„Desaströse Selbstfokussierung“ oder der Selfie-Narziss

Ramona Raabe: Das pathologische Leiden der Bella Jolie, Cover: Dittrich

Selfies sind im 21. Jahrhundert zum Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. In ihrem ersten Buch widmet sich die junge Autorin Ramona Raabe eben diesem Phänomen. Die thematisch längst überfällige Novelle Das pathologische Leiden der Bella Jolie über die Sucht nach der Selbstabbildung, das Einfangen des gegenwärtigen Moments und die Suche nach dem Ich besticht besonders durch den außergewöhnlichen, innovativen Aufbau.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

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Hinter dem Spiel grinst der Krieg

COVER_Denijen_Pauljevic_Der Wundenleser_Raniser_DebutRomane über Flüchtlingserlebnisse haben Konjunktur. Der Münchner Autor Denijen Pauljevic schickt über 20 Jahre nach seiner eigenen Flucht einen traumatisierten Mann in eine bizarre Militärübung in der bayerischen Provinz. Soldaten proben dort an Freiwilligen den Ernstfall. Der Leser findet sich mitten in einem surrealen Mitmachtheater, in dem alles möglich scheint – außer das Buch vorzeitig zuzuklappen.

von LINA BRÜNIG Weiterlesen

Vor dem Spiel ist nach dem Text

COVER: Peter Böhm. New Level. Computerspiele und Literatur. Metrolit.Das Computerspiel ist ein eklektisches Medium, sowohl was seine Bandbreite angeht als auch in Bezug auf die Vielfalt an Elementen, die jedes einzelne Spiel in sich vereinen kann. Insofern ist die bunte Mischung von Texten, die Herausgeber Thomas Böhm in New Level. Computerspiele und Literatur vereint, dem Gegenstand zunächst einmal sehr angemessen. Herzstück der Sammlung sind literarische Texte, in denen Autorinnen und Autoren aufgefordert waren, ein Computerspiel zu entwerfen, ohne sich um die Realisierbarkeit des Konzepts Gedanken zu machen.

von HANS-JOACHIM BACKE Weiterlesen

Chronik des Wartens

Julia Schoch - Selbstporträt mit Bonaparte   Cover: PiperDie großen Katastrophen im Leben bleiben aus, der ehemals krisengebeutelte westliche Mensch hat sich durch Jahrhunderte voller Revolutionen, Kriege und Aufstände gequält, um am Ende das Schicksal nicht selbst in der Hand zu haben. Er ist frei zu wählen, er hat die Qual der Wahl – einzig am Roulettekessel treten die traurig freien Gestalten noch ihrem Schicksal gegenüber, so Julia Schoch in einem Essay (Literaturen #103 Okt/Nov 2011). In ihrem dritten Roman Selbstporträt mit Bonaparte lässt Schoch ihre namenlose Ich-Erzählerin ihrem Leben, ihrer Liebe und Leidenschaft zum Spiel – dem Schicksalsgaranten – nachspüren und versucht, Gegenwärtiges spothaft festzuhalten.

Von NADINE HEMGESBERG

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