Menschsein auf Koreanisch

Ahn In-Kyoung (Hrsg.): Gefährliche Lektüre – 11 Kurzgeschichten aus Korea; Cover: Iudicium Verlag

Reisen bildet. Lesen auch. Wer seine Welt bereichern und wachsen will, der muss lernen, dass es mehr als einen Blickwinkel gibt. Mit Gefährliche Lektüre bekommen Leser:innen Betrachtungsweisen aus der Feder ausgezeichneter koreanischer Autor:innen präsentiert, die so vielfältig sind, wie die Genres, derer sie sich bedienen. Doch wer erwartet, das Andere im Land zu finden, hat weit gefehlt.

von MEIKE WINKLER

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Groteske Eleganz

Yukiko Motoya: Die einsame Bodybuilderin; Cover: Blumenbar Verlag

Yukiko Motoya spielt in ihrer Kurzgeschichtensammlung Die einsame Bodybuilderin mit dem uns allen bekannten Alltag und verzerrt ihn ins Surreale. Wer Außergewöhnliches sucht und in eine neue Welt eintauchen will, sich aber gleichzeitig vom Altbekannten nicht lösen kann, der wird in der uns vertraut scheinenden, aber gleichzeitig so absurd wirkenden Welt Motoyas fündig.

von CELINA FARKEN

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Tod mit Vorwarnung

Adam Silvera: Am Ende sterben wir sowieso; Cover: Arctis Verlag

Mateo und Rufus wissen, dass heute ihr letzter Tag sein wird – denn der Death Cast ruft beide mit der düsteren Botschaft an, dass ihr Leben in den nächsten 24 Stunden ein vorzeitiges Ende finden wird. Am Ende sterben wir sowieso behandelt eine brillante Idee, die aus mehreren Perspektiven von Verzweiflung, Liebe und Freundschaft erzählt, dessen volles Potential Autor Adam Silvera aber nicht ausschöpfen kann.

von ISABELLA NAUEN

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Gedärme und abgehackte Hände

David Diop: Nachts ist unser Blut schwarz; Cover: Aufbau Verlag

In Nachts ist unser Blut schwarz erzählt David Diop von einem jungen senegalesischen Soldaten, der für Frankreich im Ersten Weltkrieg kämpft. Die Brutalität des Kriegsalltags und der Tod seines besten Freunds treiben den Protagonisten Alfa Ndiaye in einen Blutrausch, der nicht nur die feindlichen deutschen Soldaten in Angst und Bange versetzt. Der Roman überzeugt besonders durch die bisher wenig beachtete Perspektive eines sogenannten „Senegalschützen“ sowie der Thematisierung der Verknüpfungen zwischen Kolonialismus, Krieg, Gewalt, Wahnsinn und Rassismus. Das tröstet auch über langatmigere Passagen hinweg.

Von CARO KAISER

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Reflex statt Reflexion

Amanda Lasker-Berlin: Iva atmet; Cover: Frankfurter Verlagsanstalt

Als ihr Vater stirbt, taucht eine junge Frau in die Geheimnisse ihrer Familiengeschichte ein, durch die sie in die deutsche Vergangenheit der Völkermorde in der Kolonial- und der NS-Zeit verstrickt ist. Gelingt es der Protagonistin von Iva atmet (2021), sich aus dieser Verstrickung zu befreien? Darauf gibt der Roman von Amanda Lasker-Berlin keine zufriedenstellende Antwort.

von BERNHARD STRICKER

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Frauenleichen zu verkaufen

Yukio Mishima: Leben zu verkaufen; Cover: Kein & Aber Verlag

Mehr als 50 Jahre nach seiner Erscheinung in Japan gibt es nun erstmals eine deutsche Übersetzung von Yukio Mishimas spätem Roman Leben zu verkaufen. Die skurrile Geschichte um einen jungen Mann, der sein Leben an andere Menschen verkauft, bleibt leider unter den Möglichkeiten seiner ungewöhnlichen Prämisse. Außerdem: weibliche Pos.

Von CARO KAISER

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Epische Liebeserklärung ans Heldentum

Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos; Cover: Matthes & Seitz Berlin

Annette, ein Heldinnenepos ist eine in Versen verfasste Biografie der Freiheitskämpferin Anne Beaumanoir. Anne Weber zeigt offen ihre Bewunderung für die Protagonistin, deren real existierendes Vorbild sie als lebendige Heldin verehrt, ohne ihre menschlichen Schwächen auszublenden. Das hat ihr jüngst den Deutschen Buchpreis eingehandelt.

von STEFAN JAKOB

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Über die Spielarten des Lebens

Valeria Parrella: Versprechen kann ich nichts; Cover: Hanser Verlag

Wie würden Sie Ihre Jugend beschreiben? Vielleicht mit dem Gefühl von grenzenloser Freiheit und großem Tatendrang? Mit ihrem zweiten Roman Versprechen kann ich nichts nimmt die italienische Autorin und Dolmetscherin Valeria Parrella den Leser mit hinter die vergitterten Fenster eines Jugendgefängnisses in Neapel und eröffnet tiefe Einblicke in eine paradoxe Gesellschaft und die Mutterliebe zu einem fremden Kind.

von THEOPHIL LAPPE

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Aus dem Süden was Neues

Goran Ferčec: Wunder wird es hier keine geben; Cover: Residenz Verlag

Goran Ferčecs Roman Wunder wird es hier keine geben ist eine dunkle Reflexion des Konflikts im ehemaligen Jugoslawien: Unstimmigkeiten in der Einheit, eine bizarre Resolution und eine unappetitliche Geschichte. Dennoch führt sie am Ende genau dorthin, wo sie hingehört.

von NICK BIBIC

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„Hier endet das Menschlichsein, und damit das Menschsein“

Ljuba Arnautović: Julischnee; Cover: Hanser Verlag

In Junischnee thematisiert Ljuba Arnautović das abrupte Ende ihrer eigenen Kindheit durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs und dessen Schrecken. Nüchtern berichtet sie dabei vom Werdegang ihres Vaters und der von den Grauen überschatteten Beziehung ihrer Eltern. Als Leser fragt man sich: Wie konnte eine Ideologie das Leben und die Zukunft so vieler Menschen in kürzester Zeit unumkehrbar verändern und welche Gefühle muss dieses langjährige Geschehen ausgelöst haben?

von SELINA WAHLEN

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