Selbstkreierte Lügenpresse

Jan Neummans "Bombenstimmung" bei den Ruhrfestspielen Foto: Luca Abbiento

Jan Neummans „Bombenstimmung“ bei den Ruhrfestspielen Foto: Luca Abbiento

Was tun, wenn die Leserzahl der eigenen Zeitung fortwährend abnimmt? Wenn in der Redaktion der ostdeutschen Kleinstadt keine bedeutenden Nachrichten mehr eintreffen und die Fusion mit einem größeren Blatt droht? Man erschafft sich die Schlagzeilen einfach selbst und liefert damit als Lügenpresse Kanonenfutter für die Rechten. Was nach politischer Brisanz klingen könnte, ist in Jan Neumanns Auftragswerk Bombenstimmung zu einer soliden, aber harmlosen und zum Teil überzogenen Komödie geworden – was nicht zuletzt an Hasko Weber liegt, der jetzt die Uraufführung mit seinem Weimarer Ensemble bei den Ruhrfestspielen inszenierte.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

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Hinter der Mauer lauern Liebe und Hass

Shakespeares "Romeo und Julia" am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

Shakespeares „Romeo und Julia“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

Marius von Mayenburg inszeniert am Schauspielhaus Bochum den wohl bekanntesten Theaterklassiker überhaupt: Romeo und Julia. Was ihn am Stoff fasziniert, ist aber weniger die „Love Story“ als die düstere Omnipräsenz des Todes. Dank interessanter Regieeinfälle und engagierter Darsteller gelingt ein starker, unverschnörkelt-eindringlicher Shakespeare-Abend auf Niveau der besten Schaubühnen-Produktionen.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Zu naiv für die Welt

Dostojewskijs "Der Idiot" am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Matthias Horn

Dostojewskijs „Der Idiot“ am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Matthias Horn

Das Düsseldorfer Schauspielhaus hebt unter der Regie von Matthias Hartmann mit Der Idiot nach Fjodor M. Dostojewskij eine große Romanadaption aus der Taufe. Das Ensemble rund um Hauptdarsteller André Kaczmarczyk transportiert den Stoff zwar unverkrampft auf die Bühne des Central, die Inszenierung kommt jedoch nicht ohne leidige Tricks und Gags zurecht.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Was ist faul im Staate?

"Hamlet" am Schauspiel Köln Foto: David Baltzer

„Hamlet“ am Schauspiel Köln Foto: David Baltzer

Zur Eröffnung der neuen Spielzeit bringt der Kölner Intendant Stefan Bachmann Shakespeares Hamlet auf die Bühne des Depot 1. Der gewichtige Stoff um den prominentesten Zweifler der Theatergeschichte gäbe Anlass zu vielerlei kontroversen, zeitgemäßen Deutungen – an diesem Abend wird er jedoch bloß zu einem traurigen Abbild ideenlosen Stadttheaters.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Zwischen Wahrheit und Übermacht

Ibsens "Ein Volksfeind" am Schauspiel Köln Foto: Thomas Aurin

Ibsens „Ein Volksfeind“ am Schauspiel Köln Foto: Thomas Aurin

Der Schweizer Roger Vontobel ist Hausregisseur in Bochum. Nun widmet er sich nach Hedda Gabler am dortigen Schauspielhaus abermals Ibsen und bringt den vernachlässigten Volksfeind auf die Bühne des Schauspiels Köln. Trotz zeitlosem Plot und glanzvollen Schauspielern verharrt der Abend leider viel zu oft in bezuglosen Brechungen und lässt dramatisches Dynamit verpuffen.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Der musikalische Traum eines Hundes

"Moondog" am Schauspielhaus Bochum im Rahmen des FIDENA Festivals Foto: Diana Küster

„Moondog“ am Schauspielhaus Bochum im Rahmen des FIDENA Festivals Foto: Diana Küster

Der Clochard und Komponist Moondog wäre heuer 100 geworden. Das Festival Figurentheater der Nationen 2016 widmet seiner Musik einen ganzen, nach ihm benannten Theaterabend am Schauspielhaus Bochum. Was daran Figurentheater ist? Es gibt einen riesenhaften Hund zu sehen – und im Hintergrund Reflexionen darüber anzustellen, was die Theaterform kann und was nicht.

von FABIAN MAY Weiterlesen

Vom Gut-Sein im Dauerregen

"Der gute Mensch von Sezuan" am Schauspiel Essen Foto: Birgit Hupfeld

„Der gute Mensch von Sezuan“ am Schauspiel Essen Foto: Birgit Hupfeld

Es „brechtet“ wieder gewaltig auf Deutschlands Theaterbühnen. Nun feierte der Der gute Mensch von Sezuan in der Regie von Moritz Peters am Schauspiel Essen Premiere. Knapp drei Stunden, die gleichermaßen langatmig wie denkwürdig daherkommen, prasseln im wahrsten Sinne des Wortes auf den Zuschauer ein.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

„Die Zukunft ist heute, das Morgen ist jetzt“

"The Rest is Noise" am Schauspielhaus Bochum im Rahmen der Ruhrtriennale Foto: Christoph Sebastian

„The Rest is Noise“ am Schauspielhaus Bochum im Rahmen der Ruhrtriennale Foto: Christoph Sebastian

Die letzte Etappe der Lesereihe von Alex Rossʼ Buch The Rest is Noise im Rahmen der Ruhrtriennale führt uns ans Schauspielhaus Bochum. Das Konzept ist inzwischen bekannt: Seit November 2015 wird einmal im Monat der Verlauf des 20. Jahrhunderts anhand musikalischer Klassik-Strömungen durchleuchtet, untermalt und unterhaltsam erklärt. Auch die sechste Station gestaltet sich unter der Regie von Triennale-Intendant Johan Simons kurzweilig und führt das Publikum an Musik heran, die für ein Verdi-verwöhntes Ohr erstmal ungewohnt ist.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Wer bin ich (nicht)?

"Stiller" am Schauspielhaus Bochum Foto: Hans Jürgen Landes

„Stiller“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Hans Jürgen Landes

In seiner dritten Inszenierung am Schauspielhaus Bochum bringt der niederländische Regisseur Eric de Vroedt Max Frischs Roman Stiller auf die große Bühne. Die Adaption von Reto Finger kommt trotz einer Spiellänge von 2 Stunden 50 kurzweilig daher und büßt somit manches an Komplexität ein, verliert aber keineswegs an Sogwirkung auf den Zuschauer.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Von kleinen und großen Geschäften

"Familiengeschäfte" am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

„Familiengeschäfte“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

Mit der Inszenierung von Alan Ayckbourns Familiengeschäfte verwandelt Regisseur Marius von Mayenburg das Schauspielhaus Bochum in eine Hochburg von Verrat, Intrigen und – Gelächter. Von Mayenburg präsentiert eine erfrischende Komödie, die mit einer gelungenen Prise Schauer à la David Lynch und Splatter à la Tarantino das Publikum bestens unterhält.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen