Die Welt in einem Kammerspiel

In der Casa des Schauspiels Essen wird Ibsens Peer Gynt wieder- bzw. neuentdeckt. Neben dem großartigen Alexey Ekimov in der Titelrolle sind lediglich drei Darstellerinnen und ein Musiker zu erleben, die keine Langeweile aufkommen lassen. Regisseur Karsten Dahlem gelingt es dennoch nicht, einen Theaterabend zu schaffen, der über cineastische Inszenierungsstandards hinausgeht.

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Ein neuer Ruhrpott-Lohengrin

Nachdem es im Dezember 2016 bereits eine aufsehenerregende Lohengrin-Premiere am Essener Aalto-Theater gab, legt Schauspiel- und Musiktheater-Regisseur Ingo Kerkhof nun seine Interpretation dieser wahrscheinlich romantischsten aller Wagner-Opern im Theater Dortmund vor. Atmosphärisch dichte Bilder, aber auch eine beglückende Sängerbesetzung rund um Daniel Behle in der Titelrolle sowie zupackende Dortmunder Philharmoniker sorgen für eine Vorstellung mit einem ungewöhnlich hohen ästhetischen Wert.

Theater Dortmund, Spielzeit 2019-2020, Lohengrin; Romantische Oper in drei Akten von Richard Wagner

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Lautstarke Bilder

„Dantons Tod“ am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Thomas Aurin

Mit Dantons Tod in der Regie von Armin Petras eröffnet das Düsseldorfer Schauspielhaus die neue Spielzeit. Es zeigt Georg Büchners Drama über die Französische Revolution in fantastischen Impressionen, die jedoch leider durch überlange Geschrei-Passagen unterbrochen werden. Überraschend beeindruckende Szenen täuschen daher nicht über die monotonen Darstellungen hinweg.

von JASMIN GIERLING Weiterlesen

Samsons Schwachstelle oder: Das Alte Testament auf der Opernbühne

"Samson et Dalila" an der Deutschen Oper am Rhein Foto: Jochen Quast

„Samson et Dalila“ an der Deutschen Oper am Rhein Foto: Jochen Quast

Camille Saint-Saëns dürfte den meisten Musikliebhabern weniger als Opernkomponist, eher als Verfasser von Konzert- bzw. Orchesterstücken bekannt sein – allen voran Le Carnaval des animaux (Der Karneval der Tiere). Mit Samson et Dalila schuf der Franzose aber auch ein Meisterwerk des spätromantischen Musiktheaters, das nun in einer Neuinszenierung in der Deutschen Oper am Rhein zu erleben ist. Die Partitur weiß hier Axel Kober zum Leuchten zu bringen, während Regisseur Joan Anton Rechi eine beeindruckend stimmige Aktualisierung des biblischen Stoffes gelingt.

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Machen es wirklich alle so?

"Così fan tutte" am Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

„Così fan tutte“ am Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Essens gegenwärtiger Generalmusikdirektor Tomáš Netopil liebt nicht nur die großen Komponisten seiner tschechischen Heimat, sondern insbesondere auch Mozart. So übernimmt er nach Titus und vor Figaros Hochzeit nun die musikalische Leitung der Neuinszenierung von Così fan tutte. Regie führt der Engländer Stephen Lawless, zum ersten Mal am Aalto-Musiktheater. Er zeichnet diesen heiteren und zugleich bitterernsten Geniestreich aus dem Jahr 1790 als farbenfrohe Referenz ans klassische Bühnendekor.

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Wenn die Pikdame ihr Ass ausspielt

"Pique Dame" an der Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

„Pique Dame“ an der Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Die Deutsche Oper am Rhein holt die US-amerikanische Regisseurin Lydia Steier, die im letzten Jahr als erste Frau Mozarts Zauberflöte bei den Salzburger Festspielen inszenierte, nach Düsseldorf, um Pique Dame, die zweitberühmteste Oper von Tschaikowskij, auf die Bühne zu bringen. Entstanden ist ein zwar konventioneller, aber durchweg überzeugender, farbenfroher Musiktheater-Abend mit einigen wenigen Durststrecken.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Mad World…

"Orest in Mossul" am Schauspielhaus Bochum Foto: Fred Debrock

„Orest in Mossul“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Fred Debrock

International, multimedial und im erschreckend aktuellen Kontext feiert Orest in Mossul Bochumer Premiere am Schauspielhaus. Der preisgekrönte Regisseur Milo Rau versetzt die Motive der antiken Tragödie des Aischylos in das irakische Mossul der Gegenwart. Weltpolitik trifft auf persönliches Schicksal, wenn die Konsequenz der Realität Gewalt ist. Die Schrecklichkeit erscheint in ihrer eigenen Ästhetik und trifft direkt ins Herz.

von JASMIN GIERLING Weiterlesen

Die Koexistenz von Religionen

"Die Jüdin von Toledo" am Schauspielhaus Bochum Foto: Jörg Brüggemann / Ostkreuz

„Die Jüdin von Toledo“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Jörg Brüggemann / Ostkreuz

Die Jüdin von Toledo war die Eröffnungspremiere des Schauspielhauses Bochum unter der neuen Intendanz von Johan Simons, welcher auch die Regie bei dieser Inszenierung übernahm. In Koen Tachelets Theaterfassung nach dem Roman von Lion Feuchtwanger zeigt sich ein starkes Ensemble, welches auf reduzierter und abstrakter Bühne den komplexen und komplizierten Dialog dynamisch darzustellen weiß.

von KEVIN WANCKEL Weiterlesen

Vom Leben und Sterben eines stolzen Mannes

Shakespeares "Coriolan" am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Sandra Then

Shakespeares „Coriolan“ am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Sandra Then

Auf der CENTRAL-Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses inszeniert Tilmann Köhler, nachdem im Februar bereits Hamlet Premiere feierte, ein weiteres Shakespeare-Stück: den eher selten gespielten Coriolan. Während die grelle, slapstickverliebte Herangehensweise manches Mal an den Nerven zerrt, begeistert der Abend vor allem mit einem überragenden André Kaczmarczyk in der Titelrolle.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Ich ist ein anderer

"Die Kopien" am ROTTSTR5 Theater Foto: Sophia Remer

„Die Kopien“ am ROTTSTR5 Theater Foto: Sophia Remer

Constanze Hörlin inszeniert Caryl Churchill am ROTTSTR5 Theater in Bochum. Die Kopien thematisiert aktuelle Fragen nach Identität und Austauschbarkeit und ist doch in seiner Zeit verhaftet. Die Inszenierung vermag jedoch nicht über die Oberflächlichkeit des Textes hinwegzutäuschen.

von MORITZ MÜLLER Weiterlesen