Don Quijote liest Don Quijote

Miguel de Cervantes (1547–1616) in einem Stich von Geroge Vertue aus dem Jahr 1742

Am 29. September 1547 erblickt Miguel de Cervantes das Licht der Welt. In den Jahren 1605 und 1615 entspringen seiner Feder zwei Bücher, die bis heute Leser um den gesamten Globus begeistern. In ihnen schwingt sich der Büchernarr im wohl ureigensten Wortsinn Don Quijote dazu auf, den Helden seiner Ammenmärchen nachzueifern. Dabei stößt er auch auf ein Buch, das von ihm selbst erzählt. Dieses spannende Zeugnis von Metaliteratur stellen wir heute ins Rampenlicht.

von THOMAS STÖCK

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1 000. Beitragsjubiläum: Was wir lesen müssen

Wer das nur alles lesen soll? Ein Berg aus Büchern – der Walk of Ideas in Berlin. Copyright Lienhard Schulz.

Seit 2011 werden auf literaturundfeuilleton Beiträge veröffentlicht. Unser heutiger Beitrag behandelt zur Feier unseres tausendsten Beitrags eine Frage, die uns als begeisterte Bücherleser stets umtreibt: Welche Bücher muss ich unbedingt gelesen haben? Antworten darauf liefern die unzähligen Kanons, von denen wir uns heute einige der letzten Jahrzehnte anschauen möchten.

von THOMAS STÖCK

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Aller Anfang ist schwer (3): Faust

Mephisto und Faust. Szene aus einer Aufführung des Urfaust am Jürgen-Fehling-Theater in Berlin Zehlendorf im Oktober 1945; Foto von Abraham Pisarek.

Sie sitzen an Ihrem heimischen Schreibtisch und denken über eines der bedeutendsten Werke aus Ihrer Feder nach, das die deutschsprachige Literatur ihr eigen nennen wird – doch wissen Sie nicht, wie Sie dieses Werk zu Papier bringen sollen. Tragisch, womit sich ein so großer Dichter wie Goethe herumschlagen musste! Manchmal ist der erste Satz der schwerste, was uns heute der Auftakt von Goethes Faust bezeugt.

von THOMAS STÖCK

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Der Rockstar der Renaissance

William Shakespeare (1564 – 1616) im berühmten Chandos portrait von John Taylor (1585 – 1651); Public Domain

Vor 406 Jahren verließen zwei der wichtigsten Autoren der Spätrenaissance die Weltbühne. Deren Werke nehmen auch heute noch eminente Plätze in so ziemlich jedem Kanon der Weltliteratur ein. Nach den damals geltenden Zeitrechnungen fällt der Todestag jeweils auf den 23. April 1616. Die Rede ist von Miguel de Cervantes und William Shakespeare. Gilt der erste durch seinen Don Quijote als Begründer des modernen Romans, revolutionierte sein jüngerer Zeitgenosse das Theater. Letzterem ist dieses Autorenporträt gewidmet.

von STEFAN JAKOB

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Im Steinbruch des Textes

Tomas Venclova: Variation über das Thema Erwachen; Cover: Hanser

Variation über das Thema Erwachen lautet der deutsche Titel des dritten Gedichtbandes von Tomas Venclova. Dahinter verbirgt sich ein Parforceritt eines Weltbürgers durch die Welt- und Literaturgeschichte. Für Venclovas Lyrik darf man mit Fug und Recht das Prädikat Weltliteratur bereithalten, muss sich aber auch darauf einstellen, die hochkomplexen Gedichte in einem zeitintensiven Prozess zu dechiffrieren.

von THOMAS STÖCK

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„Was ist eine Mutter ohne Kind?“

Oyinkan Braithwaite: Das Baby ist meins; Cover: Blumenberg

Oyinkan Braithwaites Roman Das Baby ist meins gleicht einer Neuerzählung von König Salomos Urteil. Nur, dass die Handlung nicht im Jahr 1000 v. Chr. spielt, sondern im Jahr 2020 in Laos, Nigeria während des ersten Lockdowns in der Corona-Pandemie. Ein spannender Roman, der sich mit tiefgründigen und gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt.

von VANESSA MUSZARSKY

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Fantastische Satire eines Misanthropen

Jonathan Swift: Gullivers Reisen. Cover: Manesse

Ein satirisches Werk als Generalabrechnung mit seinen Landsleuten, religiösen Streitereien und der menschlichen Selbstsucht inklusive mangelnder Empathie – harter Tobak für ein Werk, das vielen heutzutage lediglich als Kinderbuch in Erinnerung geblieben ist. Gelungen ist dieses Kunststück Jonathan Swift mit der Kreation von pseudoutopischen und dystopischen Welten, in der er seiner Fantasie – und seiner Wortgewalt – freien Lauf lässt und so Alt und Jung mit seinem Werk Gullivers Reisen seit Jahrhunderten begeistert, welches nun als Jubiläumsausgabe zum 350. Geburtstag Swifts erschienen ist.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Hummel und Orchidee

"Die Franzosen" bei der Ruhrtriennale Foto: Tal Bitton

„Die Franzosen“ bei der Ruhrtriennale Foto: Tal Bitton

Proust bei der Ruhrtriennale! „Nichts hätte selbstloser und beseligender sein können als die Träume, die jedes angekündigte Stück meiner Einbildungskraft schenkte und die für mich ihre Würze durch die Bilder erhielten, die sich unweigerlich gleichzeitig mit den Worten einstellten […].“ (Proust)
Krzystof Warlikowski versucht sich mit Die Franzosen an einem Stück Weltliteratur. Doch was bleibt vom Jahrhundertroman?

von KATJA PAPIOREK Weiterlesen

Eine athermische Erfahrung

Saccomanno_Der Angestellte Cover KiWiVon der Hölle, nicht aus sich herauszukommen, erzählt der in Argentinien berühmte Guillermo Saccomanno (*1948) in seinem Roman Der Angestellte. Doch den großspurigen Ankündigungen von KiWi wird er nicht gerecht. Dafür sorgen mit vereinten Kräften seine entfremdete Sprache und die Nullsummenhandlung.

von FABIAN MAY

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Der Bankrott des Klischees

Jonas Lüscher - Frühling der Barbaren   Cover C.H. BeckJonas Lüscher lässt in seinem Debüt England untergehen und die Gattung der Novelle auferstehen. Traditionell konstruiert, besteht Frühling der Barbaren aus einer Rahmen- und einer Binnenerzählung, geht als Darstellung einer „sich ereigneten unerhörten Begebenheit“ (Goethe) aber nicht über eine stereotype Inszenierung vermeintlicher Ursachen und Folgen eines fiktiven Staatsbankrotts des Vereinigten Königreichs hinaus.

von KATJA PAPIOREK

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