Agatha Christie, Queen of Crime

Agatha Christie (1890–1976); Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

Sie gilt als die meistgelesene und -verlegte Schriftstellerin aller Zeiten, übertroffen wird sie nur von der Bibel und William Shakespeare – Grund genug, über Agatha Christie zu sprechen. Doch nicht nur ihr Werk, auch ihre Biografie ist einen Blick wert. Denn die ist für eine Frau, die im späten 19. Jahrhundert auf die Welt kam, mindestens als ungewöhnlich zu bezeichnen. Ihren Beinamen Queen of Crime verdankt sie den insgesamt 66 Kriminalromanen, die sie im Laufe ihres Lebens verfasst hat. Doch Christie konnte nicht nur Krimi – sie veröffentlichte auch zahlreiche Kurzgeschichten und Theaterstücke.

von REEMDA HAHN 

Agatha Mary Clarissa Miller kommt am 15. September 1890 in Torquay, England, als Tochter eines wohlhabenden amerikanischen Händlers und einer Engländerin zur Welt. Früh entdeckt sie Literatur und Sprachen für sich, mit fünf Jahren bringt sie sich selbst das Lesen bei, später Französisch. Als ihr Vater stirbt, ist sie elf und hat gerade ihr erstes Gedicht veröffentlicht. Die Familie muss fortan mit finanziellen Problemen kämpfen. Später beginnt Agatha ein Musikstudium in Paris, bricht dieses jedoch mit Beginn des Ersten Weltkriegs ab. Stattdessen arbeitet sie freiwillig in einem Krankenhaus, in dem sie sich viel Wissen für ihre späteren Detektivromane aneignet, so zum Beispiel den Umgang mit Gift. Zu dieser Zeit heiratet sie auch den Piloten Archie Christie. Nach dem Krieg wird ihre gemeinsame Tochter Rosalind geboren. Agatha und Archie reisen viel, unter anderem auch nach Kapstadt, wo Agatha als erste britische Frau im Stehen surft. 1920 erscheint ihr erster Kriminalroman, The Mysterious Affair at Styles mit der belgischen Ermittlerfigur Hercule Poirot. Privat hat es Christie in den Zwanzigern nicht leicht: Ihre Mutter stirbt und Archie hat eine Affäre. Nach einem Streit läuft Agatha weg und bleibt für elf Tage verschwunden, bis sie im Rahmen einer aufsehenerregenden Suchaktion, an der sich auch Sir Arthur Conan Doyle beteiligt, gefunden wird. Agatha Christie kommt in psychische Behandlung, die Ehe wird geschieden. Sie zieht auf die Kanaren und reist 1928 zur Erholung spontan – eigentlich wollte sie in die Karibik – mit dem Orient Express nach Bagdad. Auf ihrer Reise lernt sie den 14 Jahre jüngeren Archäologen Max Mallowan kennen, den sie ein Jahr später heiratet. Auf den Reisepapieren für ihre gemeinsame Hochzeitsreise macht sie sich prompt ein wenig jünger. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs arbeitet Christie erneut in einem Krankenhaus. Nach dem Krieg konzentriert sie sich vollkommen auf das Schreiben, während sie ihren Ehemann auf zahlreiche Reisen begleitet. 1971 wird sie von Königin Elizabeth II. in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie stirbt am 12. Januar 1976 in Wallingford, Oxfordshire an einem Schlaganfall.

„People should be interested in books, not their authors.” (Agatha Christie)

Ob Agatha Christie unsere Portrait-Reihe gefallen hätte, mag ungeklärt bleiben. Sicher ist aber, dass ihr Werk das Genre der Kriminalliteratur stark geprägt hat. 1926 gelingt ihr mit dem Hercule Poirot-Roman The Murder of Rodger Ackroyd der endgültige Durchbruch. Neben ihren weniger bekannten Figuren wie Inspektor Battle, Tommy and Tuppence und der Kriminalautorin Mrs. Oliver, ihrem literarischen Alter Ego, wird vor allem die Figur der schrulligen Miss Marple weltberühmt. Der erste Fall mit der gewitzten und neugierigen Detektivin erscheint 1930 unter dem Titel The Murder at the Vicarage, zwölf weitere Romane und einige Kurzgeschichten folgen. Die Romane sind so beliebt, dass viele davon – genauso wie einige Fälle Poirots – verfilmt werden. Die eingängige Titelmelodie der Miss Marple-Filme komponiert Ron Goodwin im Jahr 1961. Abgesehen von Kriminal- und auch einigen Liebesromanen schreibt Agatha Christie auch Bühnenstücke – und ist hiermit ein weiteres Mal ausgesprochen erfolgreich: Ihr bekanntestes Stück, The Mousetrap, wurde vom 25. November 1952 bis zum 16. März 2020 täglich im Londoner West End gespielt und ist damit das am längsten ohne Unterbrechung aufgeführte Bühnenstück der Welt. Und es bleibt nicht bei diesem Rekord: Mit 7236 Übersetzungen ihrer Werke gilt Christie seit 2017 offiziell als meistübersetzte Autorin der Welt; ihr Roman And Then There Were None (1939) ist bis heute der meistverkaufte Kriminalroman überhaupt. Es gibt also wohl kaum eine Autorin, deren Werke sich für eine gemütliche britische Teestunde besser eignen.

Leseempfehlung:

Miss Marples zweiter Fall. Nicht einer der bekanntesten Christie-Romane, aber auch gerade deswegen lesenswert (und darüber hinaus auch wunderbar verfilmt):

Agatha Christie: The Body in the Library. A Miss Marple Mystery.

Harper Collins, 224 Seiten

Preis: 15,99 Euro

ISBN: 9780063214019

Agatha Christie: Die Tote in der Bibliothek. Ein Fall für Miss Marple.

Aus dem Englischen von Barbara Heller

Atlantik Verlag, 208 Seiten

Preis: 12,00 Euro

ISBN: 9783455650051

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