Und es hat Zoom gemacht: Goethe in Zeiten des multimedialen Lockdowns

Werther.Live; Foto: Lotta Schweikert

Dortmund, 20. Mai 2021:  Werther.Live geht in die zweite Runde. Werther liebt Lotte. Lotte weiß nicht so recht. Die Handlung von Goethes Die Leiden des jungen Werther (1774) kennt wohl fast jeder aus der Schule. Werther verliebt sich in Lotte, in der er alle Ideale einer für ihn perfekten Frau sieht. Dass diese bereits verlobt ist, hält ihn nicht davon ab, sich in diese Liebe und seine Gefühle reinzusteigern. Er verliert sich in sich selbst, was ihn letztendlich in den Selbstmord treibt.  Soweit, so Goethe.

Von FLORENTINE MARTIN

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Frauenleichen zu verkaufen

Yukio Mishima: Leben zu verkaufen; Cover: Kein & Aber Verlag

Mehr als 50 Jahre nach seiner Erscheinung in Japan gibt es nun erstmals eine deutsche Übersetzung von Yukio Mishimas spätem Roman Leben zu verkaufen. Die skurrile Geschichte um einen jungen Mann, der sein Leben an andere Menschen verkauft, bleibt leider unter den Möglichkeiten seiner ungewöhnlichen Prämisse. Außerdem: weibliche Pos.

Von CARO KAISER

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Wenn die Pikdame ihr Ass ausspielt

"Pique Dame" an der Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

„Pique Dame“ an der Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Die Deutsche Oper am Rhein holt die US-amerikanische Regisseurin Lydia Steier, die im letzten Jahr als erste Frau Mozarts Zauberflöte bei den Salzburger Festspielen inszenierte, nach Düsseldorf, um Pique Dame, die zweitberühmteste Oper von Tschaikowskij, auf die Bühne zu bringen. Entstanden ist ein zwar konventioneller, aber durchweg überzeugender, farbenfroher Musiktheater-Abend mit einigen wenigen Durststrecken.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Zwischen Spaß, Tragik und Trivialität

"Unendlicher Spaß" bei den Ruhrfestspielen 2018 Foto: David Baltzer / Agentur Zenit

„Unendlicher Spaß“ bei den Ruhrfestspielen 2018 Foto: David Baltzer / Agentur Zenit

Mit Unendlicher Spaß erschuf David Foster Wallace 1996 wohl den Roman der Postmoderne: ein geniales Konglomerat aus wahnwitziger Zukunftsvision, einem gigantischen Netz aus nach Sinn- und Wahrhaftigkeit suchenden Figuren, ganz vielen Abhängigkeiten und noch viel mehr Fußnoten. Doch kann man das alles angemessen auf die Bühne bringen? Thorsten Lensings Inszenierung beantwortet diese Frage mit einem klaren Jein und präsentierte die Romanadaption mit tollem Starensemble bei den Ruhrfestspielen.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Der ganz alltägliche Wandel

Doris Anselms Kurzgeschichtenband und in dem Moment holt meine Liebe zum Gegenschlag aus erzählt von jenen Momenten, die das Leben entscheidend verändern. Die Autorin schildert diese gezielt und lässt dabei weder Kinder, noch Businessmen oder Hausfrauen aus: Unterschiedlichste Personen treten nacheinander in den Mittelpunkt, werden dem Leser jedoch nicht nahegebracht, sondern verwundern zunächst und lassen ihn einen Großteil der Figuren negativ und realitätsfremd wahrnehmen. Ein Kurzgeschichtenband, der die Stimmung eines verregneten Herbsttages heraufbeschwört, trostlos und negativ.

von VIVIANE SCHWERTFEGER  Weiterlesen

Im Griff der Filmindustrie

F. Scott Fitzgerald - Für Dich würde ich sterben Cover: Hoffmann und Campe

F. Scott Fitzgerald – Für Dich würde ich sterben Cover: Hoffmann und Campe

F. Scott Fitzgerald verbrauchte sich in jeglicher Hinsicht: emotional an der Liebe zu seiner Frau Zelda, schriftstellerisch an seinen erzählerischen Auftragsarbeiten und gesundheitlich an seiner Trunksucht, die in einem tödlichen Herzinfarkt resultierte. Trotz seiner Exzesse hinterließ er fünf Romane und über 160 Erzählungen, ein literarisches Reservoir, das einige der wichtigsten Werke des 20. Jahrhunderts enthält. Nun erschienen bei Hoffmann und Campe größtenteils noch unveröffentlichte Erzählungen in dem Band Für dich würde ich sterben, der ein neues Licht auf den Autor der Lost Generation und sein Schaffen Ende der 1930er Jahre wirft. Er zeigt, dass Fitzgerald aus seinem Leben schöpfte wie bisher, und dass er zu wesentlich mehr in der Lage gewesen wäre, als diese Erzählungen es suggerieren mögen.

von JONAS PODLECKI Weiterlesen

Hinter der Mauer lauern Liebe und Hass

Shakespeares "Romeo und Julia" am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

Shakespeares „Romeo und Julia“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

Marius von Mayenburg inszeniert am Schauspielhaus Bochum den wohl bekanntesten Theaterklassiker überhaupt: Romeo und Julia. Was ihn am Stoff fasziniert, ist aber weniger die „Love Story“ als die düstere Omnipräsenz des Todes. Dank interessanter Regieeinfälle und engagierter Darsteller gelingt ein starker, unverschnörkelt-eindringlicher Shakespeare-Abend auf Niveau der besten Schaubühnen-Produktionen.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Fünf Freunde und ein Todesfall

Frank Schliedermann - Die Trauerfeier Cover: asphalt & anders Verlag

Frank Schliedermann – Die Trauerfeier Cover: asphalt & anders Verlag

Sie treffen sich, weil „einer von ihnen“ tot ist, doch gibt es dieses „sie“ eigentlich noch? Frank Schliedermann seziert in seinem Romandebüt Die Trauerfeier eine alte Freundschaft und philosophiert in luftiger Manie über das Leben und die Wege, die man geht.

von ANNA KREWERTH Weiterlesen

Ein Schmetterling mit gebrochenen Flügeln

"Madama Butterfly" am Opernhaus Wuppertal Foto: Uwe Stratmann

„Madama Butterfly“ am Opernhaus Wuppertal Foto: Uwe Stratmann

In Zeiten, da die Flüchtlingssituation in Europa die Wichtigkeit gegenseitiger Verständigung umso dringlicher aufzeigt, inszeniert Dominik Neuner am Wuppertaler Opernhaus Puccinis Madama Butterfly als „Psycho-Krimi“ auf der Folie eines kulturellen Zusammenpralls – mit tragischem Ausgang für die Hauptfigur.

von STEFAN SCHMIDT Weiterlesen

Die letzten 90 Minuten im Leben der Emma Bovary

Madame Bovary bei den Ruhrfestspielen_Foto: Thomas Dashuber

Madame Bovary bei den Ruhrfestspielen Foto: Thomas Dashuber

Mateja Koležniks Inszenierung von Madame Bovary (nach dem gleichnamigen Roman von Gustave Flaubert, in der Bearbeitung von Albert Ostermaier) beginnt mit dem Ende der Protagonistin: Emma Bovary hat sich mit Arsen vergiftet. Ihr Todeskampf ist lang und qualvoll. Ihr Mann und der Doktor sind zwar bei ihr, können aber nichts mehr für sie tun. Sie nimmt deren Anwesenheit auch nicht mehr wahr, da ihr Leben in kurzen Fragmenten an ihr vorbeizieht. Und so wird das Publikum des Kleinen Theaters während der Ruhrfestspiele in Recklinghausen Zeuge des Beginns ihres Dramas.

von VERENA SCHÄTZLER Weiterlesen