Kerzenlicht im Nebelmeer

COVER_Ada Dorian_Betrunkene Bäume_UllsteinBetrunkene Bäume führt seine Leser auf eine Reise ins Dunkle. Die Figuren geben wenig von sich preis, Ort und Zeit scheinen zu verschwimmen. Gerade wenn man meint, man durchblicke das Geflecht an Beziehungen, wartet am Ende der Seite eine neuerliche Überraschung. Doch mit dem Lüften des Schleiers verliert Ada Dorians Erzählung auch ihren Charme – gerade das Ende enttäuscht und wirft die Frage auf, ob die gesamte Geschichte nicht mehr als eine Nebelkerze ist.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

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Zu naiv für die Welt

Dostojewskijs "Der Idiot" am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Matthias Horn

Dostojewskijs „Der Idiot“ am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Matthias Horn

Das Düsseldorfer Schauspielhaus hebt unter der Regie von Matthias Hartmann mit Der Idiot nach Fjodor M. Dostojewskij eine große Romanadaption aus der Taufe. Das Ensemble rund um Hauptdarsteller André Kaczmarczyk transportiert den Stoff zwar unverkrampft auf die Bühne des Central, die Inszenierung kommt jedoch nicht ohne leidige Tricks und Gags zurecht.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Leidenschaften, Langeweile und verpasste Lebenschancen

"Eugen Onegin" an den Wuppertaler Bühnen Foto: Uwe Stratmann

„Eugen Onegin“ an den Wuppertaler Bühnen Foto: Uwe Stratmann

Toshiyuki Kamioka (musikalische Leitung) und Ansgar Haag (Regie) bringen Tschaikowskis Oper Eugen Onegin auf die Wuppertaler Bühnen. Im Zentrum stehen Langeweile am Leben, die Tragik großer Leidenschaften zur Unzeit und die Reue über vertane Chancen. Während der Abend musikalisch und darstellerisch überzeugt, hätte man der Inszenierung etwas mehr Mut zum Risiko gewünscht.

von ANTONIA RUMPF Weiterlesen

Philosophieren für Schwindelfreie

Lew Schestow: Apostheose // Quelle: Matthes&Seitz

Der heute hierzulande fast vergessene russische Philosoph Lew Schestow (1866–1938) war ein Vordenker des Existenzialismus. Im Verlag Matthes & Seitz erscheint nun mit der Apotheose der Grundlosigkeit nach hundert Jahren einer seiner wichtigsten Texte erstmalig in deutscher Über­setzung.

von BERNHARD STRICKER

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Prosapoesie

Isaak Babel: Die Reiterarmee. Quelle: Friedenauer Presse

Gibt es eine „poetische Wahrheit“? Oder ist diese Wendung, weil sie zwei einander widersprechende Begriffe zusammenführt, ein uneinlösbares Oxymoron? Falls jedoch eine poetische Wahrheit existiert: Was bedeutet sie? Wie erscheint sie? Woran erkennt man sie? Vielleicht gibt es keine zufriedenstellende Antwort, doch der Anspruch, den diese Fragen erheben, wurde von Isaak Babel in seinem Werk Die Reiterarmee in dreißig Erzählungen auf einzigartige Weise erfüllt.

 

Von JONAS PODLECKI

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Magie rund um ein Wiener Mietshaus

Vladimir Vertlib - Lucia Binar und die russische Seele   Cover: Zsolnay und DeutickeDer ruhige Alltag der 83-jährigen Urwienerin Lucia Binar ändert sich abrupt, als sie plötzlich ihr Revier verteidigen muss: Die Große Mohrengasse, von Geburt an ihr Zuhause, soll aus politischen Gründen umbenannt werden und das Mietshaus, in dem sie eigentlich ihren Lebensabend verbringen wollte – „Anderswo stirbt es sich bestimmt nicht so leicht“ –, besiedeln plötzlich zwielichtige Gestalten. Vladimir Vertlib, österreichischer Autor mit russisch-jüdischen Wurzeln, stellt mit der energischen Lucia eine starke Frauenfigur in den Fokus des Geschehens und spart in seinem neuen Roman kein gesellschaftskritisches Thema aus – soziale Abgründe inklusive.

von ANNA-LENA BÖTTCHER

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Irre in der Uckermark

Thomas Wendrich - Eine Rose für Putin   Cover: Berlin VerlagOb der ehrenwerte Johann Wolfgang von Goethe mit seinem Werther, E. T. A. Hoffmann mit dem Kater Murr oder der etwas gegenwärtigere Ingo Schulze mit Neue Leben: Sie ist ihnen allen gemein, die Herausgeberfiktion. So auch dem Debütroman Eine Rose für Putin von dem Berliner Drehbuchautoren Thomas Wendrich.

von NADINE HEMGESBERG

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Auf der Suche nach dem verlorenen Sinn

Onkel Wanja am Bochumer Schauspielhaus   Foto: Arno DeclairNun hat also auch im Bochumer Schauspielhaus die Theatersaison wieder begonnen – wie schon im vergangenen Jahr (mit Gorkis Wassa Schelesnowa) startet man die Spielzeit mit einem der großen russischen Dramatiker. Doch dieses Mal geht der Schuss nach hinten los. Regisseur Stephan Kimmig nimmt das Konzept der Langeweile in Tschechows Onkel Wanja leider viel zu wörtlich.

von ANNIKA MEYER

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Sie wollen nur eins – dass immer Krieg sei

roBerlin_Babtschenko_128x209_LT.inddArkadi Babtschenko ist der beste zeitgenössische Kriegsschreiber Russlands. In seiner aktuellen Reportage-Sammlung Ein Tag wie ein Leben gibt er ein vielstimmiges Bild davon, was Krieg ist: nämlich, was er mit den porträtierten Soldaten, Söldnern und Folterern macht. Außerdem liefert Babtschenko einen ernsthaften Beitrag zum Verständnis der sogenannten „russischen Seele“.

von FABIAN MAY

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Unsterbliche Vergangenheit

Katja Petrowskaja: Vielleicht Esther   Quelle: Suhrkamp VerlagKatja Petrowskaja geht in Vielleicht Esther den Geschichten ihrer ursprünglich jüdischen Familie auf den Grund: Berichte ihrer Recherchen in Warschau, Mauthausen, Auschwitz und ihrer Heimatstadt Kiew verbindet sie kunstvoll mit eigenen Erinnerungen. Trotz der schweren Thematik gelingt ihr so ein verblüffend leichtgewobenes Textgeflecht – der Versuch, die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts und deren Auswirkungen auf Einzelschicksale in eine dichte, berührende Erzählung zu binden.

von LINA BRÜNIG

 

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