Ein nur scheinbar obszönes Würstchen

"ÜBERGEWICHT, unwichtig: UNFORM" am Schauspiel Dortmund Foto: Birgit Hupfeld

„ÜBERGEWICHT, unwichtig: UNFORM“ am Schauspiel Dortmund Foto: Birgit Hupfeld

Sozial schwach wird einmal nicht als politische Worthülse, sondern wörtlich genommen: Die Inszenierung ÜBERGEWICHT, unwichtig: UNFORM, verfasst von Werner Schwab und inszeniert von Johannes Lepper, welche am 17. Dezember am Theater Dortmund Premiere feierte, ist eine bitterböse Vision mit Realitätsanspruch, die einige Fragezeichen im Geist und einen Klumpen im Magen hinterlässt. Eine etwas andere dramatische Erfahrung, mit der das Schauspiel Dortmund mal wieder überrascht.

von SILVANA MAMMONE Weiterlesen

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Blutleere Orestie

Aischylos' "Orestie" am Schauspielhaus Bochum Foto: Birgit Hupfeld

Aischylos‘ „Orestie“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Birgit Hupfeld

Aischylosʼ wohl berühmtestes Drama um den Atridenfluch, Blutrache und Muttermord gehört seit Langem zu den Theaterklassikern. Es dauerte jedoch knapp 100 Jahre, bis die Orestie auch auf der Bochumer Bühne Einzug hielt. Lisa Nielebock inszeniert die Trilogie nun in den Kammerspielen – statt karg-analytischen 110 Minuten hätte man sich aber mehr Dramatik und mehr Zeit für Spiel und kontextuelles Regiekonzept gewünscht.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Wenn die Paranoia um sich greift

Arthur Millers "Hexenjagd" am Schauspiel Düsseldorf Foto: Sebastian Hoppe

Arthur Millers „Hexenjagd“ am Schauspiel Düsseldorf Foto: Sebastian Hoppe

Das Düsseldorfer Schauspielhaus bringt Arthur Millers Hexenjagd auf die Bühne. In der Regie des Russen Evgeny Titov entwickelt das Stück mitunter einen düsteren Sog, verblasst aber insgesamt wegen seiner etwas ideenlosen Imitation konventioneller cineastischer Effekte. 14 leidenschaftliche Schauspieler berühren das Publikum ungeachtet ihrer schablonenhaften Rollentypen.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Wie hast Du’s mit der Religion?

Ayad Akhtars "Geächtet" vom Wiener Burgtheater bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen Foto: Georg Soulek

Ayad Akhtars „Geächtet“ vom Wiener Burgtheater bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen Foto: Georg Soulek

Bei den Recklinghäuser Ruhrfestspielen werden dieses Jahr unter dem Motto „Kopf über, Welt unter“ große, oft unbequeme Fragen und komplexe Themen auf verschiedenste Weise auf der Bühne präsentiert und verhandelt. Ayad Akhtars mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Stück Geächtet könnte damit den Kern der diesjährigen Spielzeit treffen – der Regisseurin Tina Lanik und dem Dramaturgen Florian Hirsch vom Wiener Burgtheater fehlt es jedoch an Mut zur Kürzung und Abstraktion, um den Zuschauer bei all den Abhandlungen über das Für und Wider des Islams, die Frage nach dem individuellen Wert des Glaubens u. v. m. emotional am Ball zu halten.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Selbstkreierte Lügenpresse

Jan Neummans "Bombenstimmung" bei den Ruhrfestspielen Foto: Luca Abbiento

Jan Neummans „Bombenstimmung“ bei den Ruhrfestspielen Foto: Luca Abbiento

Was tun, wenn die Leserzahl der eigenen Zeitung fortwährend abnimmt? Wenn in der Redaktion der ostdeutschen Kleinstadt keine bedeutenden Nachrichten mehr eintreffen und die Fusion mit einem größeren Blatt droht? Man erschafft sich die Schlagzeilen einfach selbst und liefert damit als Lügenpresse Kanonenfutter für die Rechten. Was nach politischer Brisanz klingen könnte, ist in Jan Neumanns Auftragswerk Bombenstimmung zu einer soliden, aber harmlosen und zum Teil überzogenen Komödie geworden – was nicht zuletzt an Hasko Weber liegt, der jetzt die Uraufführung mit seinem Weimarer Ensemble bei den Ruhrfestspielen inszenierte.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Die Tragik des verfluchten Clowns

Verdis "Rigoletto" im Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Verdis „Rigoletto“ im Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Der Horror-Clown hat nicht nur einen Weg aus den USA nach Europa, sondern auch ins Ruhrgebiet gefunden: Mit Verdis Rigoletto sind auf der Bühne des Essener Aalto-Theaters eine Menge maskierter Fratzen zu sehen und verzerren das Bild des einst harmlosen Spaßmachers. Regisseur Frank Hilbrich zeigt eine größtenteils gelungene Kombination aus der Tragik einer ‚self-fulfilling prophecy‘, Horrormotiven sowie klugen Metaebenen – und eine Menge Luftballons.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Hitzige Bastardkomödie

"Don Giovanni. Letzte Party" wird bei den Ruhrfestspielen im Festspielhaus gezeigt. Foto: Torsten Janfeld

„Don Giovanni. Letzte Party“ wird bei den Ruhrfestspielen im Festspielhaus gezeigt. Foto: Torsten Janfeld

Bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen hatte eine umjubelte Produktion des Thalia Theaters Hamburg ihre „Pott“-Premiere: Don Giovanni. Letzte Party. Exzessive Spielfreude, bunte Kostüme und eine Menge (dilettantischer) Musikeinlagen rissen das – ungewöhnlich stark involvierte – Publikum wie zu Mozarts Zeiten buchstäblich von den Sitzen. Ob der Abend sonst noch irgendetwas erreichen wollte, steht in den Sternen.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Gänzlich tartüffisiert

"Tartuffe" an den Wuppertaler Bühnen Foto: Klaus Lefebvre

„Tartuffe“ an den Wuppertaler Bühnen Foto: Klaus Lefebvre

Maik Priebe inszeniert erstmalig am Schauspiel Wuppertal. Ausgerechnet Molière – oder zum Glück? Seine zweistündige Tartuffe-Version bleibt erstaunlich dicht am Original, bietet aber durch virtuose Schauspielkunst in bunter Barockpracht einen keineswegs konventionellen, sondern Funken sprühend lebendigen Abend.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Ein Augenblick gelebt im Paradiese

"Don Karlos" am Schauspielhaus Bochum Foto: Diana Küster

„Don Karlos“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Diana Küster

Jan Neumann inszenierte schon so manches am Bochumer Schauspielhaus, u. a. Bunbury oder Wassa Schelesnowa. Mit seiner Deutung des Don Karlos gelingt ihm nun der große Tragödienwurf: Hochkarätige Darsteller, sprachliche Sternstunden und ein opulentes Bühnenbild bereichern den Spielplan wie schon lange keine Produktion mehr. Wer seine geballte Aufmerksamkeit für ein paar Stunden opfert, wird reich belohnt.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Handzahmes Aktionstheater

"2099" am Schauspiel Dortmund Foto: Nick Jaussi

„2099“ am Schauspiel Dortmund Foto: Nick Jaussi

Selten wurde eine Uraufführung im Vorfeld so hitzig debattiert: Aufruf zum Jaguarbabymord, Nagetierdiebstahl, Distanzierung des Theaters von den Künstlern. Am Samstag feierte das Stück 2099 Premiere, welches aus einer Kooperation des Schauspiels Dortmund mit dem Zentrum für Politische Schönheit entstanden ist. Befürchtete Skandale blieben aus, kluge Fragen wurden gestellt. Inszenatorische Einfälle, Lösungen und Antworten waren hingegen Mangelware.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen