Hacker oder Beherrschte?

Pola Oloixarac - Kryptozän Cover: Verlag Klaus Wagenbach

Pola Oloixarac – Kryptozän Cover: Verlag Klaus Wagenbach

Es scheint, als ob trotz wiederholter Hackerangriffe, Wikileaks-Skandale und Geheimdienstenthüllungen noch immer kein umfassendes Bewusstsein über die Überwachung, die unser alltägliches Leben durchdringt, besteht. Mag es daran liegen, dass schlicht die wenigsten verstehen, was hinter den zahlreichen Bildschirmen passiert, die uns umgeben? Wissen wir überhaupt, wie es so weit gekommen ist? Oder ist das Problem noch einfacher: Sind Hacker und ihre Geschichten einfach nicht sexy genug? Mit Kryptozän legt Pola Oloixarac eine Geschichte des Netzes und seiner Akteure vor, die Sicherheit(en) umfassend infrage zu stellen vermag.

von SOLVEJG NITZKE Weiterlesen

Die Tragik des verfluchten Clowns

Verdis "Rigoletto" im Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Verdis „Rigoletto“ im Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Der Horror-Clown hat nicht nur einen Weg aus den USA nach Europa, sondern auch ins Ruhrgebiet gefunden: Mit Verdis Rigoletto sind auf der Bühne des Essener Aalto-Theaters eine Menge maskierter Fratzen zu sehen und verzerren das Bild des einst harmlosen Spaßmachers. Regisseur Frank Hilbrich zeigt eine größtenteils gelungene Kombination aus der Tragik einer ‚self-fulfilling prophecy‘, Horrormotiven sowie klugen Metaebenen – und eine Menge Luftballons.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Von Junkies, Stalkern und Betrügern

cover_waldis_marktplatz-der-heimlichkeiten_piperMarktplatz der Heimlichkeiten ist weniger ein Roman als eine Sammlung von Porträts, die dem Leser wie bei einem Museumsrundgang begegnen. Die Menschen auf den Gemälden sind sehr verschieden, und doch haben alle zwei Dinge gemeinsam: Sie arbeiten für ein großes schweizerisches Medienunternehmen – und sie hüten ein Geheimnis. Niemand führt das Leben, das er vor Kollegen, Vorgesetzten oder Untergebenen präsentiert. Angelika Waldis zeigt Abgründe hinter mühsam errichteten Fassaden und beschreibt ihre Figuren so virtuos, dass der rote Faden der Handlung zwischen den Seiten verloren zu gehen droht.

von ANNA BREIDENBACH Weiterlesen

Unterhaltsame Relevanz im Operettengewand

"Die Blume von Hawaii" an der Oper Dortmund   Foto: Björn Hickmann, Stage Picture

„Die Blume von Hawaii“ an der Oper Dortmund Foto: Björn Hickmann, Stage Picture

Wie schön muss es sein, in einer Operettenwelt zu leben? Man umgibt sich mit fröhlichen und herzzerreißenden Melodien, alles ist bunt und glitzert, und man beschäftigt sich den ganzen Tag mit verwirrenden Liebesdreiecken und vielen Happy Endings. Die Oper Dortmund versucht nun, den Besuchern einen Einblick in ebendiese, vordergründig rein fröhliche, Operettenwelt zu geben und zeigt Paul Abrahams Die Blume von Hawaii. Während Spaß, Goldregen und Showtreppen den Hauptteil des Abends einnehmen, überraschen die Dortmunder doch auch immer wieder mit erstaunlich tiefgreifenden und nachdenklichen Szenen und bieten so einen Operetten-Abend, der abwechslungsreicher kaum sein könnte.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Barock vor „Game of Thrones“-Kulisse

Händels "Alcina" am Theater Münster Foto: Oliver Berg

Händels „Alcina“ am Theater Münster Foto: Oliver Berg

Opern- und Musicalregisseur Sebastian Ritschel inszeniert am Theater Münster Georg Friedrich Händels Alcina und eröffnet damit die „Tage alter Musik“. Während die Bühne mit so mancher effektvollen Überraschung aufwartet, bleibt das musikalische Geschehen aber trotz des beherzten Dirigats Attilio Cremonesis auf einem mittleren Niveau.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Liebe Kinder, wer nicht faul ist, kann nichts schaffen!

"Die Abenteuer des starken Wanja" im Ringlokschuppen Ruhr Foto: Stephan Glagla

„Die Abenteuer des starken Wanja“ im Ringlokschuppen Ruhr Foto: Stephan Glagla

Die neueste Inszenierung von vorschlag:hammer in Kooperation mit dem Ringlokschuppen Ruhr widmet sich, wenn auch nicht ausschließlich, den Kleinsten unter uns. Mit Witz, Fantasie und am Ende gar einem Fünkchen Bürokratie ist Otfried Preußlers Die Abenteuer des starken Wanja nicht nur ein gelungenes Familienstück, sondern auch eine Kampfansage an den Arbeitszwang und Leistungsdruck unserer Zeit.

von SILVANA MAMMONE Weiterlesen

Mein lieber Schwan!

Wagners "Lohengrin" am Essener Aalto-Theater Foto: Forster

Wagners „Lohengrin“ am Essener Aalto-Theater Foto: Forster

„Nie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen, woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam‘ und Art.“ Nein, das Essener Aalto-Theater hat in dieser Spielzeit keine Vertonung der Grimmʼschen Rumpelstilzchen-Geschichte im Programm. Jedenfalls nicht direkt. Dieses zentrale Zitat stammt aus Richard Wagners Oper Lohengrin, die seit Anfang Dezember das Essener Publikum spaltet.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

So hip kann man gar nicht sein: Thomas Meinecke legt „Selbst“ auf

Thomas Meinecke - Selbst Cover: Suhrkamp

Thomas Meinecke – Selbst Cover: Suhrkamp

Im „verwilderten Gestrüpp neben dem Hintereingang zum Institut für vergleichende Irrelevanz“ ereignen sich Dates zwischen Menschen, die offensiv mit ihrer geschlechtlichen Identität spielen: Das ist Programm, aber ist es mehr?

von STEPHANIE HEIMGARTNER Weiterlesen

Befreiung aus dem Gefängnis des Geistes

Hubert Dreyfus und Charles Taylor - Die Wiedergewinnung des Realismus Cover: Suhrkamp

Mit ihrem Gemeinschaftswerk Die Wiedergewinnung des Realismus mischen sich zwei der bedeutendsten Philosophen unserer Tage, Hubert Dreyfus und Charles Taylor, in die Debatte um das gegenwärtige Wiederaufleben des Realismus – oder sollte man besser sagen: der Realismen ? – ein. Ihr Buch gehört zweifellos zu dem Besten, was man zu diesem Thema lesen kann.

von BERNHARD STRICKER Weiterlesen

„Gib alles was du hast auf deine Zunge“

COVER_Sebastian_23_Hinfallen_LektoraHinfallen ist wie Anlehnen, nur später, ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, Gedichten und allem, was sich dazwischen bewegt. Sebastian 23, einer der bekanntesten Poetry Slammer Deutschlands, entzieht sich als Poet, Gesellschaftskritiker und Kabarettist jeglicher Einordnung. Sein Buch kann wie eine Tragikomödie über diese Welt gelesen werden: In den lustigen, ernsten, häufig ironischen Texten blickt der Leser auf die Gegenwart wie durch ein Kaleidoskop und entdeckt ihre schillerndsten Farben.

von ANNA BREIDENBACH Weiterlesen