Die tödliche Schlange Eifersucht

Verdis "Otello" am Essener Aalto-Theater Foto: Thilo Beu

Verdis „Otello“ am Essener Aalto-Theater Foto: Thilo Beu

Im Essener Aalto-Musiktheater gibt es mal wieder eine Verdi-Neuinszenierung. Diesmal jedoch nicht ein Klassiker wie Aida, La Traviata oder Rigoletto, sondern ein Spätwerk, das der Komponist in Angriff nahm, obgleich er sich eigentlich schon von der Opernwelt verabschiedet hatte: Otello nach Shakespeares gleichnamigem Drama. In der Regie von Roland Schwab und unter musikalischer Leitung von Matteo Beltrami wird (aufs Neue) deutlich, warum dieses „lyrische Drama“ zweifellos Verdis anderen Meisterwerken ebenbürtig – wenn nicht gar überlegen – ist.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

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Weiße Westen, Persil sei Dank

"Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" am Musiktheater im Revier Foto: Karl und Monika Forster

„Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ am Musiktheater im Revier Foto: Karl und Monika Forster

„Darum lasst uns hier eine Stadt gründen. Und sie nennen Mahagonny. Das heißt: Netzstadt.“ Während die neu gegründete Stadt Mahagonny mitten im amerikanischen Nirgendwo ihr Netz auswirft und immer neue Bewohner einfängt, kann Jan Peters Inszenierung von Kurt Weills Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen nur wenige Premierenbesucher fesseln. Weit entfernt von frenetischem Applaus, klatscht das Publikum eher höflich. Etwas euphorischer hätte es jedoch reagieren dürfen, zeigt das MiR doch ein mutiges Stück, in einer Inszenierung, die gern noch etwas mutiger hätte sein dürfen. 

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Ein Fest der Wollust

"Die Philosophie im Boudoir" am Schauspielhaus Bochum Foto: Birgit Hupfeld

„Die Philosophie im Boudoir“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Birgit Hupfeld

Herbert Fritsch feiert mit seiner Bochumer Neuinszenierung der Philosophie im Boudoir den Marquis de Sade. Ein Bühnen- und Kostümbild für die Götter, stimmige Live-Klaviermusik und Darsteller, die nicht bloß sprachlich, sondern vor allem körperlich alles in die Waagschale werfen – mutige, erfrischende und in ihrer Kohärenz schwer zu übertreffende Abende wie dieser sind das Lebenselixier des Stadttheaters.  

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Leidenslaboratorium unter himmlischen Lichtern

"Celestial Sorrow" Foto: Laura Van Severen

„Celestial Sorrow“ Foto: Laura Van Severen

Celestial Sorrow – so heißt das Ergebnis der Kollaboration zwischen Choreografin Meg Stuart und dem bildenden Künstler Jompet Kuswidananto, das PACT Zollverein auf die Bühne gebracht hat und das im nächsten Jahr noch in Minneapolis, Gent, Wien und Berlin zu erleben sein wird. Ausgehend von Kuswidanantos Erinnerung an die Suharto-Diktatur in Indonesien, während welcher der Künstler aufwuchs, entstand eine eindrucksvolle Installation und Performance über Trauer, Schmerz und die Geister der Vergangenheit.

von SILVANA MAMMONE Weiterlesen

Kurzatmiger Tony in kurzweiligem Musical

„West Side Story“ am Theater Dortmund Foto: Anke Sundermeier, Stage Picture

Die Musik- und Bühnenwelt feiert 2018 Leonard Bernsteins 100. Geburtstag. Obwohl dieses Jahr auf den Spielplänen weltweit zahlreiche Bernstein-Produktionen auftauchten, hielt man sich ausgerechnet mit seinem größten Erfolg, der West Side Story, erstaunlich lange zurück. Nur an fünf deutschen (und 18 internationalen) Opernhäusern fanden Aufführungen statt. Unter den fünf deutschen Produktionen sind immerhin zwei Premieren im Bernstein-Jahr zu verzeichnen. Eine halbe Premiere feiert nun auch das Theater Dortmund. Kostüme und Requisiten sowie einen Teil der Hauptbesetzung nahm Regisseur Gil Mehmert vom Domplatz Open Air 2017 aus Magdeburg mit ins Ruhrgebiet, wo das nun über 60 Jahre alte Stück für ausverkaufte Vorstellungen sorgt.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Vor dem Sterben kommt alles anders

"Ein großer Aufbruch" am Schauspiel Essen Foto: Matthias Jung

„Ein großer Aufbruch“ am Schauspiel Essen Foto: Matthias Jung

Nach einem cineastischen Frankenstein und einem etwas überfordernden Parsifal bringt der Zürcher Regisseur Gustav Rueb sein drittes Stück am Schauspiel Essen auf die Bühne: Ein großer Aufbruch nach dem gleichnamigen Fernsehfilm von Magnus Vattrodt. Dieser Theaterabend gerät zu einer emotionalen Auseinandersetzung mit den Themen Sterben und Sterbehilfe – aber vor allem zu einem klischeefreien Plädoyer für geklärte zwischenmenschliche Verhältnisse.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Im Labyrinth des flüchtigen Seins

"Moments of Being" von kaleidoskop beim west off-Festival Foto: Annika Meyer

„Moments of Being“ von kaleidoskop beim west off-Festival Foto: Annika Meyer

Das Theaterfestival west off beschäftigt sich in diesem Jahr unter anderem mit der (De-)Konstruktion unserer Wahrnehmung und dem Begriff der Wirklichkeit. In diesem Rahmen zeigt das Kollektiv kaleidoskop seine „theatrale Rauminstallation“ Moments of Being und präsentiert dem Publikum eine sehr persönliche Annäherung an Virginia Woolfs Schreiben und (künstlerisches) Erleben.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Alles hat ein Ende – den Göttern sei Dank!

Richard Wagners "Götterdämmerung" an der Deutschen Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Richard Wagners „Götterdämmerung“ an der Deutschen Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Es ist vollbracht: Die Deutsche Oper am Rhein hat mit Götterdämmerung nun den letzten Teil von Wagners Ring-Zyklus zur Premiere gebracht. Während die Solisten vom Premierenpublikum frenetisch gefeiert werden, holt sich das Kreativteam um Regisseur Dietrich W. Hilsdorf ein lautes Buh-Konzert ab. Daran sollte es sich inzwischen gewöhnt haben.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Carmen zickt sich durch das Aalto-Theater

"Carmen" am Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

„Carmen“ am Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

George Bizets Carmen ist eine der wahrscheinlich spannendsten Frauenfiguren der Operngeschichte. In Lotte de Beers gleichnamiger Inszenierung am Essener Aalto-Theater wird die eigentlich starke Frau leider zur Zicke degradiert. Auf der wenig abwechslungsreichen Bühne können auch die vor allem in den Nebenrollen stimmlich erstklassig besetzten Solisten kaum etwas retten. Bei der Premiere gibt es verhaltenen Applaus für die Titelpartie und, mal wieder, ein Buh-Konzert für die Kreativen.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Mass: Messe? Masse? Theater!

Leonard Bernsteins "Mass" am Musiktheater im Revier Foto: Forster

Leonard Bernsteins „Mass“ am Musiktheater im Revier Foto: Forster

Mit Mass ist dem Musiktheater im Revier ein wahrer Glücksgriff gelungen. Im Jahr des 100. Geburtstages von Leonard Bernstein bringen die Gelsenkirchener ein Werk auf die Bühne, das selbst eingefleischte Fans des Komponisten wahrscheinlich noch nicht live erleben durften. Und „erleben“ ist hier das richtige Verb. Richard Siegal bringt in seiner Inszenierung rund 180 Künstler auf und unter die Bühne und kreiert damit einen Theaterabend, den man so schnell nicht vergessen wird.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen