Zwischen Kaiserreichkitsch und Politikerleichen, oder: Ein Samstag in Weimar

Thomas Hüetlin: Berlin, 24. Juni 1922; Cover: Kiepenheuer & Witsch

Mehr als pünktlich zum 100. Jahrestag des Mordes am damaligen deutschen Außenminister Walther Rathenau veröffentlicht Kiepenheuer & Witsch mit Berlin, 24. Juni 1922 ein rasant erzähltes und geschriebenes Sachbuch zu diesem Attentat, das bis heute noch nicht so recht in den Köpfen der Deutschen präsent ist. Journalist und Autor Thomas Hüetlin führt uns in die einsam-elitäre Welt Rathenaus, aber auch in die Köpfe derjenigen, die ihn am helllichten Tag auf offener Straße äußerst brutal und blutig ermordet haben. Außerdem: teutonische Rührseligkeit, beleidigte Terroristenliteraten und Liebesbriefe auf Hakenkreuzpapier.

von CARO KAISER

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Als das Ende nahe ist

Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein; Cover: Aufbau Taschenbuch Verlag

Am 5. Februar 1947 – also vor 75 Jahren – starb Hans Fallada. In wenigen Wochen vor seinem Tod verfasste Fallada das Manuskript seines letzten Romans Jeder stirbt für sich allein. 60 Jahre nach der Erstveröffentlichung gelangte dieser Roman durch eine Neuveröffentlichung zu Weltruhm. In seinem Zentrum stehen die Quangels, ein älteres Ehepaar, das sich nach dem Verlust ihres einzigen Sohnes dazu entscheidet, sich dem Hitlerregime entgegenzustellen. Es entspinnt sich eine Geschichte des Widerstands, des Duckmäusertums, des Verrats – und die Spirale der Gewalt, sie dreht sich mit immer höherer Geschwindigkeit.

von THOMAS STÖCK

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Hinter den Kulissen des Bauhauses

Jana Revedin: Jeder hier nennt mich Frau Bahaus; Dumont

Zum 100. Bauhaus-Jubiläum 2019 erschien viel Neues, was sich mit dem Baustil der Klassischen Moderne, den prägenden Künstlern und der Kunstschule als solcher beschäftigt. Jana Revedins biografischer Roman Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus wirft einen allumfassenden und doch subjektiven Blick auf und hinter die Fassaden des Bauhauses. Die Protagonistin Ise Frank entlarvt, wie progressiv das Bauhaus unter ihrem Ehemann Walter Gropius tatsächlich war. Der Roman bleibt in diesen Schilderungen leider ziemlich oberflächlich.

von JASMIN GIERLING Weiterlesen

Die Unvollendete: Irmgard Keun

Quelle: User OTFW Wikimedia

Quelle: User OTFW Wikimedia

Verglichen mit anderen deutschen Exilautoren ist Irmgard Keun eine ambivalente, schwierig zu fassende Persönlichkeit: ein Star in der Weimarer Republik, im Exil mit literarischen Größen wie Stefan Zweig und Egon Erwin Kisch bekannt, Geliebte von Joseph Roth – und doch über weite Strecken als zwar talentierte, aber harmlose Unterhaltungsschriftstellerin abgetan.

von LINA BRÜNIG

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