Mit dem Titel “Das lesen die Pendler” erschien am gestrigen Freitag ein Artikel über unsere “Lesende U35” in den Bochumer Ruhrnachrichten. Esra Canpalat stand Benjamin Hahn in einem Interview Rede und Antwort zu unserer Aktion, bei der die Pendler der Campus-Linie und ihre jeweilige Lektüre abgelichtet werden.
Die lesende U35 #9
Was liest du? The Sense of an Ending von Julian Barnes
Worum geht es? Ich habe erst vor Kurzem angefangen das Buch zu lesen, deswegen kann ich noch nicht viel dazu sagen. Es geht auf jeden Fall um die Entwicklung des Erzählers von der Jugend bis ins hohe Alter. So’n bisschen coming-of-age eben.
Wie gefällt dir deine Lektüre bis jetzt? Bis jetzt sehr gut. Die Geschichte ist mit einem feinen, zielsicheren Humor geschrieben, hat aber trotzdem viele philosophische Passagen, die zum Nachdenken anregen.
Familienepos im Querformat
„Test. – Legen Sie das Buch vor sich hin. Lesen Sie jede Frage genau und beantworten Sie sie dann, so gut Sie können. Auf ‚Los’ geht’s los! Los. 1. Sie sind a) männlich. b) weiblich. Trifft b) zu, dürfen Sie hier aufhören.“ Thea Dorn hat offenbar tatsächlich an dieser Stelle aufgehört, Chris Wares Jimmy Corrigan zu lesen. „Bestätigt das meinen Verdacht, dass Comics doch eher was für verschreckte Nerds mit einem komplexen Vaterverhältnis sind?“ fragt sie in der SWR-Sendung Literatur im Foyer ihren Gast Denis Scheck. Er bleibt bewundernswert höflich, als Dorn den „bildungsbürgerlichen Eltern“ auch noch empfiehlt, den Comic in die vorher gewaschenen Kinderhände zu geben. „Kinder, Kinder. Das ist ein Missverständnis. Das ist kein Comic, das sich an Kinder wendet!“ Warum Denis Scheck Recht hat und Thea Dorn bei ihren Asterix-Heften bleiben sollte.
Von HANNAH KONOPKA
Die lesende U 35 #8
Name: Lena (will lieber inkognito bleiben)
Was liest du? Kleine Geschichte der russischen Literatur von Reinhard Lauer.
Worum geht es? Es handelt sich bei diesem Buch um einen historischen Überblick über russische Literatur.
Wie gefällt dir deine Lektüre bis jetzt? Ich muss das Buch für die Uni lesen. Es ist sehr trocken geschrieben!
Der Frosch, der Wolf, der Bär und die griechische Krise
Wie lebt es sich als Frosch? Wenn man ausbaden muss, was Wolf und Bär einem eingebrockt und der Affe verschwiegen hat? Edit Engelmann weiß es. In Krise! Krise! Schulden am Olymp. Das Tagebuch eines Frosches gibt sie dem griechischen Frosch eine Stimme. Die Rollen sind klar verteilt: der Wolf in der Politik auf der einen Seite, der Bär im Finanzwesen auf der anderen und dazwischen der kleine Frosch von der Straße. Was klingt wie eine äsopsche Fabel, ist Engelmanns Versuch mit dem Bild Griechenlands und dessen Krise in den (deutschen) Medien aufzuräumen.
Dieses Buch entstand, weil sie dem Leser zeigen wollte „was nicht in den Zeitungen steht, was an Informationen unterschlagen wird.“ Und auch, weil sie findet, dass „auch der deutsche Frosch wissen sollte, was der griechische Frosch denkt.“ So von Frosch zu Frosch eben.
von VERENA SCHÄTZLER
Phaser auf Töten
Andy ist ein Schwächling. Sein Vater hat ihn in weiser Voraussicht als Kind mit Hormonen behandeln lassen, damit er unglaublich stark wird, wenn er Zigaretten raucht. Außerdem vererbt er seinem Sohn eine Pistole, mit der Andy Menschen einfach verschwinden lassen kann. Daniel Clowes’ Todesstrahl ist ein Superheldencomic, aber irgendwie anders.
von HANNAH KONOPKA
Schatten der Zeit
Als das Meer die Welt verschlang
1755 bebte die Erde im Westen der iberischen Halbinsel. Zehntausende Menschen verloren ihr Leben bei einer der verheerendsten Naturkatastrophen der Neuzeit. Die prachtvolle Hauptstadt Lissabon wurde fast völlig zerstört. Eine literarische Spurensuche. Lissabon erlesen, fünfte Folge.
Von PHILIPP KAMPSCHROER
„Der Tod ist ein Ort ohne Brüste.“
Titten, Möpse, Hupen, Glocken, Bazongas… Wahrscheinlich gibt es für keinen anderen Körperteil des Menschen so viele kreative Bezeichnungen wie den der weiblichen Brust. Paula Lambert, Sex-Kolumnistin der GQ, und Journalist und Autor Helmut Ziegler gehen in Brüste. Das Buch dieser Faszination um die Brust auf den Grund – und das mit sehr viel Humor, aber auch mit dem dazugehörigen Ernst.
Von ESRA CANPALAT
Es ist Zahltag in Athen. Und wer nicht zahlt, wird umgebracht!
Am 6. Dezember 2012 erklärte Griechenlands Premier Antonis Samaras im Interview mit einer deutschen Boulevardzeitung, “Steuerflucht ist eines unserer größten Struktur-Probleme.“ Dies hatte der Krimi-Autor Petros Markaris schon im Jahr zuvor erkannt. In Περαἰωση (dt. Zahltag), dem zweiten Roman der Trilogie über die Bankenkrise und dem insgesamt achten Krimi des Ermittlers Kostas Charitos, erfährt der Leser, wie man säumige Steuerzahler am besten zur Kasse bittet. Hätte Samaras diese Anleitung gelesen, dann hätte er gewusst, was zu tun ist. Oder er hat sich auch nur an den Klappentext gehalten: «Το μυθιστόρημα δεν συνιστάται για απομιμήσεις!» (Nicht zur Nachahmung empfohlen!)
Von VERENA SCHÄTZLER

