Kerzenlicht im Nebelmeer

COVER_Ada Dorian_Betrunkene Bäume_UllsteinBetrunkene Bäume führt seine Leser auf eine Reise ins Dunkle. Die Figuren geben wenig von sich preis, Ort und Zeit scheinen zu verschwimmen. Gerade wenn man meint, man durchblicke das Geflecht an Beziehungen, wartet am Ende der Seite eine neuerliche Überraschung. Doch mit dem Lüften des Schleiers verliert Ada Dorians Erzählung auch ihren Charme – gerade das Ende enttäuscht und wirft die Frage auf, ob die gesamte Geschichte nicht mehr als eine Nebelkerze ist.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

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Menschen, die Pech hatten

COVER_Leonie Ossowski_Weckels Angst_PiperEin Jugendlicher bemerkt in der Strafanstalt, dass sein Leben keinen Sinn ergibt, weigert sich zum ersten Mal seine Zellenmitbewohner oral zu befriedigen, wird von ihnen so schikaniert, dass er ineinander gehackte Nadeln schluckt und stirbt. Dieser Jugendlicher ist Weckel und der Titelheld von Leonie Ossowski Weckels Angst. Mannheimer Erzählungen. Seine Geschichte sowie jene von sieben seiner Bekannten werden so individuell und detailreich beschrieben, dass es unmöglich wird, die Figuren in die Schublade „jugendliche Straftäter“ zu stecken.

von CAROLINE KÖNIGS Weiterlesen

Weiblich, arbeitslos, Eigenbrötler sucht: männlich, reich, adlig

COVER_Sevgi Soysal_Tante Rosa_BinookiSevgi Soysals Erzählband Tante Rosa von 1968 über eine exzentrische und anachronistisch selbstbestimmte Frau im Süden Nachkriegsdeutschlands ist in einer Neuübersetzung und –auflage im Binooki-Verlag erschienen. Ein Text der zeigt, dass auch weibliche Figuren Material für eine Ein-Mann-Show hergeben. 

Von CAROLIN KAISER Weiterlesen

Die Beatles als Bindeglied zwischen Generationen

COVER_Peter Smith_Sam, die Beatles und ich_Kiepenheuer & WitschEs ist ein Buch über eine Band, die jedem ein Begriff ist, egal, ob er sie schon in seiner Jugend gehört hat, oder erst Jahrzehnte später geboren wurde. Aber der Roman Sam, die Beatles und ich. Wie ich das Herz meines Sohnes gewann von Peter Smith ist nicht nur ein Buch über die Beatles, sondern beschäftigt sich, wie schon der Titel verrät, vielmehr mit der Beziehung zwischen Vater und Sohn. Peter Smith, der mit der Musik der Beatles aufgewachsen ist, erlebt die Faszination der vier Liverpooler nun gemeinsam mit seinem siebenjährigen Sohn ganz neu.

Von ANNA LENA KNIEPER Weiterlesen

Vater sein, Kind sein – glücklich sein

Liebesgeschichte mal anders: Jochen Schmidts Zuckersand ist eine bittersüße Liebeserklärung eines Vaters an den Sohn. Mit skurrilen Marotten und einer wehmütigen Melancholie um die eigene Kindheit nimmt Schmidt seine Leser mit auf eine Expedition zur Erforschung des Alltags mit Kind.

von ELISA TINNAPPEL Weiterlesen

Blick in den Kopf der Kanzlerin

Man kennt sie reserviert, besonnen und neutral. Ihre Markenzeichen sind einfarbige Hosenanzüge und „die Raute“, lange hinausgezögerte Entscheidungen und interpretationsoffene Reden. Wie aber könnte es hinter dieser Fassade aussehen? Was geht der Kanzlerin durch den Kopf, während sie den Staatschefs ferner Länder die Hände schüttelt und Kindergärten besucht? Wie kam es zu ihrer Entscheidung, die Grenzen zu öffnen und zu sagen „Wir schaffen das“? Und was haben die darauffolgenden Anfeindungen mit ihr gemacht? Der Journalist und Autor Konstantin Richter wagt  in seinem Buch Die Kanzlerin. Eine Fiktion eine Antwort auf diese Fragen.

Von HANNAH SCHMIDT Weiterlesen

Das Scheitern der digitalisierten Menschwerdung

COVER_Schönthaler_Vor Anbruch der Morgenröte_Matthes&SeitzIn seinem Erzählband Vor Anbruch der Morgenröte erschafft Philipp Schönthaler eine Gesellschaft, in der die Menschen durch mangelnde Empfindsamkeit füreinander und durch das gleichzeitige Bedürfnis nach der Aufmerksamkeit anderer vereinsamen. Die Parallelität von nahender und bereits stattfindender Dystopie führt vor Augen, wie weit es mit unserer eigenen Gesellschaft bereits gekommen ist. Und während des Lesens ertappt man sich bei der Frage: Bin das ich?

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Liberalismus ist Konservativismus?

Diana Kinnert - Für die Zukunft seh' ich schwarz Cover: Rowohlt

Diana Kinnert – Für die Zukunft seh‘ ich schwarz Cover: Rowohlt

Diana Kinnert entwickelt in Für die Zukunft seh´ ich schwarz die Idee eines modernen Konservatismus. Dabei geht es der Autorin nicht um Werbung für ihre Partei, die CDU. Vielmehr fordert sie in ihrem Plädoyer eine gesellschaftliche Grundhaltung der Innovation und Liberalität – und ermuntert zum Einstieg in die politische Debatte.

von ANNA BREIDENBACH Weiterlesen

Im Griff der Filmindustrie

F. Scott Fitzgerald - Für Dich würde ich sterben Cover: Hoffmann und Campe

F. Scott Fitzgerald – Für Dich würde ich sterben Cover: Hoffmann und Campe

F. Scott Fitzgerald verbrauchte sich in jeglicher Hinsicht: emotional an der Liebe zu seiner Frau Zelda, schriftstellerisch an seinen erzählerischen Auftragsarbeiten und gesundheitlich an seiner Trunksucht, die in einem tödlichen Herzinfarkt resultierte. Trotz seiner Exzesse hinterließ er fünf Romane und über 160 Erzählungen, ein literarisches Reservoir, das einige der wichtigsten Werke des 20. Jahrhunderts enthält. Nun erschienen bei Hoffmann und Campe größtenteils noch unveröffentlichte Erzählungen in dem Band Für dich würde ich sterben, der ein neues Licht auf den Autor der Lost Generation und sein Schaffen Ende der 1930er Jahre wirft. Er zeigt, dass Fitzgerald aus seinem Leben schöpfte wie bisher, und dass er zu wesentlich mehr in der Lage gewesen wäre, als diese Erzählungen es suggerieren mögen.

von JONAS PODLECKI Weiterlesen

„Das hier ist die neue Welt“

Fiston Mwanza Mujila - Tram 83 Cover: Zsolnay

Fiston Mwanza Mujila – Tram 83 Cover: Zsolnay

In seinem für den Man Booker Prize nominierten Debütroman Tram 83 entwirft der in Graz lebende kongolesische Autor Fiston Mwanza Mujila ein sprachgewaltiges, modernes Sodom. Nun wurde der bereits 2014 erschienene Roman vom Französischen ins Deutsche übertragen.

von LEONARD MERKES Weiterlesen