Waldens „Neue Welt“ bleibt zu entdecken

COVER_Stanley Cavell_Die Sinne von Walden_Matthes&SeitzAm Unabhängigkeitstag 1845 zieht Henry David Thoreau sich zurück in die Wälder von Concord, um sich dort eine Hütte zu bauen. Von diesem Experiment berichtet sein Buch Walden, ein faszinierendes, aber bis heute in der akademischen Philosophie kaum beachtetes Werk. In Die Sinne von Walden, das nun in deutscher Übersetzung bei Matthes und Seitz erschienen ist, erschließt der seinerseits noch viel zu wenig bekannte amerikanische Philosoph Stanley Cavell (*1926) den Gedankenreichtum von Thoreaus Text. Es handelt sich um ein „Traktat über politische Erziehung“ von ungebrochener Aktualität. Leider in einer äußerst enttäuschenden deutschen Übersetzung.

von BERNHARD STRICKER Weiterlesen

Alles, was man vergesssen hat…

COVER_Matthew Thomas_Wir sind nicht wir_BerlinverlagMatthew Thomas’ Monumental-Werk Wir sind nicht wir ist weder thematisch innovativ noch von sprachlicher Raffinesse oder erzählerisch überraschend. Die 900-seitige Schilderung eines unbarmherzigen Kampfes trifft dennoch mit voller Wucht.

von ANNA KREWERTH Weiterlesen

Das Kotext-Dilemma

COVER_Gomringe_ich-bin-doch-nicht-hier_VolandQuistNora Gomringer hat mit ihrem Text Recherche in diesem Jahr den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen – und das vollkommen zu recht. Die knapp 18 Seiten erscheinen nun mit gut 150 zusätzlichen in einer Sammlung eher mehr als weniger überflüssiger Texte unter dem Titel Ich bin doch nicht hier, um Sie zu amüsieren.

von ANNA KREWERTH Weiterlesen

My Fabulous Lady

"My Fair Lady" am Schauspiel Essen Foto: Martin Kaufhold

„My Fair Lady“ am Schauspiel Essen Foto: Martin Kaufhold

Das Essener Schauspiel landet mal wieder einen Clou: Robert Gerloff beweist mit seiner Inszenierung von My Fair Lady, dass der Pygmalion-Stoff auch knapp 100 Jahre nach seiner bekanntesten Bearbeitung durch George Bernard Shaw nichts an Witz und Schlagfertigkeit verloren hat. Das Publikum erwarten 165 unterhaltsame Minuten, in denen der eine oder andere schiefe Ton gerne verziehen wird.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

50 Shades of White

Yasmina Rezas "Kunst" am Schauspiel Essen Foto: Diana Küster

Yasmina Rezas „Kunst“ am Schauspiel Essen Foto: Diana Küster

Ein vibrierendes Kunstwerk, Scheiße oder irgendwas dazwischen? Drei Männer streiten sich über ein Bild, dabei geht es doch um so viel mehr. Regisseurin Anne Spaeter bringt Yasmina Rezas Kunst auf die Bühne des Grillo-Theaters Essen und zeigt eine fein abgestimmte Komödie, bei der zur Erheiterung des Zuschauers fast jedes Wort pointiert auf die Goldwaage gelegt wird.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Die Zeit ist scheißnah, Leute. Der Dichter Ulf Stolterfoht schreibt die Geschichte von Neu-Jerusalem

COVER_neu-jerusalemSchon lange nichts wirklich Seltsames mehr gelesen? Dann ist das hier genau das Richtige. Nach der Lektüre von Stolterfohts neu-jerusalem fühlt man sich noch mehr in die Mangel genommen als nach fachsprachen I-XXXVI, seinem sprachkritischen und sprachspielerischen Großprojekt, das im leider untergegangenen Urs Engeler Verlag erschien. Die grundsätzlich ironische Sicht des Dichters auf alle Dinge der Welt und das menschliche Leben tritt auch im neuen Band zutage, doch hinzu kommt ein Stoff aus feinst geklittertem Material: die Geschichte einer fiktiven protestantischen Sekte.

von STEPHANIE HEIMGARTNER Weiterlesen

Über das Sprechen und Schweigen in chorischen Massen

Kaspar Hauser und Die Sprachlosen aus Devil County – unter diesem Titel feiert das neuste Stück des Dortmunder Sprechchors und des in dieser Spielzeit gegründeten Kindersprechchors am Schauspiel Dortmund seine Uraufführung. Bei dieser letzten Premiere in einer durchaus turbulenten Spielzeit zeigen Thorsten Bihegue und Alexander Kerlin (Text und Regie) einen Abend, der mit meist klugen Textfragmenten zwar im Hirn, doch nicht immer unter der Haut haften bleibt.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Der absente Protagonist

Steven Bloom - Das positivste Wort der englischen Sprache   Cover: WallsteinDas positivste Wort der englischen Sprache von Steven Bloom bietet ein Panorama der letzten fünfzig Jahre der amerikanischen Geschichte. Mit seinen sonderbaren Figuren, einem beinahe schon wortlosen Protagonisten und bissigen Dialogen, die die vorurteilsvolle amerikanische Gesellschaft widerspiegeln, hat Bloom einen unaufgeregten, dennoch mitreißenden Roman geschrieben.

von ESRA CANPALAT

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Ein lebensbeneinendes Buch

Judith Hermann - Aller Liebe Anfang   Cover: S. FischerJudith Hermann präsentiert in ihrem ersten Roman Aller Liebe Anfang ein beklemmendes Vorortszenario in detachiertem Stil. Der Leser wird hier Zuschauer einer Lebensrealität, die er für kein Geld der Welt nacherleben wollen würde.

von RAMONA SCHERMER

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