Kontrovers, Kontroverser, Geschlechtsidentität

Rainer Herrn: Der Liebe und dem Leid; Cover: Suhrkamp

Blickt man in die Meinungsspalten der Zeitungen im In- und Ausland, so merkt man, dass das große Schreckensgespenst „Geschlecht“ – oder im konservativen Neudeutsch: „Gender“ – durch die Lande zieht. Ein Alleinstellungsmerkmal unserer Zeit? Mitnichten, wie Rainer Herrns Monographie Der Liebe und dem Leid. Das Institut für Sexualwissenschaft 1919–1933 zeigt. Das Buch führt uns in die Weimarer Republik und in ihre kontroversen Diskussionen rundum Geschlecht, Sexualität und Geschlechtsidentität. Herrn gelingt dabei der Hattrick der Wissenschaftskommunikation: wissenschaftlich sauber gearbeitet, sprachlich ansprechend und auch für Laien verständlich. Eine Empfehlung!

von CARO KAISER

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Nobelpreisträger und Spät-Demokrat

Thomas Mann mit seiner Tochter Erika, seiner Frau Katia sowie seinem Sohn Klaus 1929. In diesem Jahr erhielt er auch den Nobelpreis für Literatur. Foto von Eduard Wasow.

Thomas Mann, der dieses Jahr seinen 147. Geburtstag gefeiert hätte, ist vor allem als Meister der Ironie und für seine gesellschaftskritischen Werke bekannt. Sein größtes Prosawerk die Buddenbrooks gilt als einer der ersten deutschen Gesellschaftsromane. Für selbigen erhielt Mann den Nobelpreis für Literatur.

von CELINA FARKEN

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Zwischen Kaiserreichkitsch und Politikerleichen, oder: Ein Samstag in Weimar

Thomas Hüetlin: Berlin, 24. Juni 1922; Cover: Kiepenheuer & Witsch

Mehr als pünktlich zum 100. Jahrestag des Mordes am damaligen deutschen Außenminister Walther Rathenau veröffentlicht Kiepenheuer & Witsch mit Berlin, 24. Juni 1922 ein rasant erzähltes und geschriebenes Sachbuch zu diesem Attentat, das bis heute noch nicht so recht in den Köpfen der Deutschen präsent ist. Journalist und Autor Thomas Hüetlin führt uns in die einsam-elitäre Welt Rathenaus, aber auch in die Köpfe derjenigen, die ihn am helllichten Tag auf offener Straße äußerst brutal und blutig ermordet haben. Außerdem: teutonische Rührseligkeit, beleidigte Terroristenliteraten und Liebesbriefe auf Hakenkreuzpapier.

von CARO KAISER

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Als das Ende nahe ist

Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein; Cover: Aufbau Taschenbuch Verlag

Am 5. Februar 1947 – also vor 75 Jahren – starb Hans Fallada. In wenigen Wochen vor seinem Tod verfasste Fallada das Manuskript seines letzten Romans Jeder stirbt für sich allein. 60 Jahre nach der Erstveröffentlichung gelangte dieser Roman durch eine Neuveröffentlichung zu Weltruhm. In seinem Zentrum stehen die Quangels, ein älteres Ehepaar, das sich nach dem Verlust ihres einzigen Sohnes dazu entscheidet, sich dem Hitlerregime entgegenzustellen. Es entspinnt sich eine Geschichte des Widerstands, des Duckmäusertums, des Verrats – und die Spirale der Gewalt, sie dreht sich mit immer höherer Geschwindigkeit.

von THOMAS STÖCK

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Hinter den Kulissen des Bauhauses

Jana Revedin: Jeder hier nennt mich Frau Bahaus; Dumont

Zum 100. Bauhaus-Jubiläum 2019 erschien viel Neues, was sich mit dem Baustil der Klassischen Moderne, den prägenden Künstlern und der Kunstschule als solcher beschäftigt. Jana Revedins biografischer Roman Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus wirft einen allumfassenden und doch subjektiven Blick auf und hinter die Fassaden des Bauhauses. Die Protagonistin Ise Frank entlarvt, wie progressiv das Bauhaus unter ihrem Ehemann Walter Gropius tatsächlich war. Der Roman bleibt in diesen Schilderungen leider ziemlich oberflächlich.

von JASMIN GIERLING Weiterlesen

Die Unvollendete: Irmgard Keun

Quelle: User OTFW Wikimedia

Quelle: User OTFW Wikimedia

Verglichen mit anderen deutschen Exilautoren ist Irmgard Keun eine ambivalente, schwierig zu fassende Persönlichkeit: ein Star in der Weimarer Republik, im Exil mit literarischen Größen wie Stefan Zweig und Egon Erwin Kisch bekannt, Geliebte von Joseph Roth – und doch über weite Strecken als zwar talentierte, aber harmlose Unterhaltungsschriftstellerin abgetan.

von LINA BRÜNIG

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