„Was ist eine Mutter ohne Kind?“

Oyinkan Braithwaite: Das Baby ist meins; Cover: Blumenberg

Oyinkan Braithwaites Roman Das Baby ist meins gleicht einer Neuerzählung von König Salomos Urteil. Nur, dass die Handlung nicht im Jahr 1000 v. Chr. spielt, sondern im Jahr 2020 in Laos, Nigeria während des ersten Lockdowns in der Corona-Pandemie. Ein spannender Roman, der sich mit tiefgründigen und gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt.

von VANESSA MUSZARSKY

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Im Paris der Erinnerungen auf der Suche nach einer Frau

Patrick Modiano: Unsichtbare Tinte; Cover: Hanser Verlag

Der ungelöste Fall der mysteriösen Noelle Lefebvre lässt Jean Eyben auch noch Jahrzehnte nach deren Verschwinden nicht los. Unwichtige Details werden zur Geheimbotschaft und das Verfassen von Notizen zur Manifestation der Existenz einer längst vergessenen Zeit. Der schlichte Inhalt von Patrick Modianos Unsichtbare Tinte wird durch die wendungsreiche Struktur und den geschliffenen Stil zu einer fesselnden Geschichte, die Spannung ganz ohne action-lastige Elemente erzeugt.

von LEINES BAUMGARDT

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west off 2015 – zwischen geteilter Verantwortung und geplantem Zufall

west off 2015Das Theaterfestival west off 2015 geht zu Ende. Mit dem Theatergame regere der Gruppe Progranauten sowie der Performance Feeding Fears von A Barrel of Monkeys verhandelt das FFT Düsseldorf komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge – auf der Bühne und außerhalb: So fragt es u. a. nach der Bedeutung des Zufalls, nach Privilegien und nach dem Gefühl, regiert zu werden.

von CHRISTOFER SCHMIDT und PHILIPP HANKE Weiterlesen

Alte Gespenster und neue Wunden

COVER_Crimson-PeakDie Heirat einer jungen Frau mit einem Baron und der Einzug in das Haus seiner Familie ziehen schreckliche Folgen nach sich: Guillermo del Toros Gothic-Horror-Film Crimson Peak besticht nicht nur durch seine opulenten Schauwerte, sondern auch durch eine postmoderne und selbstreflexive Erzählweise, die das Horrorgenre als moderne Mythenerzählung ernst nimmt.

von PHILIPP HANKE Weiterlesen

Viel los in Lönneberga

Michel aus Lönneberga SSH Bochum Matthias Redlhammer (Alfred), Ragna Guderian (Alma), Minna Wündrich (Lina), Torsten Flassig (Michel), Jost Grix (Anton), Anna Döing (Klein-Ida)   Foto: Diana Küster1963 veröffentlichte Astrid Lindgren die ersten Geschichten über den Lausejungen Michel aus Lönneberga, der in seinem schwedischen Dörfchen allerlei Unfug anstellt. Knapp zehn Jahre später wurden Michels Streiche verfilmt und begeistern seitdem die Kinder auch vor den Fernsehapparaten. Nun spielt das Schauspielhaus Bochum als Weihnachts- und Wintermärchen Lindgrens Klassiker – und schafft es, auch ohne Modernisierungen Groß und Klein zu begeistern.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Durch die Dunkelheit

Tony Blacks neuer Roman Geopfert erzählt die Geschichte eines Mannes, der am Boden ist. Zwischen Alkoholismus und Selbstmitleid soll der ehemalige Journalist Gus Dury seinem Gönner und Kneipenwirt Col einen Gefallen tun und den Fall seines unlängst ermordeten Sohnes aufklären. Auf seinem Weg durch die Unterwelt Edinburghs, lässt der versoffene Romanheld kein Hollywoodklischee zwischen Polizeigewalt und Pointe à la Mission Impossible aus. Die abschließende Auflösung der Konflikte ist für jeden krimierfahrenen Leser vorhersehbar und auch die wenig originellen Beweggründe der Hauptfigur werden auf dem Silbertablett serviert.

Von ALINE PRIGGE

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