To be, or not to be?

Slata Roschal: 153 Formen des Nichtseins; Cover: homunculus

Es gibt vielleicht keine Frage auf der Welt, die die Menschen mehr umtreibt: Was geschieht nach dem Tod? Dass wir alle eines Tages sterben müssen, sofern in den nächsten Jahren keine medizinische Revolution stattfindet, ist klar. In ihrem Debütroman 153 Formen des Nichtseins stellt sich Slata Roschal die Frage nach dem Leben, dem Tod, und dem Dazwischen – dem Nichtsein. Dabei hält sie nicht ganz, was sie verspricht, aber das ist auch gut so, denn hätte sie das Nichtsein wörtlich genommen, so lägen leere Seiten vor uns. Der Roman hat es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2022 geschafft, auf der Shortlist fehlt er. Schade.

von REEMDA HAHN

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Gescheiterter Künstler, gefeierter Künstler

Akira Kurosawa (1910–1998) vor Beginn seiner großen Karriere im Jahr 1937.

Heute vor 24 Jahren ist der japanische Regisseur Akira Kurosawa gestorben. Wenige Filmemacher haben eine solch große Anzahl an filmischen Meisterwerken hinterlassen wie der Japaner. Egal ob Historienepos, Kriminalfilm oder Gesellschaftsdrama – Kurosawas Filme gehören immer noch mit zu den besten, die die Filmwelt zu bieten hat. Dabei wollte Kurosawa eigentlich gar nicht Regisseur werden und am Anfang seiner Filmkarriere stand auch noch der Tod eines geliebten Menschen.

von CARO KAISER

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Shylock, Ikone des Antisemitismus

Der für seine Antihelden-Darstellungen bekannte Schauspieler Ernst von Possart als Shylock, etwa um 1904.

„Ein Pfund Fleisch“: Diese Forderung ist der grausame Ruf nach Gerechtigkeit eines Menschen, dem übel mitgespielt wird. Die Figur Shylock erblickte um 1600 im Kaufmann von Venedig das Licht der Shakespeare’schen Bühnenwelt und steht bis heute wie keine zweite für das Schicksal der jüdischen Bevölkerung. Was uns Shylock noch heute zu erzählen hat, davon zeugt das heutige Porträt.

von THOMAS STÖCK

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Aleppinische Buddenbrooks

Khaled Khalifa: Keiner betete an ihren Gräbern; Cover: Rowohlt

Khaled Khalifas Keiner betete an ihren Gräbern begleitet uns hinab in die liebestollen Schicksale der Bürger Aleppos. Von Narben gezeichnet sind deren Leben durch die zahlreichen Katastrophen, die das osmanische Reich, das französische Mandatsgebiet sowie das unabhängige Syrien heimsuchen. Von der Flut, dem Ersten Weltkrieg, von Hunger und Massakern, von Pest und Cholera – nichts bleibt den Menschen erspart. Doch selbst die Liebe bietet den Bewohnern des Romans keinen Halt: ein schaurig-schönes Panorama für das Leiden bietet Aleppo.

von THOMAS STÖCK

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Der Rockstar der Renaissance

William Shakespeare (1564 – 1616) im berühmten Chandos portrait von John Taylor (1585 – 1651); Public Domain

Vor 406 Jahren verließen zwei der wichtigsten Autoren der Spätrenaissance die Weltbühne. Deren Werke nehmen auch heute noch eminente Plätze in so ziemlich jedem Kanon der Weltliteratur ein. Nach den damals geltenden Zeitrechnungen fällt der Todestag jeweils auf den 23. April 1616. Die Rede ist von Miguel de Cervantes und William Shakespeare. Gilt der erste durch seinen Don Quijote als Begründer des modernen Romans, revolutionierte sein jüngerer Zeitgenosse das Theater. Letzterem ist dieses Autorenporträt gewidmet.

von STEFAN JAKOB

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Als komische Typen salonfähig wurden

Molière (1622–1673) in der Rolle des Caesar in „Mort de Pompée“, einer Tragödie von Corneille. Paris, musée Carnavalet. Nicolas Mignard, Public domain, via Wikimedia Commons

Ein neuer Tag, ein neues Jubiläum! Heute begeben wir uns ein paar Jahrhunderte zurück in die Zeit des französischen Absolutismus. Molière, Zeitgenosse von Ludwig XIV., Pierre Corneille und Jean Racine, erhob die Komödie zu einer der Tragödie ebenbürtigen Gattung. Heute wäre er 400 Jahre alt geworden.

von THOMAS STÖCK

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Vom Leben und Sterben eines stolzen Mannes

Shakespeares "Coriolan" am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Sandra Then

Shakespeares „Coriolan“ am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Sandra Then

Auf der CENTRAL-Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses inszeniert Tilmann Köhler, nachdem im Februar bereits Hamlet Premiere feierte, ein weiteres Shakespeare-Stück: den eher selten gespielten Coriolan. Während die grelle, slapstickverliebte Herangehensweise manches Mal an den Nerven zerrt, begeistert der Abend vor allem mit einem überragenden André Kaczmarczyk in der Titelrolle.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Wir sind Hamlet

"Hamlet" am Düsseldorfer Schauspielhaus   Foto: Sandra Then

„Hamlet“ am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Sandra Then

Ein schillernder Prinz, der vom Tod seines Vaters in den Wahnsinn getrieben wird, zieht das Publikum im Düsseldorfer Schauspielhaus in seinen Bann und zeigt das Leben und die Menschlichkeit in all ihren Abgründen. Christian Friedel, seine Band Woods of Birnam und das Ensemble zeigen in Roger Vontobels Inszenierung ein facettenreiches Schauspiel, das mehr als nur einmal die Stimmung eines Poprock-Konzerts hervorruft.

von JASMIN GIERLING Weiterlesen

Narrheiten eines alten Königs

Shakespeares "König Lear" vom Schauspiel Stuttgart bei den Ruhrfestspielen Foto: Thomas Aurin

Shakespeares „König Lear“ vom Schauspiel Stuttgart bei den Ruhrfestspielen Foto: Thomas Aurin

Was tun, wenn die jüngere Generation nach der Krone greift und man selbst nur noch Relikt vergangener Glorie ist? Dass dies nur in der Shakespearehandlung zutrifft, beweist eine Theater-Legende: Nach der Premiere am Schauspiel Stuttgart zeigt Claus Peymann seinen König Lear nun auch bei den Ruhrfestspielen.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Hinter der Mauer lauern Liebe und Hass

Shakespeares "Romeo und Julia" am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

Shakespeares „Romeo und Julia“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

Marius von Mayenburg inszeniert am Schauspielhaus Bochum den wohl bekanntesten Theaterklassiker überhaupt: Romeo und Julia. Was ihn am Stoff fasziniert, ist aber weniger die „Love Story“ als die düstere Omnipräsenz des Todes. Dank interessanter Regieeinfälle und engagierter Darsteller gelingt ein starker, unverschnörkelt-eindringlicher Shakespeare-Abend auf Niveau der besten Schaubühnen-Produktionen.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen