„Hier endet das Menschlichsein, und damit das Menschsein“

Ljuba Arnautović: Julischnee; Cover: Hanser Verlag

In Junischnee thematisiert Ljuba Arnautović das abrupte Ende ihrer eigenen Kindheit durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs und dessen Schrecken. Nüchtern berichtet sie dabei vom Werdegang ihres Vaters und der von den Grauen überschatteten Beziehung ihrer Eltern. Als Leser fragt man sich: Wie konnte eine Ideologie das Leben und die Zukunft so vieler Menschen in kürzester Zeit unumkehrbar verändern und welche Gefühle muss dieses langjährige Geschehen ausgelöst haben?

von SELINA WAHLEN

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„Kämpfen, trotz allem.“

Marco Balzano: Ich bleibe hier; Diogenes

Mit seinem Roman Resto qui gewann Marco Balzano bereits 2018 den Premio Asti d’Appello und 2019 sowohl den Prix Méditerranée étranger als auch den Premio Bagutta. Verdienterweise – denn Balzano gelingt es, mit einfacher Sprache und der Erschaffung einer spannenden Protagonistin das komplexe Schicksal eines gesamten Dorfes zu erzählen. Seit Sommer 2020 ist der Roman nun auch in deutscher Übersetzung unter dem Titel Ich bleibe hier erhältlich. Einzig wer einen ausführlichen Einbezug der übergeordneten historischen Geschehnisse in die Geschichte erwartet, wird wohl eher enttäuscht.

von REEMDA HAHN

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Die Redaktion empfiehlt…

Mit 2020 liegt ein äußerst bewegtes Jahr hinter uns. COVID-19 hat unseren Alltag auf den Kopf gestellt. Auch für 2021 werden durch die Pandemie notwendig gewordene Einschränkungen unseren Alltag langfristig bestimmen. Zugleich gibt es jedoch einen Hoffnungsschimmer am Horizont mit den zugelassenen mRNA-Impfstoffen, sodass vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft eine Normalisierung unseres Lebens beginnen kann. Doch ist da ja noch der Lockdown, dessen Verlängerung immer wahrscheinlicher scheint. Um die Zeit zu Hause ein wenig vergnüglicher zu machen, hat sich unsere Redaktion deshalb einige Empfehlungen für diese aufregende Zeit einfallen lassen. Wir wünschen Euch einen angenehmen Start in das neue Jahr, beste Gesundheit und natürlich viel Vergnügen bei der Lektüre!

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Der märchenhafte Funke-Flow

Cornelia Funke und Guillermo del Toro: Das Labyrinth des Fauns; Fischer

Cornelia Funke ist als Jugendbuchautorin über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt und erfolgreich. Gemeinsam mit Regisseur Guillermo del Toro präsentiert sie mit Das Labyrinth des Fauns das Pendant zu dessen gleichnamigem Film aus dem Jahr 2006. Ofelias fantastischer Welt gelingt es in Buchform noch viel besser, den Leser auf die Reise in eine ferne Welt zu entführen.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

„So spendet Segen noch immer die Hand“

Friedrich Christian Delius: Die Birnen von Ribbeck; Rowohlt

30 Jahre ist es schon her, dass die Berliner Mauer geöffnet wurde. Anhand des beschaulichen Dörfchens Ribbeck im Havelland und Theodor Fontanes bekannter Ballade porträtiert Friedrich Christian Delius 100 Jahre deutscher Geschichte. Ein wahrer Wortschwall ergießt sich so aus dem vielstimmigen Kreis der DDR-Bürger, deren Erinnerungen zwischen Erleichterung und Vorfreude respektive Resignation und Angst vor der Zukunft changieren.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Musik der Geschichte / Geschichte der Musik

"The Rest is Noise" in Dortmund im Rahmen der Ruhrtriennale Foto: Christoph Sebastian

„The Rest is Noise“ in Dortmund im Rahmen der Ruhrtriennale Foto: Christoph Sebastian

Auch wenn die eigentliche Spielzeit der aktuellen Ruhrtriennale schon vergangen ist, lockt ihr Programm weiterhin ins Theater: Im Rahmen des Kunstfestivals kooperieren erstmalig sechs Theaterhäuser des Ruhrgebiets, um Alex Rossʼ The Rest is Noise zum Besten zu geben. Nach Stationen in Essen und Moers im letzten Jahr fand der dritte Teil der Lesereihe nun im Schauspiel Dortmund statt und überzeugte mit hervorragenden Musikern und einem gut aufgelegten Ensemble.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Dem Nazi in den Kopf geschaut

Tote Zonen von Simon PasternakLange Zeit galt es als Tabu, einen Roman über den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive der Täter zu schreiben. Mit Tote Zonen präsentiert der dänische Autor Simon Pasternak einen der wenigen deutschen Täter-Ich-Erzähler, der 1943 als Polizist die Verbrechen an Juden, Partisanen und der weißrussischen Bevölkerung miterlebt. Die Suche nach dem Mörder eines hohen SS-Tiers und nach Raubgold machen ihm aber wesentlich mehr zu schaffen.

von GREGOR J. REHMER Weiterlesen

Eine Hochzeit und zig Todesfälle

"Leas Hochzeit" am Schauspielhaus Bochum Foto: Hans Jürgen LandesNein, ganz so makaber geht es in Leas Hochzeit nicht zur Sache. Doch Judith Herzbergs Stück thematisiert den Holocaust und die Folgen für die Überlebenden auf bitterböse und doch erstaunlich leichtfüßige Art und Weise. Regisseur Eric de Vroedt zeigt nun in seiner Inszenierung in den Bochumer Kammerspielen Figuren, die zwischen Verdrängung und Verarbeitung changieren und denen es nur schwerlich gelingt, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Verfall einer Familie „Bayrische Art“

Der erste Roman des Schauspielers Josef Bierbichler wird als Epos über Krieg, Zerstörung und Familie beworben – allerdings wäre hier weniger wohl mehr gewesen.

von ANNE REUS

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