Im Tal der Wölfe

Goderdsi Tschocheli: Der Scharlachrote Wolf; Cover: Frankfurter Verlagsanstalt

In seinem Roman Der scharlachrote Wolf lässt Goderdsi Tschocheli die Tradition der georgischen Bergdörfer mit dem Studentenleben im modernen Tiflis verschmelzen. Angst, Aberglauben und die Suche nach Geborgenheit sowie dem eigenen Ich treffen aufeinander. Dem Autor gelingt es dabei überwiegend, die vielschichtigen Emotionen seiner Protagonisten, vor allem aber deren enge Verbindung zum folkloristischen Glauben an Werwölfe und andere Fabelwesen, anschaulich darzulegen. 

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

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Eine literarische Reise in den Kohlenpott

Philip Behrendt et al.: Literarische Orte im Ruhrgebiet Cover: Klartext

Die Redaktion der Literaturkarte.Ruhr präsentiert mit den Literarischen Orten im Ruhrgebiet den Beweis dafür, dass das Ruhrgebiet bereits seit Jahrhunderten eine überaus vielseitige literarische Geschichte aufweist. Geknüpft sind die Romane, Gedichte, Dramoletten und sonstigen Textformen an Orte, die sich als Ausflugsziele wunderbar in eine Reihe weiterer Attraktionen der Metropole Ruhr eingliedern. Wer seine Lektüre etwa mit einer Shoppingtour, einem Cafébesuch oder einer ausführlichen Wanderung verbinden möchte, kommt hier garantiert auf seine Kosten.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Machen es wirklich alle so?

"Così fan tutte" am Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

„Così fan tutte“ am Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Essens gegenwärtiger Generalmusikdirektor Tomáš Netopil liebt nicht nur die großen Komponisten seiner tschechischen Heimat, sondern insbesondere auch Mozart. So übernimmt er nach Titus und vor Figaros Hochzeit nun die musikalische Leitung der Neuinszenierung von Così fan tutte. Regie führt der Engländer Stephen Lawless, zum ersten Mal am Aalto-Musiktheater. Er zeichnet diesen heiteren und zugleich bitterernsten Geniestreich aus dem Jahr 1790 als farbenfrohe Referenz ans klassische Bühnendekor.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Wenn die Pikdame ihr Ass ausspielt

"Pique Dame" an der Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

„Pique Dame“ an der Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Die Deutsche Oper am Rhein holt die US-amerikanische Regisseurin Lydia Steier, die im letzten Jahr als erste Frau Mozarts Zauberflöte bei den Salzburger Festspielen inszenierte, nach Düsseldorf, um Pique Dame, die zweitberühmteste Oper von Tschaikowskij, auf die Bühne zu bringen. Entstanden ist ein zwar konventioneller, aber durchweg überzeugender, farbenfroher Musiktheater-Abend mit einigen wenigen Durststrecken.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Schwanengesang eines Mittvierzigers

Michel Houellebecq: Serotonin Cover: DuMont

Michel Houellebecq: Serotonin Cover: DuMont

Vier Jahre nach seinem viel diskutierten, längst für die Bühne und das Fernsehen adaptierten Bestseller Unterwerfung legt der Skandalautor Michel Houellebecq seinen neuen, unerwartet intimen Roman vor: Serotonin. Viel ist im Feuilleton auch über diesen bereits gesagt und geschrieben, sein Autor als genialer „Seismograph“ und „Visionär“ bejubelt worden. Dabei offenbart Serotonin unübersehbare literarische Schwächen, Einfallslosigkeit – und mitunter geistige Blutleere.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Mad World…

"Orest in Mossul" am Schauspielhaus Bochum Foto: Fred Debrock

„Orest in Mossul“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Fred Debrock

International, multimedial und im erschreckend aktuellen Kontext feiert Orest in Mossul Bochumer Premiere am Schauspielhaus. Der preisgekrönte Regisseur Milo Rau versetzt die Motive der antiken Tragödie des Aischylos in das irakische Mossul der Gegenwart. Weltpolitik trifft auf persönliches Schicksal, wenn die Konsequenz der Realität Gewalt ist. Die Schrecklichkeit erscheint in ihrer eigenen Ästhetik und trifft direkt ins Herz.

von JASMIN GIERLING Weiterlesen

Maschinenmenschen im Schönheitswahn

Oskar Panizza: Die Menschenfabrik; Cover: Hoffmann und Campe

Oskar Panizza hat Die Menschenfabrik (1890) noch vor George Orwells 1984 und Aldous Huxleys Brave New World verfasst. Seine Erzählung ist sowohl eine erschreckende Dystopie als auch ein philosophisches Traktat für mehr Menschlichkeit und Ethik in einer auf wirtschaftlichen Erfolg bedachten Welt.

von ALINA WOLSKI

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Die Koexistenz von Religionen

"Die Jüdin von Toledo" am Schauspielhaus Bochum Foto: Jörg Brüggemann / Ostkreuz

„Die Jüdin von Toledo“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Jörg Brüggemann / Ostkreuz

Die Jüdin von Toledo war die Eröffnungspremiere des Schauspielhauses Bochum unter der neuen Intendanz von Johan Simons, welcher auch die Regie bei dieser Inszenierung übernahm. In Koen Tachelets Theaterfassung nach dem Roman von Lion Feuchtwanger zeigt sich ein starkes Ensemble, welches auf reduzierter und abstrakter Bühne den komplexen und komplizierten Dialog dynamisch darzustellen weiß.

von KEVIN WANCKEL Weiterlesen

Vom Leben und Sterben eines stolzen Mannes

Shakespeares "Coriolan" am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Sandra Then

Shakespeares „Coriolan“ am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Sandra Then

Auf der CENTRAL-Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses inszeniert Tilmann Köhler, nachdem im Februar bereits Hamlet Premiere feierte, ein weiteres Shakespeare-Stück: den eher selten gespielten Coriolan. Während die grelle, slapstickverliebte Herangehensweise manches Mal an den Nerven zerrt, begeistert der Abend vor allem mit einem überragenden André Kaczmarczyk in der Titelrolle.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Ich ist ein anderer

"Die Kopien" am ROTTSTR5 Theater Foto: Sophia Remer

„Die Kopien“ am ROTTSTR5 Theater Foto: Sophia Remer

Constanze Hörlin inszeniert Caryl Churchill am ROTTSTR5 Theater in Bochum. Die Kopien thematisiert aktuelle Fragen nach Identität und Austauschbarkeit und ist doch in seiner Zeit verhaftet. Die Inszenierung vermag jedoch nicht über die Oberflächlichkeit des Textes hinwegzutäuschen.

von MORITZ MÜLLER Weiterlesen