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Als böse Wetter die Moderne brachten

Timo Feldhaus: Mary Shelleys Zimmer; Cover: Rowohlt

In Timo Feldhaus’ Mary Shelleys Zimmer treffen die literarischen und politischen Granden der 1810er Jahre in einem erstaunlich modernen Ambiente aufeinander. Eine wahrhaftige Klimakrise bricht aus – im doppelten Sinne, denn ursächlich für das „Jahr ohne Sommer“ (1816) ist der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora ein Jahr zuvor. Vielen Menschen bringt dieses Ereignis Hunger und Leid, Mary Shelley ebnet es den Weg zu ihrem literarischen Kind: Frankensteins Monster. Ein auffallend zeitgenössischer Roman entspinnt sich in diesem historischen Panorama.

von THOMAS STÖCK

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Die unerklärliche Lächerlichkeit der Zeit

Andreas Stichmann: Eine Liebe in Pjöngjang; Cover: Rowohlt Verlag

Eine Liebe in Pjöngjang des preisprämierten Autors Andreas Stichmann spielt vor der Fassade eines Landes, das Nordkorea darstellen soll. Doch statt sich über eine authentische Erzählung im Herzen eines diktatorischen Regimes zu profilieren, bedient Stichmann lediglich die Topoi seiner Zeit: kurze, attributlose Sätze, unnötige Komposita und irgendwas mit Liebe. Ein Schreibstil zum Abgewöhnen!

von THOMAS STÖCK

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Ein neuer Ruhrpott-Lohengrin

Nachdem es im Dezember 2016 bereits eine aufsehenerregende Lohengrin-Premiere am Essener Aalto-Theater gab, legt Schauspiel- und Musiktheater-Regisseur Ingo Kerkhof nun seine Interpretation dieser wahrscheinlich romantischsten aller Wagner-Opern im Theater Dortmund vor. Atmosphärisch dichte Bilder, aber auch eine beglückende Sängerbesetzung rund um Daniel Behle in der Titelrolle sowie zupackende Dortmunder Philharmoniker sorgen für eine Vorstellung mit einem ungewöhnlich hohen ästhetischen Wert.

Theater Dortmund, Spielzeit 2019-2020, Lohengrin; Romantische Oper in drei Akten von Richard Wagner

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Die Fähigkeit, zu träumen – eine georgische Hommage an die Fantasie

Naira Gelaschwili: Ich fahre nach Madrid, Cover: Verbrecher

Mit ihrer nun erstmals auf Deutsch übersetzten Novelle Ich fahre nach Madrid verdeutlicht Naira Gelaschwili durch einfache Mittel und zugleich auf eindrückliche Weise den Wert der Fantasie. Sie präsentiert ein sprachliches Gemälde, das zum Mitträumen einlädt.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

Ein Bergbau-Märchen als Opernrarität

Heinrich Marschners "Hans Heiling" am Aalto-Theater Essen Foto: Thilo Beu

Heinrich Marschners „Hans Heiling“ am Aalto-Theater Essen Foto: Thilo Beu

Das Aalto-Musiktheater traut sich was: Nach Meyerbeers Le Prophète in der letzten Spielzeit bringt es jetzt eine Neuinszenierung der ebenfalls selten zu erlebenden Oper Hans Heiling von Heinrich Marschner auf die Bühne. Die Essener Philharmoniker werden von Frank Beerman, einem profunden Kenner des romantischen Randrepertoires, ausdifferenziert und klangmächtig durch den Abend geführt, während die Inszenierung von Andreas Baesler den lokalpatriotischen Bezug zu Aufstieg und Fall der Zechenkultur – etwas zu konsequent – deutlich macht.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Brunftzeit im Schlachthof

FILMPLAKAT_Ildikó Enyedi_Körper und Seele_Inforg-M&M Film Kft.Liebesfilme sind abgeschmackte Massenware? Fast Food für Hausfrauen Mitte Vierzig? Der neue Film der ungarischen Regisseurin Ildikó Enyedi, Körper und Seele, erzählt zwar eine Liebesgeschichte, aber Freunde von seichter Romantik werden hier sicherlich keine Schmetterlinge im Bauch bekommen.

von CARO KAISER Weiterlesen

Weiblich, arbeitslos, Eigenbrötler sucht: männlich, reich, adlig

COVER_Sevgi Soysal_Tante Rosa_BinookiSevgi Soysals Erzählband Tante Rosa von 1968 über eine exzentrische und anachronistisch selbstbestimmte Frau im Süden Nachkriegsdeutschlands ist in einer Neuübersetzung und –auflage im Binooki-Verlag erschienen. Ein Text der zeigt, dass auch weibliche Figuren Material für eine Ein-Mann-Show hergeben. 

Von CAROLIN KAISER Weiterlesen

Warum sind Matratzenläden immer in Eckhäusern?

Tim Szlafmyca - Die Relativität der Gleichzeitigkeit

Tim Szlafmyca – Die Relativität der Gleichzeitigkeit

Das nicht so falsche Klischee zeigt, dass Liebesgeschichten, wenn nicht unbedingt von Frauen geschrieben, so doch zumindest aus weiblicher Sicht geschildert und damit auch oft für Leserinnen produziert werden. Tim Szlafmyca hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Klischee ad acta zu legen: Sein Debütroman Die Relativität der Gleichzeitigkeit erzählt eine romantische Geschichte aus dem Alltag eines jungen Mannes, der zwischen Uni, seinem Küchenfenster und der Lieblingskneipe versucht, das Herz eines Mädchens zu erobern.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen