Sex und Sühne

Nino Haratischwili – Die Katze und der General Cover: Frankfurter Verlagsanstalt

Nino Haratischwili gelingt es, das bewegende Schicksal einer vergewaltigten und ermordeten Tschetschenin zu den zwei Fragen verkommen zu lassen, wer mit wem in die Kiste hüpft und wann endlich mal Tacheles geredet wird.  Die hölzern wirkenden Figuren drucksen mehrheitlich um den heißen Brei herum. Übrig bleibt der perfekte Roman – für jeden, der sich an plumper Unterhaltungslektüre ergötzen kann.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

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Ein Kinderspiel mit dem Zitate-Mosaik

María Cecilia Barbetta – Nachtleuchten Cover: S. Fischer

María Cecilia Barbettas Nachtleuchten ist wohl der Traum eines jeden Literaturwissenschaftlers. Die argentinisch-deutsche Autorin kombiniert autoreferenzielle und intertextuelle Bezüge zu einem Textgewebe, welches aus unzähligen roten Fäden gleich einen ganzen roten Teppich entstehen lässt. Dabei spielt sie gekonnt mit Wörtern, den Möglichkeiten eines veränderbaren Schriftbildes und auf inhaltlicher Ebene mit grausam-grotesken Anwandlungen eines Landes zwischen Diktatur und Demokratie.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Die Federn des Bösen

Susanne Röckel – Der Vogelgott Cover: Jung und Jung

Susanne Röckel entführt ihre Leser in die Abgründe des menschlichen Verstandes. Durch die Entdeckung eines naturvölkischen Glaubens gerät Familie Weyde in den Sog des Schrecklichen – von Erzählungen und Darstellungen eines mysteriösen Vogelgottes sind sie ebenso fasziniert wie abgestoßen. Dabei sehen sich die Figuren einer feindlichen Umwelt ausgesetzt, deren Atmosphäre Röckel sprachlich auf faszinierende Weise ausstaffiert. Der Vogelgott: ein Schauerroman mit einer Familie zwischen Genie und Wahnsinn.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Am Anfang war das Ende

Inger-Maria Mahlke – Archipel Cover: Rowohlt

Inger-Maria Mahlke widmet sich in Archipel einhundert ereignisreichen Jahren dreier Familien auf dem spanischen Eiland Teneriffa. Das interessante Konzept einer in der Zeit zurückwandernden Erzählung krankt jedoch an einer zu großen Anzahl verschiedener Handlungsstränge, die inhaltlich schlichtweg uninteressant sind und sich in offenen Enden verlieren. Dabei stolpert die Autorin über sprachliche Unzulänglichkeiten, während die wechselhafte spanische Geschichte zum bloßen Hintergrundgeräusch verkommt.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Mutter mit Axt sucht Vorort mit Charme

Emily Ruskovich – Idaho Cover: Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag

Drei amerikanische Familienromane mit den Müttern im Zentrum: Emily Ruskovichs „Idaho“, Brit Bennetts „Die Mütter“ und Celeste Ngs „Kleine Feuer überall“. Alle drei Bücher handeln vom Leben in Familien, aber auch vom Ausbrechen aus familiären Strukturen. Sie fragen danach, wie viele und welche Menschen es zwingend braucht, um überhaupt Familie zu sein. Die Grundthemen der Bücher gleichen sich also, aber die Romane sind von ganz unterschiedlicher Qualität.

von SIMONE SAUER-KRETSCHMER Weiterlesen

Sechs Kosmopoliten suchen einen Mörder

Maxim Biller – Sechs Koffer Cover: Kiepenheuer & Witsch

Sechs Koffer ist wahrlich alles andere als Unterhaltungslektüre. Das Vermächtnis des Großvaters Schmihl und die Widerfahrnisse der Familie Biller auf dem Weg aus Prag in den Westen zeichnen das Porträt einer nicht gerade sympathischen Familie, die den teils lebensbedrohlichen Schikanen des Kommunismus zu entrinnen sucht. Mit seinem direkten – man ist dazu verleitet zu sagen: beinahe ordinären – Sprachstil bewegt sich Maxim Biller irgendwo zwischen Krimi, Agententhriller und Familientragödie.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Schwarze Diamanten und weißer Tod

Ralf Piorr (Hg.) – Die Männervon Luise Cover: Klartext

Das Erlebnis der Arbeit unter Tage ist im „Pott“ hinlänglich bekannt – doch die Schattenseiten des Bergmannslebens bleiben oft unerzählt. Ralf Piorrs Wiederentdeckung der anonymen Erzählung Die Männer von Luise überzeugt nicht durch sein ästhetisches Potenzial oder die Poetik des Autors, sondern durch die harte Realität der Kohlenförderung. Von einem, der sich „die Trauer und die Wut von der Seele geschrieben“ hat.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Jeder Champignon eine Prosaminiatur

Jean-Philippe Delhomme – Die Sache mit der Literatur Cover: liebeskind

Was denkt sich wohl ein Autor? Ein Problem, mit dem sich zahlreiche Leser auseinandersetzen – ebenso wie Jean-Philippe Delhomme. Seine Cartoons, stets mit einer in Ich-Form verfassten Bildunterschrift versehen, präsentieren humorvoll selbstverliebte Autoren, rücksichtslose Kritiker und genervte Journalisten. Ein Bildband mit kleinem Schönheitsfehler.

von THOMAS STÖCK

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Eine Nische den deutschsprachigen Dialekten!

Kurt Marti: wo chiemte mer hi? sämtlechi gedicht ir bärner umgangsschprach Cover: Nagel & Kimche

Ein Jahr nach Kurt Martis Tod ist mit wo chiemte mer hi? die erste vollständige umgangssprachliche Gedichtsammlung des Berners erschienen. Moderne Lyrik in Mundart: Dieses Projekt kommt einer kleinen Revolution der Schweizer Literaturszene gleich – und trifft über 50 Jahre nach seiner ersten Publikation zumindest sprachlich nach wie vor den Zahn der Zeit.

von THOMAS STÖCK

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Das große Murakami-Bingo Teil 2

Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore - Eine Metapher wandelt sich Cover: Dumont

Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore – Eine Metapher wandelt sich Cover: Dumont

Nachdem der erste Band bereits Anfang des Jahres erschienen ist, ist seit Mitte April auch der zweite und letzte Band von Haruki Murakamis Künstlerroman Die Ermordung des Commendatore auf Deutsch erhältlich. Böse Zungen würden behaupten, dass das auch das Einzige ist, was sich über den zweiten Band sagen lässt. Das ist nicht ganz richtig. Allerdings stimmt es, dass die Erzählung den Schwung aus seinem Vorgängerband nicht aufrechterhalten kann.

von CARO KAISER Weiterlesen