Vom Gedächtnis in der Kunst

In Werk ohne Autor erzählt Florian Henckel von Donnersmarck – angereichert um fiktionale Elemente – einen Ausschnitt aus Gerhard Richters Biografie. Die Erfahrungen von Nationalsozialismus, Kommunismus und dem proklamierten Tod der Malerei führen den Protagonisten Kurt Barnert zu sich selbst. Donnersmarcks Blick auf Kunst und Erinnerung wertet dabei die streckenweise pathetische Erzählung von Kurts Familienschicksal auf.

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Am Anfang war das Ende

Inger-Maria Mahlke – Archipel Cover: Rowohlt

Inger-Maria Mahlke widmet sich in Archipel einhundert ereignisreichen Jahren dreier Familien auf dem spanischen Eiland Teneriffa. Das interessante Konzept einer in der Zeit zurückwandernden Erzählung krankt jedoch an einer zu großen Anzahl verschiedener Handlungsstränge, die inhaltlich schlichtweg uninteressant sind und sich in offenen Enden verlieren. Dabei stolpert die Autorin über sprachliche Unzulänglichkeiten, während die wechselhafte spanische Geschichte zum bloßen Hintergrundgeräusch verkommt.

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Mutter mit Axt sucht Vorort mit Charme

Emily Ruskovich – Idaho Cover: Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag

Drei amerikanische Familienromane mit den Müttern im Zentrum: Emily Ruskovichs „Idaho“, Brit Bennetts „Die Mütter“ und Celeste Ngs „Kleine Feuer überall“. Alle drei Bücher handeln vom Leben in Familien, aber auch vom Ausbrechen aus familiären Strukturen. Sie fragen danach, wie viele und welche Menschen es zwingend braucht, um überhaupt Familie zu sein. Die Grundthemen der Bücher gleichen sich also, aber die Romane sind von ganz unterschiedlicher Qualität.

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Sechs Kosmopoliten suchen einen Mörder

Maxim Biller – Sechs Koffer Cover: Kiepenheuer & Witsch

Sechs Koffer ist wahrlich alles andere als Unterhaltungslektüre. Das Vermächtnis des Großvaters Schmihl und die Widerfahrnisse der Familie Biller auf dem Weg aus Prag in den Westen zeichnen das Porträt einer nicht gerade sympathischen Familie, die den teils lebensbedrohlichen Schikanen des Kommunismus zu entrinnen sucht. Mit seinem direkten – man ist dazu verleitet zu sagen: beinahe ordinären – Sprachstil bewegt sich Maxim Biller irgendwo zwischen Krimi, Agententhriller und Familientragödie.

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Schwarze Diamanten und weißer Tod

Ralf Piorr (Hg.) – Die Männervon Luise Cover: Klartext

Das Erlebnis der Arbeit unter Tage ist im „Pott“ hinlänglich bekannt – doch die Schattenseiten des Bergmannslebens bleiben oft unerzählt. Ralf Piorrs Wiederentdeckung der anonymen Erzählung Die Männer von Luise überzeugt nicht durch sein ästhetisches Potenzial oder die Poetik des Autors, sondern durch die harte Realität der Kohlenförderung. Von einem, der sich „die Trauer und die Wut von der Seele geschrieben“ hat.

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Jeder Champignon eine Prosaminiatur

Jean-Philippe Delhomme – Die Sache mit der Literatur Cover: liebeskind

Was denkt sich wohl ein Autor? Ein Problem, mit dem sich zahlreiche Leser auseinandersetzen – ebenso wie Jean-Philippe Delhomme. Seine Cartoons, stets mit einer in Ich-Form verfassten Bildunterschrift versehen, präsentieren humorvoll selbstverliebte Autoren, rücksichtslose Kritiker und genervte Journalisten. Ein Bildband mit kleinem Schönheitsfehler.

von THOMAS STÖCK

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Die Suche nach der verlorenen Freiheit

Aka Morchiladze: Reise nach Karabach, Cover: Weidle

„Gut“ oder „schlecht“ sind keine Kategorien, in die man den Roman Reise nach Karabach des Georgiers Aka Morchiladze einordnen kann. Vielmehr handelt es sich um ein derbes, nüchternes Werk mit Höhen und Tiefen, das von seiner Geschlossenheit lebt und besonders im Nachklang brilliert.                                    

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

Im Bardo ist die Hölle los

George Saunders: Lincoln im Bardo Cover: Luchterhand

George Saunders: Lincoln im Bardo Cover: Luchterhand

Es ist die Nacht, in der Willie Lincoln, der elfjährige Sohn des Präsidenten, stirbt. Bei George Saunders wird in Lincoln im Bardo daraus ein Meisterwerk, das ‚Berührung‘ neu erfindet.

von SIMONE SAUER-KRETSCHMER Weiterlesen

Ernten, was man sät

Robert Seethaler - Das Feld Cover: Hanser Berlin

Robert Seethaler – Das Feld Cover: Hanser Berlin

Die Stimmen der Toten zum Sprechen zu bringen, hat Tradition. Doch die diversen Rückkehrer und Besucherinnen aus dem Jenseits haben selten Gutes zu verkünden. Das lässt sich auch Seethalers Erzählerinnen und Erzählern nicht unbedingt unterstellen, doch was sie von den Geistern alter Könige, Schlossgespenstern und anderen Wisperern aus der Totenwelt unterscheidet, ist, dass sie auch nach ihrem Tod nicht viel mehr wissen und erzählen können als vorher. Seethalers Das Feld gelingt es dadurch nicht nur, ‚gewöhnliche‘ Geschichten zur Sprache kommen zu lassen, er lotet einmal mehr die Grenzen des Erzählens selbst aus.

von SOLVEJG NITZKE Weiterlesen

Schuster, bleib bei deinen Leisten

b.36 Schwanensee an der Deutschen Oper am Rhein Foto: Gert Weigelt

b.36 Schwanensee an der Deutschen Oper am Rhein Foto: Gert Weigelt

Ausgerechnet im Jahr von Marius Petipas 200. Geburtstag bringt die Oper am Rhein einen Schwanensee auf die Bühne, der kaum noch etwas mit dem ikonischen Ballettklassiker gemein hat. Während sich das Risiko tänzerisch voll und ganz auszahlt, fehlt der Inszenierung vor allem in den berühmten weißen Akten das Tempo. Martin Schläpfer beweist mit seinem Handlungsballettdebüt, dass seine Leistung als Regisseur noch nicht an sein Schaffen als Choreograf heranreicht.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen