Kommt hier die deutsche Maus?

Barbara Yelin, Miriam Libicki, Gilad Seliktar: Aber ich lebe; Cover: C. H. Beck

Zeitzeugen sprechen über die Shoah: Das Thema begleitet uns seit über 70 Jahren, doch auserzählt ist es noch lange nicht. Der Graphic-Novel-Band Aber ich lebe wagt sich an das Thema durch Überlebendenberichte aus Kinderperspektive heran. Insgesamt drei Erzählungen überzeugen durch das Beschreiten einzigartiger Pfade des Überlebens und durch die Vielfalt der Zeichenstile. Doch ob es für die Erwartungshaltung reicht, die Aber ich lebe mit Bezugnahmen zu Art Spiegelmans Maus weckt?

von THOMAS STÖCK

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Shylock, Ikone des Antisemitismus

Der für seine Antihelden-Darstellungen bekannte Schauspieler Ernst von Possart als Shylock, etwa um 1904.

„Ein Pfund Fleisch“: Diese Forderung ist der grausame Ruf nach Gerechtigkeit eines Menschen, dem übel mitgespielt wird. Die Figur Shylock erblickte um 1600 im Kaufmann von Venedig das Licht der Shakespeare’schen Bühnenwelt und steht bis heute wie keine zweite für das Schicksal der jüdischen Bevölkerung. Was uns Shylock noch heute zu erzählen hat, davon zeugt das heutige Porträt.

von THOMAS STÖCK

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Glauben nach der Katastrophe?

Margarete Susman: Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes; Cover: Suhrkamp

Der Shoah sind in Europa über sechs Millionen Juden zum Opfer gefallen, beinahe wäre das jüdische Volk vollkommen vernichtet worden. Wie kann man angesichts einer solchen Katastrophe noch an Gott glauben? Margarete Susman stellt sich in ihrem 1946 erschienenen Essay Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes diese Frage und erzählt uns von ebendiesem Schicksal. Doch findet Susman auch in der Jubiläumsausgabe zu ihrem 150. Geburtstag lediglich Antworten, die nicht zu überzeugen vermögen.

von THOMAS STÖCK

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Doctor’s Diary (4): Warum über einen anderen Genozid schreiben

Paul Rusesabagina in der US-Botschaft in Schweden im Jahr 2013.

Nach den ersten Monaten der Organisationsphase möchte ich in der heutigen Kolumne auf die inhaltliche Findungsphase zu sprechen kommen. In meinem speziellen Fall soll es dabei um ein kleines ostafrikanisches Land gehen, dessen grausame Geschichte das Geschichtenerzählen notwendig macht: Ruanda. 1994 fand in etwa 100 Tagen ein Völkermord statt und kostete über 800.000 Angehörige der Bevölkerungsminderheit der Tutsi das Leben.

von THOMAS STÖCK

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Mama, ich begrabe dich

Scholastique Mukasonga: Frau auf bloßen Füßen; Cover: Peter Hammer Verlag

In Frau auf bloßen Füßen erschreibt sich Scholastique Mukasonga den Grabstein für ihre Mutter, den sie ihr nie setzen konnte. Denn ihre Mutter Stefania fiel – wie Mukasongas gesamte Familie und über 800.000 andere Tutsi – dem Völkermord in Ruanda 1994 zum Opfer. Ihre Kindheit lässt Mukasonga in dieser Biografie wiederauferstehen: Traditionen und Aberglaube, die aufkommende Globalisierung – und inmitten dessen die ruandischen Tutsifrauen und die allgegenwärtige Todesangst.

von THOMAS STÖCK

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Epische Liebeserklärung ans Heldentum

Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos; Cover: Matthes & Seitz Berlin

Annette, ein Heldinnenepos ist eine in Versen verfasste Biografie der Freiheitskämpferin Anne Beaumanoir. Anne Weber zeigt offen ihre Bewunderung für die Protagonistin, deren real existierendes Vorbild sie als lebendige Heldin verehrt, ohne ihre menschlichen Schwächen auszublenden. Das hat ihr jüngst den Deutschen Buchpreis eingehandelt.

von STEFAN JAKOB

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Der Cockring der Geschichte

Eiríkur Örn Norðdahl - Böse Cover: Tropen bei Klett-CottaDer Holocaust ist immer wieder Thema literarischer Bearbeitungen. Dass er auch die Enkelgeneration nicht kalt lässt und wie ein Sextoy und Island hiermit zusammenhängen, zeigt Böse von Eiríkur Örn Norðdahl.

von GREGOR J. REHMER Weiterlesen