„Desaströse Selbstfokussierung“ oder der Selfie-Narziss

Ramona Raabe: Das pathologische Leiden der Bella Jolie, Cover: Dittrich

Selfies sind im 21. Jahrhundert zum Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. In ihrem ersten Buch widmet sich die junge Autorin Ramona Raabe eben diesem Phänomen. Die thematisch längst überfällige Novelle Das pathologische Leiden der Bella Jolie über die Sucht nach der Selbstabbildung, das Einfangen des gegenwärtigen Moments und die Suche nach dem Ich besticht besonders durch den außergewöhnlichen, innovativen Aufbau.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

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„Und ein wunderliches Gefühl der Unvergänglichkeit“

Nescio - Werke   Cover: Suhrkamp

Nescio – Werke Cover: Suhrkamp

In seinen Erzählungen huldigte der holländische Schriftsteller Nescio auf berührende Weise den Bohemiens, Außenseitern und Möchtegern-Poeten, die am spießbürgerlichen und engstirnigen Holland des frühen 20. Jahrhunderts scheitern. Dieser schmerzliche Dualismus mag dem wenig bekannten Autor selbst nicht fremd gewesen sein. Jan Frederik Grönloh, der sich hinter dem Pseudonym Nescio (lat. Ich weiß nicht) verbarg, schrieb zeitlebens in seiner Freizeit, während er als Angestellter Teil des braven Bürgertums blieb. Seine lyrisch anmutende Prosa, die zwischen feiner Ironie und Melancholie changiert, ist ein Ereignis.

Der längst überfälligen Wiederentdeckung der wenigen Erzählungen Nescios hat sich nun der Suhrkamp-Verlag in einer Neuübersetzung angenommen.

von LEONARD MERKES Weiterlesen

Eisenbahnen und Holocaust

Thomas Josef Wehlim: Eisenbahnzüge Quelle: Edition Rugerup

Lars Müller hat ein Haus am Rhein geerbt. Das Haus seines Onkels ist „ziemlich viel wert“, wie sein Freund Steffen, Immobilienmakler von Beruf, sofort feststellt. Doch hinter der Tür erwartet die beiden eine Überraschung: eine Modellbahnanlage, die sich über das ganze Haus erstreckt und zum Leben keinen Platz lässt.

von PETER GOSSENS

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Der mit dem Flusspferd

Arno Geiger - Selbstporträt mit Flusspferd   Cover: HanserArno Geiger erzählt in seinem neuen Roman Selbstporträt mit Flusspferd vom Erwachsenwerden. Die Poetik des Alltäglichen und Unprätentiösen zollt ihren Tribut: Spannend ist der Roman nicht, unterhaltsam nur bedingt.

von NADINE HEMGESBERG

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Was du nicht siehst, was man dir tut, das fügst du auch den andern zu

Luke Pearson - Was du nicht siehst   Cover: ReproduktLuke Pearsons Was du nicht siehst gibt Hilfestellung in Sachen Traurigkeit, falls das eigene Leben eben nicht trist genug ist. Wer immer noch glaubt, Comics seien komisch, sollte hier einmal genauer hinsehen.

von CHRISTIAN A. BACHMANN Weiterlesen

Nie ganz Kunst und nie ganz Leben

Eine strahlende Zukunft von Richard Yates Quelle: DVAEhegeschichten gibt es viele. Die meisten handeln davon, wie es schief geht. Da ist Eine strahlende Zukunft keine Ausnahme, aber die Art, wie sie schief geht, ist spannend. Irgendwo zwischen Mad Men, American Beauty und Carnage entwickelt Richard Yates hier zwei Lebensgeschichten, die eine Weile gemeinsam verlaufen und das in einer äußerst aufregenden Zeit: Direkt nach dem Krieg scheint jeder Weg in eine strahlende Zukunft zu führen, trotzdem verharren Michael und Lucy lediglich als Zuschauer ihres eigenen. Ein hervorragender Roman – 30 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung nun endlich auch in deutscher Übersetzung.

von SOLVEJG NITZKE

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Fünf Freunde in Japan

Haruki Murakami Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki   Cover: DuMont-BuchverlagDie Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki führen von Japan nach Finnland und wieder zurück. Haruki Murakamis neuer Roman orientiert sich gen Westen. Befremdlich wirkt er trotzdem, da am Ende genauso viele Fragen stehen wie am Anfang. Ohne Zweifel tritt lediglich das große Thema des Textes zutage: die Einsamkeit.

von KARIN BÜRGENER

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Wann hat man es eigentlich „geschafft“?

Zadie Smith - London NW Cover Kiepenheuer & WitschAus Caldwell, London, scheint es nur zwei Wege zu geben: nach oben und nach ganz unten. Die Fleißigen, die bereit sind sich abzurackern und im Zweifel selbst zu verleugnen, haben eine Chance, die Sozialsiedlungshölle zu verlassen. Den Faulen bleibt nur der Absturz – uneheliche Kinder en masse, Drogen, Kriminalität – bis zum unteren Ende der Fahnenstange ist es nicht weit. Doch Zadie Smiths hervorragenden Roman London NW zeichnet aus, dass er es sich nicht so einfach macht. Selten fordert ein Roman so deutlich, endlich einzusehen, dass das Leben – zumal in der Großstadt – nicht nur in eine Richtung führen kann.

von SOLVEJG NITZKE

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Facetten des Schmerzes

Ralph Dutli - Soutines letzte Fahrt   Cover: WallsteinMan hält Chaim Soutine für den unglücklichsten Maler von Montparnasse. Sein Leben ist geprägt von Schmerzen und Farben. Für ihn bedeuten sie ein und dasselbe. Ralph Dutlis Roman Soutines letzte Fahrt zeichnet ein wirres Portrait des Malers und lässt den Leser auf der Fahrt mit einem Leichenwagen in die Bilder seiner Fieberträume eintauchen. Ein Roman, der so schillernd ist wie Soutines Gemälde selbst.

von LARA THEOBALT

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Melancholie gemeinsamer Ortlosigkeit

Nach Grenzgang im Jahr 2009 legt Stephan Thome mit Fliehkräfte nun erneut einen Roman vor, der es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat. Wie in seinem Debütroman geht Thome dem Scheitern, dem Knick in der bildungsbürgerlichen Biografie auf den Grund. Dabei beweist er ein enormes erzählerisches Gespür für die Niederträchtigkeiten des Alltags, die „das Leben einem souffliert“ und die Fliehkräfte, die beständig an einem zerren.

von NADINE HEMGESBERG

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