Die Totalerschöpfung der Utopie

Andrej Platonow - Die Baugrube Cover: Suhrkamp

Andrej Platonow – Die Baugrube Cover: Suhrkamp

Anders als seine Zeitgenossen Michail Bulgakow oder Boris Pasternak, blieb Andrej Platonow als sowjetischer Schriftsteller in Deutschland bis heute weitgehend unbekannt. Insofern wurde auch seinem bekanntesten Roman Die Baugrube diese Nichtbeachtung zuteil. Dabei handelt es sich um ein literarisches Jahrhundertwerk, das einen Vergleich mit den Romanen von Kafka, Joyce und Beckett nicht zu scheuen braucht. Der Suhrkamp Verlag legte im Dezember vergangenen Jahres erstmals eine präsentable deutsche Übersetzung vor, und eines wird offensichtlich: Was Platonow mit seiner Sprache fertigbringt, ist ein Kunststück, das in der russischen Literatur bis heute seinesgleichen sucht.

von JONAS PODLECKI Weiterlesen

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In den Trümmern menschlicher Abgründe

Kleists "Das Erdbeben in Chili" bei den Ruhrfestspielen Foto: Anke Neugebauer

Kleists „Das Erdbeben in Chili“ bei den Ruhrfestspielen Foto: Anke Neugebauer

Schon im November des letzten Jahres feierte Alice Buddebergs Inszenierung von Das Erdbeben in Chili (1807) in Weimar Premiere. Nun bringt die Regisseurin Kleists Novelle auf die kleine Bühne des Festspielhauses der Ruhrfestspiele und zeigt in gerade mal 60 Minuten, wieviel Grausamkeit, aber auch Humor in der Abhandlung über den Umgang mit der Theodizee und deren unmenschlichen Resultaten stecken kann.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Un-Wort des Jahres

Michel Houellebecq - Unterwerfung   Cover: DumontDass ein Buch noch für Skandale sorgen kann: Michel Houellebecqs neuer Roman Unterwerfung polarisierte schon vor seinem Erscheinen Feuilletonredakteure, Politiker und mehr oder minder sachkundige Experten aller Fachgebiete. Was übrig bleibt, wenn man ihn mal nicht ideologisch und stattdessen literaturwissenschaftlich betrachtet, ist überraschend unspektakulär.

von KARIN BÜRGENER Weiterlesen

Vor dem Spiel ist nach dem Text

COVER: Peter Böhm. New Level. Computerspiele und Literatur. Metrolit.Das Computerspiel ist ein eklektisches Medium, sowohl was seine Bandbreite angeht als auch in Bezug auf die Vielfalt an Elementen, die jedes einzelne Spiel in sich vereinen kann. Insofern ist die bunte Mischung von Texten, die Herausgeber Thomas Böhm in New Level. Computerspiele und Literatur vereint, dem Gegenstand zunächst einmal sehr angemessen. Herzstück der Sammlung sind literarische Texte, in denen Autorinnen und Autoren aufgefordert waren, ein Computerspiel zu entwerfen, ohne sich um die Realisierbarkeit des Konzepts Gedanken zu machen.

von HANS-JOACHIM BACKE Weiterlesen

Von Visionen und Aversionen

Cover_Michael Schindhelm_Lavapolis Matthes & SeitzWenn die hohen Ambitionen eines Kulturvisionärs an der Mittelmäßigkeit ihrer Umsetzung scheitern, kommt ein Buch dabei heraus, in dem es um den Wert des Dialogs geht und über das niemand reden möchte. Michael Schindhelms Lavapolis bildet den Ausgangspunkt eines großangelegten transmedialen Projektes, das auch in Form einer Homepage und auf der Biennale 2014 einen Diskurs zu brennenden Fragen in Politik und Gesellschaft anregen soll. Angesiedelt im Raum zwischen Realität, Fiktion und Utopie verspricht dieses soziale Experiment „Möglichkeiten“ zu eröffnen, „Alternativen“ zu erproben. Das Buch allein leistet nichts davon.

von ANNA KREWERTH Weiterlesen

Die dunkle Seite des sozialen Zirkus

Dave Eggers - Der Circle   Cover: KiWiIm kreativen Zentrum der Welt zu arbeiten, klingt wie ein Traum. Für Mae wird er Realität, denn sie hat einen der begehrten Jobs im „Circle“ ergattert und findet Stück für Stück heraus, dass die Wirklichkeit noch viel besser ist, als sie es sich vorgestellt hat. Sie fügt sich beinahe nahtlos in eine Welt, die geradezu hypersozial ist. Sie zingt, smilet und kommentiert was das Zeug hält, bis sie schließlich das ultimative Ziel erreicht: Transparenz. Alles ist so schön – das Grauen im Schatten der Schönheit dieser Community kann also nicht weit sein.

von SOLVEJG NITZKE

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Panem im Pott: Die Zukunft wird lila

Jörg Albrecht - Anarchie in Ruhrstadt   Cover: WallsteinJörg Albrechts neuer Roman Anarchie in Ruhrstadt wirft einen Blick in eine potenzielle Zukunft des Ruhrgebiets, in der sich im Jahr 2015 eine dezentrale Regierung erhebt und die 53 Städte und Kommunen zu einer einzigen Stadt, der Ruhrstadt, verbindet. Wie und warum es im Jahr 2044 zum Zusammenbruch des zunächst vielversprechenden Systems kommt und sich die Utopie zur Dystopie wandelt, verbildlicht der Roman anhand der Geschichten von Stadtplaner György und der Anarchisten Julieta und Rick.

von PIA ALEITHE

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